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Kolumne: Liebe auf den zweiten Blick

PortableGaming-Redaktion, am 13.12.2020, Seite 1 von 1

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Letzte Woche präsentierten wir euch die Spiele, die wir als großartig oder zumindest gut in Erinnerung hatten, sich aber im Nachhinein als eher mäßig bis mies herausstellten (Link). Doch natürlich geht dieser Sinneswandel auch andersherum: Manchmal findet man Spiele, die einem beim ersten Anzocken alles andere als gefallen haben, nur um dann Jahre später mit etwas mehr Erfahrung bei einer neuen Proberunde feststellen zu dürfen, die ganze Zeit eine kleine Perle ungerecht abserviert zu haben. Der Grund dafür kann unterschiedlich sein. Vielleicht war man beim Erstkontakt nicht in der richtigen Stimmung für den entsprechenden Titel. Womöglich fehlte es schlichtweg an Genre-Expertise oder man störte sich an Dingen, die sich erst im Nachhinein als essenziell für das richtige Spielgefühl herausstellten, dass man sich entsprechend erst darauf einlassen muss. Oder der eigene Geschmack hat sich im Laufe der Zeit schlichtweg geändert. In jedem Fall sorgt ein solcher Fund für ungemeine Freude, als würde man ein wunderschönes Juwel unter einer riesigen Erdschicht ausgraben. In diesem Artikel wollen wir euch Titel vorstellen, die uns erst Monate oder Jahre später wirklich mitreißen konnten. Und natürlich seid ihr abermals in den Kommentaren herzlichst dazu eingeladen, eure positiven Neuentdeckungen mit uns zu teilen!


Andy Dück [awieandy] war lange Zeit ein Sturkopf
Pokémon, Minecraft, Minesweeper



Ich kann mich nicht wirklich auf einen einzigen Titel festnageln, sondern eher auf Franchises, die ich lange Zeit gemieden habe und anhand verschiedener Sinneswandel doch eine Chance gegeben habe und anschließend zu schätzen wusste. Angefangen mit Pokémon. Dieser Sinneswandel kam mit ca. 15 Jahren. Alles was ich vorher über die Marke kannte war, dass es viele verschiedene Pokémon gab. Die Bekanntesten wie Pikachu, Turtok, Glurak und Schiggy kannte ich auch ohne mich mit dem Thema befasst zu haben. Was die Spiele aber anging war ich völlig planlos. Das einzige Pokémon-Spiel welches ich vorher gespielt habe, waren die Pokémon Stadium-Minispiele. Alles andere bekam ich nur durchs über die Schulter gucken mit, was allerdings auch nicht viel war. Schon damals konnte ich mit rundenbasierten Kämpfen nichts anfangen, weshalb die kurzen Eindrücke nicht im Kopf geblieben sind. Der Sinneswandel kam dann in der zehnten Klasse als sich die ersten Smartphones im Klassenzimmer gezeigt haben und jemand ein wenig angeberisch via Gameboy Advance-Emulator Pokémon gespielt hat. Von da an bekam ich mit was ein richtiges Pokémon-Spiel der Hauptreihe so zu bieten hat: Man Spielt einen menschlichen Trainer (wusste ich nie) und fängt und trainiert Pokémon, welche man, und das war das wichtigste, Spitznamen vergeben kann. Das hat mir dann gereicht den Pokémon-Kosmos zu betreten. So hatte ich dann über die Jahre fast jede Generation mehrfach durchgespielt und für Pokémon X extra einen 2DS gekauft. Mit den Switch-Titeln war jedoch am Ende für mich die Luft raus. Witzigerweise bin ich nachwievor kein Fan von rundenbasierten Kämpfen aber dafür liebe ich es Dinge aufzubauen, wie in etwa ein Team.

Über „Dinge aufbauen” geht es auch bei Minecraft. Dieser Sinneswandel kam mir erst letztes Jahr. Anders als bei Pokémon wusste ich von Anfang was Minecraft ist und was dort so möglich ist. Ich wollte nur nie etwas mit dem Spiel zu tun haben, weil es anfangs als Game für kleine Kinder angesehen wurde und ich natüüürlich keine Spiele für Kinder spiele (aber dafür den ganzen Nintendo-Mario-Kram). Den ganzen anfänglichen Minecraft-Hype habe ich also ausgesetzt und weitestgehend ignoriert als es „normalisiert” wurde. Bis dahin war ich schon einige Jahre älter und mitten im Studium, sodass mir das Image des Spiels absolut egal war. Mitte 2019 brachte Microsoft zum Jubiläum die Ur-Version des Titels als Browser-Game heraus wo man sogar im Online-Multiplayer durch die Welt laufen konnte. „Was solls” dachte ich mir und habe mit ein paar Freunden im Creative-Mode die üblichen Neulings-Bauten, also Häuser und Höhlen, kreiert. Tja wer hätte das gedacht: Das meistverkaufte Spiel der Welt macht ja Spaß. Na sowas. Also haben wir gleich mit der Vollversion dort weitergemacht wo die Browser-Version aufhörte, wenn auch nur im Creative-Mode.

