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Crash Team Racing Nitro-Fueled

Review: Crash Team Racing Nitro-Fueled

Tjark Michael Wewetzer, 11.11.2019

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Es ist eine Sache, mit einem gewissen Spiel aufzuwachsen und schöne Erinnerungen damit zu verbinden, die bei eventuellen Neuveröffentlichungen und Remakes für ein wohliges Gefühl und großen Spaß sorgen. Späteinsteiger die gleiche Freude verspüren zu lassen, kann mitunter jedoch schwieriger ausfallen. Umso zwiegespaltener war ich, wenn es um den gefeierten PS1-Kart-Racer Crash Team Racing geht, da ich zu allem Überfluss auch nicht großartig Kontakt mit den Titeln um Beutelratte Crash Bandicoot hatte. Doch manche Titel sind allein vom Grundkonzept her zeitlos und wenn sie dann auch noch so großartig aufgemotzt werden, wie es bei Crash Team Racing: Nitro-Fueled der Fall ist, dann sollte ich mich eigentlich gar nicht über meine mittlerweile über 70 Stunden Spielzeit wundern. Wobei die eventuell durch ein paar der Schwächen des Remakes ein wenig höher als meine tatsächliche Zeit auf der Piste ausfallen dürfte.

Wenn Aliens Parkplätze suchen
Für den geneigten Solo-Spieler fährt Crash Team Racing das volle Programm auf. Nicht nur bietet der unscheinbar betitelte „Lokale Arcade“-Modus ein breit gefächertes Konsortium an Spielmodi, es gibt auch einen kleinen Abenteuer-Modus, der viele der Spielvarianten miteinander verbindet. In der kompakten Geschichte bekommen es Crash Bandicoot und Co. mit einem außerirdischen Invasoren namens Nitros Oxide zu tun, der die Erde in einen riesigen Weltraum-Parkplatz umbauen will – es sei denn, die Erdenbewohner können ihn in einem Rennen schlagen. Wäre doch gelacht, wenn der aufgedrehte Kistenbrecher, seine Freunde und/oder der Erzrivale Neo Cortex das nicht verhindern können! Abseits der Intro- und Endsequenz sowie einiger kurzer Szenen für Boss-Rennen gibt es jedoch unterm Strich praktisch keine weiteren Ausführungen der Handlung. Doch die braucht es auch nicht, dient sie im Prinzip doch eh nur als Ausrede für das Rennspektakel. Ähnlich verhält es sich im Übrigen auch mit der Oberwelt, die im Abenteuer-Modus alle Strecken verbindet. Verglichen mit anderen Rennspielen wie Diddy Kong Racing vom N64 wirken die fünf Hub-Level außerordentlich kompakt und laden daher eher weniger zum Erkunden ein, aber sie machen trotzdem dank ihrer schön gestalteten Umgebungen deutlich mehr her als ein simples Auswahlmenü und lassen euch zudem kontrolliert in überschaubaren Arealen die Steuerung üben.

Und das ist auch gut so, denn Crash Team Racing ist leider ziemlich schlecht darin, seine Spielmechaniken anständig zu erklären. Oberflächlich sieht alles nach einer Klassischen Raserei der Marke Mario Kart aus, fantasievolle Strecken und Item-Kisten inklusive. Der praktisch essenzielle Drift-Turbo funktioniert hier jedoch merklich anders: Ihr habt gleich zwei Drift-Tasten zur Verfügung, von denen ihr eine zum Start des Manövers gedrückt halten müsst. Dann lädt sich am unteren rechten Bildrand eine Leiste auf und wenn diese praktisch voll ist, drückt ihr die andere Schlitter-Taste. Bei korrektem Timing zündet dies den Drift-Turbo, während zu frühe Eingaben für ein schwächeres Ergebnis hervorbringt und zu späte Tastenbetätigung keine Wirkung zeigt. Klingt ungewöhnlich, doch die rhythmische Knöpfendrückerei geht nach einigen Übungsrunden regelrecht in Fleisch und Blut über. Dankenswerterweise bringt Nitro-Fueled übrigens auch optionale visuelle Hilfen in Form von aufleuchtenden Reifen mit, die euch ohne Blick in die Bildschirmecke schnell das richtige Timing verraten. Dennoch wäre es besser gewesen, wenn dieser und andere Tricks wie beispielsweise der perfekte Turbostart – auch hier ist eine rhythmische Tasteneingabe erforderlich – oder das blaue Boost-Feuer irgendwo anständig erklärt würden. Die Ingame-Anleitung umschreibt sie nämlich nur unbeholfen und dezent verwirrend, wenn überhaupt.

