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Kolumne: Limited Run Games und der Stress mit begrenzten Modulauflagen

Tjark Michael Wewetzer, am 12.07.2020, Seite 1 von 1

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Seitdem die Vita sich für Sony als unrentabel herausstellte und vermehrt Neuerscheinungen für die Konsole lediglich im PSN-Store landeten, wurden die Schreie nach Einzelhandelsveröffentlichungen diverser Spiele stetig lauter. Selbst größere Dritthersteller sprangen nämlich zunehmend ab und fuhren den Support für die Konsole – zumindest wenn es um die Regalpräsenz geht – stark zurück. Diese immer größer werdende Lücke dürfte wohl der Stein des Anstoßes für Firmen wie Limited Run Games, Super Rare Games, Strictly Limited und Konsorten gewesen sein. Speziell das erstgenannte Team hat sich mir quasi als erster großer Vermarkter von begrenzt verfügbaren Disc- oder Modulstückzahlen ins Gedächtnis gebrannt und ohne den unbestreitbaren Erfolg von Limited Run Games wären die zahlreichen Mitbewerber vermutlich nie mit ins Geschäft eingestiegen. Wie kein anderer Konzern bewies der Trupp, dass es selbst für die am nischigsten wirkenden Produkte durchaus ein begeistertes Publikum gibt, welches dankend jede Möglichkeit zur Erweiterung der eigenen Sammlung wahrnimmt. All das führt und nun, beinahe volle fünf Jahre nach der ersten Limited Run-Nummer, zur großen Ankündigungswelle vom 8. Juli. Ganze 34 neue Spieleveröffentlichungen wurden innerhalb eines Livestreams angekündigt. Die vollständige Liste lasse ich euch gerne selber durchforsten (Link), für mich kristallisiert sich hier jedoch langsam ein gewisses Problem heraus: Die Angst, etwas zu versäumen.


Wie ihr sicherlich schon wisst (sofern ihr uns schon etwas länger verfolgt), bin ich ein großer Freund von physikalischen Datenträgern (zur Kolumne). Wann immer man mich vor die Wahl eines Moduls oder eines Downloads stellt, nehme ich das Modul. Selbst wenn ich dafür große Umwege in Form eines teuren Imports auf mich nehmen muss. Manchmal ist mir da auch das Glück hold und ein in meiner Nähe befindliches Fachgeschäft hat zufälligerweise auch ebendiese Import-Ware auf Lager. So kam ich beispielsweise an die anfangs erstaunlich raren Europa-Versionen von Tokyo Xanadu für PS4 und Vita sowie die US-Limited-Edition von Ar Nosurge Plus für Vita. Und ja, auch ich habe deswegen schon den ein oder anderen Kauf bei den oben genannten Bedarfsproduzenten getätigt. Speziell bei Limited Run Games habe ich bereits einiges an Geld gelassen, einfach weil ich Titel wie Mary Skelter 2, Va-11 Hall-A, Divinity: Original Sin 2 und London Detective Mysteria lieber in meinem Regal als nur auf einer microSD-Karte haben wollte. Von daher sollte doch gerade mir als Freund von Modulen und Discs dieses Konzept wunderbar passen, nicht? Ich bekomme schließlich genau das, was ich möchte!

