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Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise

Review: Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise

Tjark Michael Wewetzer, 08.07.2020

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Ihr wisst es, ich weiß es: Es ist völlig belanglos, welche numerische Wertung am Ende dieses Testberichts steht oder wie sehr ich auf die durchaus vorhandenen spielerischen Schwächen von Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise eingehe. Immerhin ist der erste Teil mitunter gerade wegen seiner technischen Unzulänglichkeiten so bekannt geworden, die dem bizarren Treiben in dem nur scheinbar friedlichen Städtchen Greenvale eine gewisse Würze verliehen. Fans erwarten im Prinzip nichts anderes. In dieser Hinsicht wird der Nachfolger trotz einiger Verbesserungen seinem Erbe mehr als gerecht. Aber Deadly Premonition ist irgendwo auch mehr als das. Denn wenn man mal die langatmige und hakelige spielerische Komponente ausblendet, findet sich immer noch ein unterhaltsames Mystery-Abenteuer mit merkwürdigen Charakteren und einem gewissen Charme, dem ich mich nach einigen Spielstunden auch nicht so ganz entziehen konnte.

„Was für ein abgefuckter Fall!“
Deadly Premonition 2 ist im Jahre 2019 angesiedelt dreht sich um einen Mordfall im Städtchen Le Carré, ein beschaulicher Ort inmitten des amerikanischen Louisiannas. Stolze 14 Jahre, nachdem der Fall als gelöst erklärt wurde, taucht nun die verschwundengeglaubte Leiche wieder auf und sorgt für Fragen. Fragen, die das FBI-Agentenduo Aaliyah Davis und Simon Jones in einem Verhör mit einem anderen, nunmehr ehemaligen Agenten beantwortet bekommen wollen. Und während die beiden Ermittler ihrer Arbeit nachgehen, dürft ihr die Erlebnisse des eigentlichen Falls aus dem Jahre 2005 nachspielen. Dabei verschlägt es den aus dem Vorgänger bekannten exzentrischen FBI-Spezialagenten Francis York Morgan zufällig ins Örtchen Le Carré. Eigentlich ist er nur auf der Durchreise, doch der bizarre Mord an einer jungen Frau, die zerstückelt auf einem als Altar hergerichteten Stein gefunden wurde, weckt sofort sein Interesse. Was folgt, ist ein 15 bis 20 Stunden in Anspruch nehmender Trip durch eine amerikanische Kleinstadt, der euch mit seinen merkwürdigen Ereignissen und interessanten Wendungen definitiv auf Trab hält. Da Deadly Premonition 2 übrigens Ereignisse abdeckt, die zeitlich nach dem Vorgänger angesiedelt sind, kommt der Titel nicht um diverse Spoiler für ebendieses Spiel herum. Gleichermaßen helfen Vorkenntnisse, bestimmte Ereignisse besser einzuordnen.

Die zwei Zeitabschnitte spielen sich merklich unterschiedlich. Speziell die Sektionen im Jahre 2019 sind eher als reine Dialogsequenzen zu verstehen. Ihr dürft euch regelmäßig markante Punkte in der Wohnung eures Gesprächspartners anschauen und über diese auf bestimmte Themen zu sprechen kommen, doch wirklich interaktiv wird die Sache dadurch nicht. Vielmehr dienen diese Szenen eher als Überleitungen zum eigentlichen Spielgeschehen im Jahre 2005, wo ihr euch nach bester Open World-Manier in Le Carré herumtreiben könnt. Die durch einen Fluss in der Mitte geteilte Kleinstadt bietet nicht unbedingt viele interessante Anlaufstellen, zu tun gibt es aber trotzdem diverses. So schaltet ihr nach und nach eine Hand voll Minispiele wie Bowling oder Bootstouren frei oder könnt euch der Vielzahl an Nebenaufgaben hingeben. Letztere gibt es in zwei Geschmacksrichtungen: Wiederholbare Aufträge vom Polizeipräsidium, die euch in der Regel mit Materialien belohnen, und Nebengeschichten von ansässigen Bewohnern mit Rang und Namen. Leider sind gerade letztere – wieder ganz nach Vorbild Vorgänger – nicht unbedingt intuitiv lösbar, denn großartige Richtungsanweisungen oder Hilfen für die Aufgaben gibt es nicht. Lediglich die jeweiligen Hauptmissionen werden stets mit einem deutlich sichtbaren Marker auf der am oberen Bildrand befindlichen Kompassleiste angezeigt. Das wird vor allem dann frustrierend, wenn ihr euren Auftraggeber nach erledigter Arbeit ausfindig machen möchtet. Jeder NPC folgt nämlich einem geregelten Tagesablauf, den ihr schlichtweg selbst herausfinden und notieren müsst. In meinem Fall sorgte dies dafür, dass mir die großen Nebenquests trotz potenziell lukrativer Belohnungen schlussendlich ziemlich egal wurden.