Wo die Spreu vom Weizen getrennt wird
Dies ist umso frustrierender, da man speziell in Online-Partien schnell feststellt, dass Spieler mit derartigem Basis-Wissen jedem Anfänger gnadenlos wegfahren. Wo bei Mario Kart die Items noch für ein halbwegs ausgeglichenes Fahrerfeld sorgen können, fühlen sich die Hilfsobjekte bei Crash Team Racing in unausgewogenen Partien schlichtweg schwach bis schier nutzlos an. Was zum Beispiel bringt eine zielsuchende Rakete, wenn sie den nächsten Gegner nach Luftlinie aufs Korn nimmt? Oder eine Bombe, die gefühlt unberechenbar voranrollt? Oder gar überhaupt etwas, wenn das Ziel mit Dauerboost davonrast? Denn das ist hier an der Tagesordnung: Mit normalen Turbo-Feldern ist man in etwa gleichschnell wie Projektile, bei blauem Boost-Feuer sogar direkt schneller. Sind die Teilnehmer also nicht etwa gleichermaßen geübt, wird die Angelegenheit für die Neulinge schnell zu einer demoralisierenden Angelegenheit – für spontane Mehrspieler-Runden auf Partys eignet sich Crash Team Racing daher eher bedingt.

Wenn sich dann aber mal Spieler auf etwa gleichem Niveau finden, entfaltet die Raserei schnell ihren vollen Reiz. Dann werden die auf vielen Kursen prominenten und manchmal auch fies versteckten Abkürzungen zu spielentscheidenden Schlachtfeldern und Sprengkörper wahrlich bedrohlich. Die abwechslungsreichen Strecken bieten dabei auch reichlich zum Meistern und Einprägen. Besser noch: Anstatt sich schlichtweg auf die Strecken des PS1-Originals zu beschränken, wurden sogleich auch die Kurse aus dem Nachfolger Crash Nitro Kart leicht umgebaut in Nitro-Fueled implementiert. Auch diese Pisten machen enorm Laune und fügen sich erstaunlich gut in die Strecken-Auswahl ein. Schade nur, dass die Extra-Kurse nicht mit in den Abenteuer-Modus eingebaut wurden – stattdessen lassen sie sich nur im Arcade- und Online-Modus auswählen. Dennoch wurden auch die Nitro Kart-Ergänzungen für aus der Einzelspieler-Story bekannten Extra-Modi fit gemacht. Spezielle Zeitrennen, bei denen ihr mit den aus den Crash Bandicoot-Plattformern bekannten Sekundenkisten die Uhr anhalten könnt, oder die CTR-Herausforderung, bei der es die verstreuten Initialen des Spiels aufzusammeln und das Rennen anschließend zu gewinnen gilt, gibt es also auch für die neuen Strecken. Und Stichwort „Ergänzungen“: Dank kostenloser Updates wurden nämlich zum Verfassungszeitpunkt dieses Artikels bereits fünf zusätzliche Kurse sowie ein großes Paket Extra-Charaktere, -Kostüme und -Kartteile hinzugefügt. Über mangenden Content kann man sich also beileibe nicht beschweren!