Meinen letzten Sinneswandel hatte ich dieses Jahr, als ich gelangweilt auf dem Sofa nach Spiele für das Smartphone gestöbert habe. Dort fiel mir ein Spiel auf, welches ich wahrscheinlich kenne seitdem ich denken kann, aber mich nie drum gekümmert habe es zu verstehen. Es geht um Minesweeper. Ja, wirklich. Es ist schon ein wenig widersprüchlich dass ich Strategiespiele langweilig finde aber zu Puzzles wie Picross und Sudoku nie nein sage. Tatsächlich reichte ein zweiminütiges Youtube-Video um die Minesweeper-Regeln zu verstehen. Ich glaube ich will garnicht wissen welches sonstige Wissen mir allein wegen des Aufschiebens verborgen blieb. Vielleicht kümmere ich mich nächstes Jahr darum.


Nicola Hahn [501.legion] verweigerte sich der FPS-Revolution:
Half-Life



Ich gestehe: Ich habe den ultimativen Klassiker Half-Life lange Zeit immer mal wieder nur angespielt. Zum Release räumte der Titel zahlreiche Bestwertungen ab und gilt seitdem als Meisterwerk und wegweisend im Genre des First Person Shooters. All das vermochte mich lange nicht begeistern, stattdessen trafen andere Valve-Entwicklungen direkt meinen Nerv: Darunter das Rätselspiel Portal und die Shooter Team Fortress, Left 4 Dead sowie natürlich Counter-Strike. Ab und an wagte ich einen ersten Blick auf besagtes Urgestein und die Story rund um den Wissenschaftler Gordon Freeman, besonders dann wenn spezielle Releases wie die Sourceportierung oder die Fanentwicklung Black Mesa ein aktuelleres Spieleerlebnis boten.

Doch der schlussendliche Durchbruch kam erst in diesem Jahr, als mich ein Freund auf den Koop-Mod Synergy für Half-Life 2 aufmerksam machte. Da kam mir die Modifikation Sven Coop in den Sinn, die wiederum die Möglichkeit bietet den ersten Teil der Serie mit einer irrsinnigen Anzahl an Mitspielern zu bestreiten. So kann man entweder öffentlichen Servern beitreten und mit 21 Mitstreitern die Level chaotisch beenden oder in kleinem Kreis das Abenteuer im Forschungslabor Black Mesa zu erleben. Letzteres war dann auch das Vorgehen, das ich mit besagtem Freund und noch einem Kumpel anging. Und so konnte ich erstmal das komplette Spiel in seiner Gänze erleben und war äußerst überrascht wie sich das in die Jahre gekommene Game präsentiert und mit einem klugen Leveldesign behauptet. Am Ende folgten sogar die drei DLCs Opposing Force, Blue Shift und Decay, die zwar allesamt nicht an den Originaltitel heranreichen konnten, aber für stundenlange Unterhaltung sorgten. Inzwischen lege ich jedem ans Herz sich nochmal diesen Spielen zu widmen und entweder zusammen mit Freunden oder im äußerst ansehnlichen Remake Black Mesa zu bestaunen.


Sebastian Mauch [Paneka] freundet sich so langsam mit Musou-Spielen an dank:
Hyrule Warriors: Definitive Edition



Schon komisch wie Menschen manchmal ticken. Noch in meiner Jugend war ich gegen so ziemlich alles allergisch, was auch insbesondere Katzen mit einschloss. Heute hingegen leben ich in meiner Wohnung zusammen mit zwei der besagten Vierbeiner, und das beschwerdefrei. Gut, vielleicht habe ich diesbezüglich auch (medizinisch) etwas nachgeholfen, aber das habe ich bei Hyrule Warriors auch. Auf der Wii U ignorierte ich den Titel komplett, durfte dann aber die Umsetzung für den New 3DS für Planet3DS testen. Spaß hatte ich zwar, jedoch ödete mich der monotone Spielablauf recht schnell tierisch an, was den Testprozess etwas zäh gestaltete. Nun auf der Switch habe ich dem Titel in seiner komplettesten Form nochmal eine Chance gegeben, und siehe da, es hat Klick gemacht. Zwar bin ich immer noch nicht soweit, den Titel wie mein Kollege Tjark bis ins kleinste Detail auszukosten, doch habe ich mittlerweile gefallen an gelegentlichen Partien gefunden, und damit auch am Spielprinzip selbst.