Glücklicherweise haben die Entwickler zumindest in anderen Abschnitten auf die Kritik am ersten Teil reagiert. So wurde Ermittler York anstelle einer im Eiltempo benzinschlürfenden Karre ein fesches Skateboard in die Hand gedrückt. Zwar müsst ihr dieses auch regelmäßig warten, wenn die Haltbarkeitsanzeige ab einem gewissen Punkt abzunehmen beginnt, doch selbst dann könnt ihr beachtliche Strecken damit zurücklegen, bis es Zeit für einen Boxenstopp wird. Außerdem schaltet man relativ früh und ganz ohne Nebenquest ein Schnellreisesystem frei, mit dem man so ziemlich jeden wichtigen Eckpunkt der Stadt ansteuern kann, sobald man den dortigen Ballon aktiviert hat. Das Skateboard sowie Yorks Waffe und seine körperliche Verfassung lassen sich zudem mit Voodoo-Talismanen verbessern, um noch effektiver durch die Gegend zu rasen oder sich im unausweichlichen Kampf größere Überlebenschancen zu verleihen. Leider werden für die Herstellung der Talismane Materialien benötigt, die sich entweder bei Quests, besiegten Gegnern oder auch überall in der Gegend verstreut auflesen lassen. Aufgrund der schieren Anzahl an Kleinteilen wirkt die Sammelei beizeiten schon mal mühselig.

Die Schattenseiten von Le Carré
Und da hören die Schwächen leider nicht auf. Die Qualität des Missionsdesigns schwankt nämlich auch stark. In der Regel laufen Yorks Ermittlungen in Le Carré so ab: Ihr erhaltet ein vages Rätsel, woraus York seine nächsten Ziele schlussfolgert, die ihr wiederum in beliebiger Reihenfolge abklappern dürft. Manchmal sollt ihr dabei vor Ort etwas genauer untersuchen, in anderen Fällen gilt es mit den richtigen Personen zu sprechen. Nervige Botengänge oder gar Aktivitäten, die an bestimmte Ingame-Uhrzeiten gebunden sind – oder gar eine Kombination aus beidem – hat Deadly Premonition 2 aber leider ebenfalls parat. Freundlicherweise kann man im Hotelbett, mit einer zuvor gekauften Zigarettenpackung oder einem Schlafsack, schnell die Zeit manipulieren. Das dazugehörige Tutorial erschien in meinem Fall jedoch erst deutlich nach der ersten Instanz, bei der besagtes Vorspulen angenehmer als stundenlang Däumchendrehen gewesen wäre. Als besonders schmerzhaft sind mir vor allem Verfolgungsmissionen im Gedächtnis hängengeblieben, von denen eine beinahe zehn Minuten dauert und gnadenlos an den Anfang zurücksetzte, als ich gen Ende mein Ziel aus den Augen verlor. Ärgerlich.

Nicht viel besser wird es, wenn es zum Kampf kommt. Tagsüber ist York relativ sicher: Auf den Wiesenflächen treiben sich höchstens räuberische Eichhörnchen und streunende Hunde herum, denen man ebenso einfach ausweichen kann wie den Alligatoren des Flusses. Auch schmerzen die Attacken nicht sonderlich und mit wenigen Schüssen aus einer zu Spielbeginn erhaltenen „Betäubungspistole“ oder gezielten ungelenken Schlägen lässt sich das Wildleben erlegen. Von Mitternacht bis Frühmorgens treiben sich auf den Straßen jedoch merkwürdige rote Schatten herum, die York im Dauertakt in die Zange nehmen – so zumindest die Theorie. Praktisch sind die Kreaturen jedoch dermaßen schwach und langsam, dass sie sich schnell umpusten oder beim Skaten ignorieren lassen. Ferner lassen die übernatürlichen Gegner Unmengen an Munition und Medizin fallen, weswegen man die nächtlichen Konfrontationen ganz gut zum Aufstocken seiner Ressourcen verwenden kann.

Und das ist schade, denn genau diese Schattenwesen sind es, die in den seltenen Action-Szenen im Rampenlicht stehen. An wenigen Punkten verschlägt es York nämlich in die merkwürdige Anderswelt, in denen es von dämonischen Wesen nur so wimmelt. Blöd nur, dass diese potenziell interessanten Albtraum-Abschnitte in ziemlich eintönigen und zudem praktisch identischen Räumlichkeiten stattfinden und die Gegner durchgehend schwach bleiben, ja sogar in vielen Fällen durch entschlossenes Voranpreschen umgangen werden können. Spannung kommt hierbei jedenfalls keine auf. Selbst die Bosskämpfe sind allesamt enttäuschend einfach. Aber das ist vielleicht auch besser so, denn aufgrund der schwammigen Fadenkreuzkontrolle und Yorks unsteter Zielfähigkeit spielen sich die Feuergefechte zudem ziemlich ungelenk. Dass sie weitestgehend optional und schnell vorüber sind, könnte daher beinahe als Gnade gewertet werden.