Nitro im Nachschub, Bremse beim Laden
Die Art, auf die besagte Neuerungen implementiert werden, ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Momentan im Monatstakt veranstaltet Activision nämlich thematische Grand Prix, bei denen man mit jedem Rennen Punkte verdient und so eine Hand voll Objekte freischaltet. Außerdem finden sich im Ingame-Shop viele weitere vorübergehend erstehbare Dinge. Das artet leider spürbar in Fleißarbeit aus, auch wenn spezielle Missionen – darunter auch täglich oder wöchentlich wechselnde – für Punkteschübe sorgen. Die für den Shop notwendigen Münzen lassen sich leider auch alles andere als einfach verdienen und stellen gerade Offline-Spielern ein Bein. Zunächst einmal erhaltet ihr so oder so kein Klimpergeld, wenn ihr nicht mit dem Server verbunden seid. Unterwegs im Abenteuer- oder Arcade-Modus das Konto aufbessern ist also nicht. Ihr könnt auf den Shop nicht einmal zugreifen, wenn keine Internetverbindung besteht. Doch selbst wenn ihr eingeloggt seid, fällt die Ausschüttung mit um die 30 bis 60 Münzen pro Rennen lachhaft aus, wenn man sich die Shop-Preise im Bereich von mehreren Tausend Münzen pro Charakter oder Kart-Paket anschaut. Lukrativer sind da schon die Online-Rennen, da man hier unabhängig von der Platzierung nach Rennzeit bezahlt wird und längere Strecken damit zumindest gerne dreistellige Beträge abwerfen. Bringt man dann noch den ebenfalls nur online verfügbaren Fünfer-Multiplikator für die ersten 30 Minuten Rennzeit des Tages sowie die doppelte Münzenmenge an Wochenenden dazu, kann man zumindest mit einem bestimmten Spielrhythmus ganz gut Schotter einfahren. Nur sollte sowas schlichtweg nicht notwendig sein und wirkt gerade in Verbindung mit den wenige Monate nach Launch ergänzten Mikrotransaktionen enorm zwielichtig. Denn warum zwei Stunden online zocken und warten, wenn man auch einfach 10 Euro für dieselbe Münzenmenge einwerfen kann?

Von „warten“ habe ich übrigens nicht ohne Grund geschrieben. Wer Crash Team Racing spielen möchte, muss eine Engelsgeduld aufweisen – gerade bei Online-Partien. So dauert es unabhängig davon, ob nun noch auf weitere Spieler gewartet wird oder die Gruppe bereits voll ist, stets exakt 60 Sekunden von einem Rennen zum nächsten. Klar soll damit allen Teilnehmern die Chance gewährt werden, seine Fahrer und Kart-Zusammenstellungen anzupassen oder für eine der vorgeschlagenen Strecken der nächsten Runde abzustimmen, doch das setzt voraus, dass auch alles glattläuft. Nicht selten ist es mir untergekommen, dass Gruppen unvermittelt aufgelöst wurden und ich mir im Matchmaking eine neue suchen musste. Hinzu kommt, dass Nitro-Fueled allgemein unter äußerst langen Ladepausen leidet. Wartezeiten von einer halben Minute und länger sind leider keine Seltenheit und aus diesem Grund bin ich mir auch sicher, dass meine eingangs erwähnten über 70 Stunden nicht unbedingt aus ebensovielen Stunden Spiel zusammengesetzt sind. Wenn ich beispielsweise allein für die vollen Münzboni eine halbe Stunde Rennzeit an einem Wochenendtag verbringen möchte, dauert es nicht selten über eine Stunde tatsächliche Zeit, bis ich die zusammenhabe. Hier wäre dringend Nachbesserung notwendig, auch wenn ich nach all der Zeit bezweifle, dass da noch großartig etwas dran geschraubt wird. Mit der Stabilität der Online-Rennen habe ich zudem auch diverse Probleme festgestellt – konkurrierende Fahrer zucken hin und wieder mal etwas wild durch die Gegend und Verbindungsabbrüche sind mir leider ebenfalls bereits einige untergekommen – doch die möchte ich im Zweifelsfall auf mein eher mittelmäßiges Internet schieben, auch wenn dies bei Splatoon 2 und Mario Kart 8 im Schnitt eher weniger Probleme macht.

Ich möchte den Entwicklern von Beenox aber zumindest hoch anrechnen, dass sie tatsächlich auf Fan-Feedback reagieren und auch schon diverse Elemente weiter geschliffen haben. Wo zum Launch noch langsame Online-Raser, die es nach der Gnadenfrist nicht mehr über die Ziellinie geschafft haben, komplett leer ausgingen, erhalten nun alle Teilnehmer nach einer festen Rechnung Shop-Münzen. Überhaupt waren die Rennen dank miserablem Matchmaking, das Profis und Anfänger wild durcheinanderwürfelte, alles andere als spannend, da ein oder zwei Spieler gerne mal das komplette Fahrerfeld dominierten und somit auch als einzige das Rennen beenden konnten. Mittlerweile ist ein skillbasiertes Matchmaking eingebaut worden, das zumindest meiner Erfahrung nach auch einigermaßen anständig funktioniert. Selbst die Charakter-Balance wurde überarbeitet – oder vielmehr über den Haufen geworfen. Waren alle Figuren zum Start noch in feste Rennklassen sortiert, kann man nun seinen Piloten frei wählen und unabhängig davon entscheiden, ob man beispielsweise lieber eine driftlastige Konfiguration haben möchte oder mehr Wert auf Höchstgeschwindigkeit legt. Im Prinzip wird damit die ganze Charakter- und Kartauswahl zur rein kosmetischen Angelegenheit – und so verkehrt finde ich das nicht, da man so wenigstens jederzeit mit seinen Lieblingen um den Pokal ringen kann.