Spielt man solche an sich eher gleichförmigen Spiele in kleinen bis mittelgroßen Dosen, fühlt sich das Ganze sogar ziemlich gut an. Die imposante Action und die vollkommen übertriebenen Spezialangriffe sind einfach jedes Mal wieder ein Augenschmaus. Noch dazu bietet die Software neben der Story noch reichlich andere Beschäftigungsmöglichkeiten dank DLC-Maps an, und lädt dank versteckter Schätze, Skulltulas und diversen Schwierigkeitsgraden auch nach Abschluss noch zum Wiederspielen ein. Manchmal reicht also lediglich ein kleiner Perspektivenwechsel, um Dinge mit anderen Augen zu betrachten. Da mir das kürzlich erschienene Folgespiel mit dem Beititel Zeit der Verheerung aufgrund der grottenschlechten Performance erstmal nicht zusagt, habe ich also mehr als genug Nintendo-Tecmo-Goodness für die nächsten paar Jahre parat, ach ja, und Fire Emblem Warriors gibt es ja ebenfalls, was ebenso großartig ist!


Tjark Michael Wewetzer [Alanar] wurde mit Trainingsvideos zum Superhelden:
The Wonderful 101



Spieleschmiede PlatinumGames ist gemeinhin dafür bekannt, Action-Kracher mit reichlich Spieltiefe zu produzieren. Sie waren allerdings auch dafür bekannt, dass sie es Einsteigern nicht unbedingt einfach machen, sich in alles hineinzufuchsen. Klar gibt es für praktisch jedes ihrer Spiele superleichte Schwierigkeitsgrade, mit denen sich die forderndsten Gefechte auch im Schlaf bewältigen lassen, doch wirklich befriedigend fühlt sich das selten an. Wenn dann auch noch wirklich unorthodoxe Mechaniken wie bei The Wonderful 101 hinzukommen, kann dies schon mal für Frust und Enttäuschung sorgen.

Dabei war ich eigentlich seit der Ankündigung unter dem Titel Project P-100 ziemlich stark an dem Superhelden-Actionspiel interessiert. Die frühen Wii U-Demos, die Nintendo der Presse damals zeigte, machten mir bereits reichlich Freude und ich konnte es kaum erwarten, das fertige Produkt in den Händen zu halten – nur um damit dann irgendwie nicht richtig warmzuwerden. Mich störten die gefühlt viel zu langen Level, das gemächliche Tempo, die eingeschränkten Manöveroptionen und die Steuerung. Genauer gesagt die Steuerung mit dem Touchscreen, welche vom Spiel selbst empfohlen wird, aber leider eben auch häufiges Umgreifen erfordert. Zwar gibt es auch die Möglichkeit, die sogenannten Unite Morph-Fähigkeiten mit dem rechten Analogstick auszulösen, doch empfand ich dies stets als zu unpräzise, um damit im Eifer des Gefechts irgendwas reißen zu können. Und so setzte die Hülle des Titels langsam in meinem Regal Staub an.

Zumindest bis ich eines Tages ein Let's Play zum Spiel sah (Link), welches bedeutend genauer auf die Spielmechaniken einging als es The Wonderful 101 selbst tut. Tricks, die man sich sonst selbst hätte erarbeiten sollen. Empfehlungen für kaufbare Upgrades, die einem die Rettungsmission enorm erleichtern. Plötzlich sah ich mich dazu motiviert, es noch einmal mit der Geathjerk-Armee aufzunehmen, schnappte mir mein Wii U-GamePad und zockte das komplette Spiel an einem Wochenende durch. Es war ein großartiges Wochenende. Allein die Tipps für den Umgang mit den Unite Morphs – dass man Eingaben mit dem rechten Stick eher kurz und ähnlich wie Special Moves bei einem Kampfspiel halten soll – half mir enorm, mich in PlatinumGames' wohl bis dato aberwitzigstes Spiel hineinzufinden. Die Kämpfe dauerten keine gefühlte Ewigkeit mehr, ich fühlte mich endlich so, als hätte ich die (halbwegs) volle Kontrolle über das Spielgeschehen. Und ich bin wirklich froh, so endlich Zugang zu The Wonderful 101 gefunden zu haben, denn speziell einige der Endgame-Momente zählen für mich zu den wohl denkwürdigsten Erlebnissen meiner Zocker-Karriere. Nur dass die Level insgesamt für meinen Geschmack etwas zu lang ausfallen, daran hat sich nichts geändert.

Insofern feierte ich selbstredend die Switch-Neuveröffentlichung enorm und holte sie mir auch direkt am Erscheinungstag ins Haus, nur um wieder ein wundevolles Wochenende mit den Wonderful Ones zu verbringen. Ein großartiger Action-Trip, der mir aufgrund mittelmäßiger einführender Erklärungen beinahe entgangen wäre.

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