Geerbte Technikmacken
Aber nicht nur die mittelmäßigen Kämpfe hat Deadly Premonition 2 aus dem Vorgänger übernommen, auch die allgemeine Technik lässt einiges vermissen. Zwar sieht die Optik dank eines comichaften Shadings nicht mehr so furchtbar altbacken aus, doch trotzdem laufen nur wenige Abschnitte rund. In geschlossenen Räumen bleibt die Bildrate dabei gefühlt häufiger stabil und hoch, während Ausflüge auf den Straßen von Le Carré zur reinsten Dauerruckelei werden. Schlimmer wird es dann nachts, wenn der Himmel sich rot färbt und Schatten in Dreierpacks auftauchen – dann wird das Geschehen noch einmal eine unglaubliche Schippe ruckeliger. Das ist umso merkwürdiger, weil Deadly Premonition 2 eigentlich recht simpel aussieht. Die Gebäude sind weder nennenswert ausstaffiert noch detailliert, Straßentexturen erscheinen ein paar Meter weiter speziell beim Herumrollen auf dem Skateboard etwas verpixelt und Umgebungsdetails, Lichtkegel oder weniger schwammige Blattwerke an Bäumen ploppen in gesunder Regelmäßigkeit ins Bild. Passanten oder herumfahrende Autos sucht ihr in vielen Teilen auch vergebens, nur selten streift mal etwas Leben durch die Straßen. Dass gerade das Open World-Areal dann auch noch gute 45 Sekunden laden muss, setzt dem Ganzen die Krone auf. Immerhin weiß die Soundabmischung dafür – anders als in Teil 1 – zu gefallen. Soll heißen: Die gute englische Vertonung wird nicht vom stimmigen, aber größtenteils auch nicht wirklich besonderen Soundtrack ertränkt. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn man bei den Erkundungsauflügen per Skateboard nicht ständig die immer selben Monologe von York hören müsste.



Fazit:
Nach meiner Zeit mit Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise verstehe ich so langsam, was viele Fans am ersten Teil so reizvoll finden. Denn machen wir uns nichts vor: Spielerisch ist der Titel hart an der Grenze des guten Geschmacks. Die offene Spielwelt wirkt karg, die wenigen Aktivitäten spielen sich nicht sonderlich rund, die Feuergefechte in der Anderswelt sind eintönig und unterfordernd, die eigentlichen Aufträge anspruchslos und alles ruckelt zudem noch wie die Seuche. Außerdem erklärt es einige seiner Mechaniken entweder unzureichend oder zu spät und das Erfüllen von Nebenquests wird dank der zwar geregelten, aber leider undokumentierten Tagesabläufe der NPCs zur reinsten Geduldsprobe. Und dennoch zog es mich nach Abschluss des ersten Kapitels unweigerlich immer wieder zurück ins Spiel. Zu sehr faszinierten mich die seltsamen Charaktere, mit denen der nicht minder merkwürdige York interagieren darf. Zu spannend fand ich die Entfaltung der Mordermittlung und die bizarren Wendungen des Falls. Zu sehr packte mich die Neugierde darüber, was denn nun am Ende dieser Reise auf mich wartet. Und auch wenn ich nicht sagen würde, dass es das spielerische Leiden wirklich wert war, bin ich schlussendlich doch zufrieden aus dem Spiel gegangen, als der Abspann über den Bildschirm rollte. Deadly Premonition 2 ist definitiv kein Vergnügen für Leute, die viel Wert auf eine runde Spielerfahrung legen und eine geringe Toleranz für technische Unzulänglichkeiten haben. Doch als Mystery-Geschichte mit merkwürdigen Ereignissen, die die Neugierde wecken, taugt es durchaus. Wenn ihr leidensfähig seid und das Spiel zu einem geringen Preis erspäht oder alternativ euch schon in den Vorgänger hoffnungslos verschossen habt, kann es absolut nicht schaden, Le Carré einen Besuch abzustatten.

Nimmt sich als nächstes vielleicht endlich mal Origins vor: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Noch keine
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-
Technisch und spielerisch alles andere als das Gelbe vom Ei, doch hinter den Rucklern und mäßigen Schießereien verbirgt sich ein bizarres Ermittlungs-Adventure in einer Open World, das einem im Gedächtnis bleibt.

Wertung

STORY:

8.0

TECHNIK:

3.0

ABWECHSLUNG:

5.0
51
von 100

Spannende Story auf zwei Zeitebenen

Vielfältige, merkwürdige Charaktere

Reichlich Nebenaufgaben…

Angenehme Länge der Hauptgeschichte

Starke Ruckler, gerade in der Open World

Überflüssig wirkende Kampfmechanik

…die leider größtenteils sehr eintönig ausfallen

Langweilige Anderswelt-Abschnitte

Hakelig spielbare Minigames

Details und Umgebungsstrukturen ploppen gern verzögert ins Bild

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Spielname:
Deadly Premonition 2: A Blessing in Disguise

Typ:
Switch-Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Rising Star Games

Developer:
Toybox

Genre:
Action Adventure

Release:
10.07.2020 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 18 Jahre

eShop Preis:
49,99 €

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