Ran an die Cartridge
Mich wurmt aber eben gerade diese begrenzte Verfügbarkeit an der Sache. Speziell denke ich da gerade an die eigentlich für den 9. Juli geplante und nun aufgrund eines technischen Fehlers auf die Folgewoche verschobene Modulausgabe von SteamWorld Dig 1 & 2 sowie SteamWorld Heist für Switch über Super Rare Games. Das sind Spiele, die ich ungemein gerne so in meiner Sammlung hätte. Ich weiß aber auch, dass ich im Prinzip nur diese eine Chance dafür kriege. Und wer weiß, wieviele sich noch um diese 5.000 bis 6.000 Exemplare streiten. Eventuell könnte alles nach wenigen Minuten vergriffen sein. Andererseits ist der Stress vielleicht auch unnötig, weil – so wie bei SteamWorld Quest beim selben Vertrieb – noch mehrere Wochen später Exemplare abzugreifen sein könnten. Diese Ungewissheit schmerzt umso mehr, wenn man eben noch ein paar andere Spiele auf der Einkaufsliste hat oder überhaupt gerade knapp bei Kasse ist. Besagter technischer Patzer sorgte übrigens dafür, dass die SteamWorld-Spiele direkt zu Vorbestellungsbeginn als „ausverkauft“ angezeigt wurden. Schöner Schocker, nicht wahr?


Limited Run Games ist in dieser Hinsicht glücklicherweise besser geworden. Wurden zu Beginn ausschließlich auf eine feste Stückzahl begrenzte Exemplare gepresst, startet so ziemlich jeder neue Titel im Sortiment nun als „offene Vorbestellung“. Soll heißen, im angegebenen Zeitraum können so viele Vorbestellungen platziert werden, wie Leute sie haben möchten, und am Ende der Phase kann es womöglich sogar Restexemplare geben, die später noch angeboten werden – schlichtweg weil für die tatsächliche Produktion auf eine höhere Zahl aufgerundet werden muss. Gerade Spiele, bei denen Limited Run Games tatsächlich mehr als Vertriebspartner anstelle eines Produzenten agiert und entsprechend nicht mit einer Katalognummer versehen werden, sind gerne mal über längere Zeit hinweg frei verfügbar. Besagte Vorbestellungszeiträume sind zudem recht großzügig gewählt und laufen in der Regel entweder zwei oder vier Wochen. Aber gerade in Angesicht der massiven Spieleliste des im ersten Absatz verlinkten Artikels wird es mir persönlich – und allem voran meinem Konto – langsam doch zu viel.

Große Namen in kleinen Stückzahlen
Ich will natürlich nicht bestreiten, dass es in vielen Fällen gar nicht anders geht. Kleinere Titel wie Jay and Silent Bob: Mall Brawl, Momodora: Reverie under the Moonlight, Wandersong oder die nie enden wollende Flut an aufgewärmter Altware von Annodazumal wie Turok oder Star Wars Episode I: Racer würden vermutlich heutzutage niemals von irgendeinem regulären Publisher mit einer Retail-Veröffentlichung geehrt werden. Es gibt für sie schlichtweg keinen anderen Weg als diese limitierten Exemplare für eingefleischte Fans. Aber mittlerweile finden sich auch diverse Spiele größerer Publisher und Entwickler im Sortiment von Limited Run Games. Ich staunte nicht schlecht, als das Team von Limited Run Games eines Tages die Jak & Daxter-Trilogie plus Rennspiel-Spinoff Jak X: Combat Racing für die PS4 ankündigte, handelt es sich dabei doch immerhin um eine Sony-Marke! Als Erklärung dafür – und für andere Dinge wie Psychonauts oder auch einige Star Wars-Titel – lässt sich höchstens die Tatsache anführen, dass es sich bei den „PS4“-Fassungen um emulierte PS2-Spiele mit Trophäen-Unterstützung handelt. Trotzdem fühlte ich mich da dezent veralbert.