Fazit:
Da ich, wie eingangs erwähnt, eigentlich keine großartige Vergangenheit mit Naughty Dogs irrer Beutelratte habe, erwartete ich absolut nicht, dass mich Crash Team Racing: Nitro-Fueled dermaßen fesselt. Die eher schlechte als rechte Ingame-Anleitung half zudem überhaupt nicht, weswegen ich für einige Elemente online nach Hilfen suchen musste. Dem motivierenden Abenteuer-Modus mit seinen kompakten Herausforderungen ist es geschuldet, dass ich mich der Sache dennoch angenommen und langsam an die feinen Unterschiede zu Genre-Größe Mario Kart gewöhnt habe. Die monatlichen Content-Nachschübe mit Extra-Strecken und -Charakteren taten dann ihr übriges: Diverse Wochenenden verbrachte ich bereits damit, online mit Spielern, die weit, weit besser sind als ich, zu wetteifern und darauf zu hoffen, ihnen endlich ein Schnippchen zu schlagen oder auch durch Beobachtung neue Tricks zu erlernen. Für Leute mit entsprechendem Lern- und Übungswillen kommt hier eine äußerst lohnenswerte Erfahrung zustande. Doch leider geschieht dies alles auf Kosten anderer Elemente. Sind die Spieler nicht ungefähr gleichermaßen gut, sind die Items aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit praktisch nutzlos – und das macht spontane Runden unter Freunden nur bedingt spannend. Auch muss man zum Freischalten eines Großteils der Inhalte Münzen gewinnen, die unter Normalbedingungen und gerade in Solo-Modi extrem spärlich herausgegeben werden. Ein Schelm, wer dahinter einen künstlichen Anreiz zum Echtgeld-Kauf der Ingame-Währung verdächtigt. Und auch wenn die Switch-Umsetzung technisch insgesamt trotz der niedrigeren Auflösung im Vergleich zu den Konkurrenz-Versionen respektabel ausfällt, sind die Ladezeiten kombiniert mit der Lobby-Warterei im Online-Modus der reinste Spielspaßkiller, wenn man nicht passende Überbrückungslektüre am Start hat. Doch selbst mit diesen dicken Minuspunkten ist Crash Team Racing unterm Strich immer noch ein enorm motivierender Fun-Racer, der mit Mario Kart locker auf Augenhöhe steht und für erfahrenere Zocker eigentlich sogar das insgesamt bessere Spielerlebnis bietet – wenn man denn die Geduld und Ausdauer dafür hat.

Legt schon mal einen Stapel Bücher neben seine Switch: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

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Großartiger Fun-Racer für Leute, denen Mario Kart zu glücksbasiert ist – wenn jetzt nur die Ladezeiten und langwierige Münzsammelei nicht so nervtötend wären…

Wertung

MULTIPLAYER:

8.0

ABWECHSLUNG:

9.0

TECHNIK:

7.0
75
von 100

Tiefgründige Spielmechaniken…

Riesiges Fahrerfeld

Motivierender Abenteuer-Modus

Reichlich Herausforderungen laden zur Perfektionierung ein

Inklusive Strecken aus Crash Nitro Kart

Massig kosmetische Kart-Teile

Derzeit stetiger kostenloser Content-Nachschub

…die leider mäßig bis überhaupt nicht vom Spiel erklärt werden

Anfänger stehen somit schnell auf dem Schlauch

Lange Ladepausen, die gerade online nerven

Münzausschüttung für Ingame-Shop im Solo-Modus ein schlechter Witz…

…und selbst online nur zu bestimmten Zeiten anständig…

…um den Münzkauf per Echtgeld künstlich zu fördern

Schwache Items

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Spielname:
Crash Team Racing Nitro-Fueled

Typ:
Switch-Spiel

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Zum Shop
Publisher:
Activision

Developer:
Beenox

Genre:
Racing

Release:
21.06.2019 (erschienen)

Multiplayer:
1-4 Spieler, 1-8 online

Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre

eShop Preis:
39,99 €

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