Andere Hersteller wie Konami oder vor allem Idea Factory wiederum können solche Ausreden nicht bringen. Konami scheint wohl mit der Castlevania Anniversary Collection austesten zu wollen, wie deren Fangemeinde auf Limited Run Games anspringt. Idea Factory auf der anderen Seite setzt bereits voll und ganz auf dieses Vertriebsteam. Unter den Switch-Spielen des Publishers erschien lediglich Super Neptunia RPG ganz regulär im Einzelhandel. Alles andere – sei es Moero Chronicle Hyper, Mary Skelter 2, Arc of Alchemist oder auch das jüngst bestätigte Megadimension Neptunia VII – sind nur über diesen einen Weg auf Modul beschaffbar. Das ist umso ärgerlicher, da Idea Factory International damals zu den wenigen Publishern gehörte, welche die Vita bis zu ihrem lang herausgezögerten Ende mit Retail-Exemplaren versorgten. Doch vielleicht ist es genau das, was sich nun rächt – immerhin fuhr das Team in den Vereinigten Staaten sogar schon die Produktion von PS4-Discs spürbar herunter. So erschien die westliche Sony-Version von Arc of Alchemist lediglich in Europa weitflächig im Einzelhandel, während unsere amerikanischen Zocker-Freunde auf den Online-Store der Firma angewiesen waren und auch erst stark verspätet zum Zug kamen. Ähnlich wie Idea Factory agiert zudem gerade WayForward, die mit Limited Run Games offensichtlich ihren Traumpartner gefunden haben. Ob Shantae and the Seven Sirens, Vitamin Connection oder nicht weniger als sechs der 34 Spiele der letztwöchigen Ankündigungen – mit dem „regulären“ Vertriebsweg scheint man abgeschlossen zu haben.

Die Moral von der Geschicht'?
Und da macht sich dann wieder dieser Gedanke in meinem Kopf breit. Dass ich all dies ja schon gerne hätte, wohl aber nur eine Chance dafür habe. Speziell aus dem eingangs verlinkten Artikel gilt mein Interesse etwa der Grandia HD Collection, Castlevania Anniversary Collection sowie Megadimension Neptunia VII. Ob ich bei den jeweiligen Vorbestellungsphasen aber auch in der Lage bin, sie mir zu erlauben, steht auf einem anderen Blatt. Ich will damit schlussendlich Vertriebe von begrenzten Spieleauflagen nicht verteufeln – es gibt immerhin, wie bereits angemerkt, in vielen Fällen entweder so eine Modul- bzw. Disc-Version oder eben gar keine. Ich würde mir aber zumindest wünschen, dass größere Publisher doch das Ruder selbst in die Hand nehmen und ihre Spiele weitflächiger anbieten, anstatt alle Interessenten an einen Händler aus einem anderen Land zu verweisen. Bei Limited Run Games ist glücklicherweise die Einfuhrumsatzsteuer bei den Versandkosten mit inbegriffen, doch das handhabt leider nicht jeder so. Was mir hingegen insgesamt besser gefällt, ist die Betrachtung solcher Vertriebe als lokaler Publisher. DotEmu hat beispielsweise für Streets of Rage 4 und Ys Origin parallel zum Limited Run-Deal einen Partner für Europa gesichert, der diese auch ganz normal im Einzelhandel veröffentlicht. Prototypes Clannad-Port für die Switch ist wiederum auch heute noch relativ bequem – wenn auch natürlich nicht ganz günstig – über Japan beziehbar. In allen drei Fällen habe ich aber so oder so mehr Zeit, mir Geld zur Seite zu legen und vielleicht auch erst später zuzuschlagen. Ich verpasse nichts.


Was ich damit vielleicht schlussendlich sagen möchte: Kinder, fangt nicht mit dem Sammeln von Videospielen an. Das führt nur zu unnötigem (finanziellen) Stress.

Fängt bereits an, einen Grandia-Sparstrumpf zu stricken: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

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1 Kommentar

profil 652 comments
[16.07.2020 - 18:21 Uhr]
Regnat:
Ja, das Ganze ist eine absolute zweischneidige Angelegenheit. Einerseits muss man ständig hinterher sein, um das nicht zu verpassen und dabei eben schnell mehr Geld in die Hand nehmen, aber andererseits hat man dadurch die Möglichkeit sich eine schicke Sammlung aufzubauen.
Ich wäge es von Fall zu Fall ab.

Auf jeden Fall ein sehr gut geschriebener Artikel.
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