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Kurztest: Perception

Sebastian Mauch, 16.11.2017

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Auch hier ein Aufruf an die Entwicklerstudios dieser Welt: Wir brauchen mehr Horror für die Switch! So langsam bessert sich die Situation aber. Nach dem technischen K.O. von Don’t Knock Twice (zum Test) ist nun auch Doom auf der Switch gelandet, wobei das wiederum die Wenigsten als gruselig empfinden würden. Ein waschechter Horrortitel verbirgt sich aber hinter dem jüngst erschienenen Perception aus dem Hause The Deep End Games. Auch wenn das amerikanische Studio das Spiel eher als Thriller beschreibt, können Gruselfans hier auch auf ihre Kosten kommen. Warum das so ist, das erfahrt ihr im folgenden Kurztest.

Blind sein bedeutet nicht, nicht sehen zu können
Normalerweise wird man ja in Videospielen zu Beginn immer mit einem ganz eigenen Artstyle und jeder Menge optischen Eindrücken erschlagen. In Perception ist das etwas anders, denn die Hauptfigur Cassie ist schon seit ihrer Kindheit blind. Ergo sieht man erstmal gar nichts außer ein tiefes, verheißungsvolles Schwarz. Die mutige und selbstbewusste Protagonistin ist aber sehr darauf erpicht, trotz ihrer Behinderung so unabhängig wie möglich zu sein. Darum lernte sie schon früh, mit ihren Ohren zu „sehen“. Anhand von Geräuschen und deren Echos kann sie trotzdem im nahen Umfeld Objekte erspähen. Dies ist übrigens keine Fiktion und im echten Leben in abgeschwächter Form auch durchaus möglich. Statt mit einem Blindenstock vor sich Hindernisse zu ertasten, stößt Cassie diesen lieber auf verschiedene Oberflächen wie einen Holzboden oder ein Metallgeländer einer Treppe. Die Klangeigenschaften der verschiedenen Baumaterialien kommen dabei durchaus glaubhaft rüber. Einmal aufgestampft, visualisiert sich Cassies nahes Umfeld dann für ein paar Sekunden in schemenhaften, blauen Konturen.

Diese unverbrauchte Spielidee ist dermaßen genial und funktioniert so spitze, dass man selbst irgendwann anfängt sich die Umgebungen genauestens einzuprägen, eben wie es blinde Personen tun müssen. Ort des Geschehens ist übrigens ein großes Anwesen abseits der Zivilisation. Wie es der Zufall so will, gehen und gingen in diesem Haus allerlei seltsame Dinge vor sich. Hier bedient man sich eines für das Genre typischen Klischees. Das Spektrum der Vorfälle reicht aber von Medikamentenmissbrauch über Beziehungsprobleme bis hin zu Psychosen. Cassie selbst ist scheinbar klar bei Verstand und geht eher den Spuren ihrer Vergangenheit nach. Genau diese scheint auch mit den ehemaligen Bewohnern des Hauses verwoben zu sein.

Wie genau, muss der Spieler mithilfe von Erinnerungen in Form von Schriftstücken oder anderen behafteten Gegenständen herausfinde. Da Cassie aber nicht lesen kann, hilft die Software Delphi auf ihrem Smartphone aus. Per Text-to-Speech wird die Schrift dann als Sprache ausgegeben, was teilweise auch für einen ordentlichen Spannungsbogen „missbraucht“ wird. Zur Story an sich kann man allerdings nur sagen, dass sie eher schlecht als recht funktioniert. Die etwa drei bis vier Stunden lange Wanderung durch das alte Gemäuer teilt sich nämlich in mehrere kleine Schicksale bestimmter Personen auf. Da fehlt leider jeglicher Zusammenhang, es sei denn man ist gewillt, wirklich jeden Winkel nach Erinnerungen abzusuchen. Doch selbst dann wäre hier wesentlich mehr Potenzial vorhanden. So zieht die Geschichte das an sich astreine Erlebnis leider nur in die Dunkelheit.

Auch das Haus hört mit
Man sagt, dass sich Geister gern an Orten versammeln, an denen schreckliches passiert ist. So wird auch der Schauplatz von Perception von einer umheimlichen „Präsenz“ heimgesucht. Je nach Spielsituation hört dieses Wesen mit. Bewegt sich Cassie dann zu polterhaft durch die Räumlichkeiten, oder macht übermäßig Gebrauch von ihrem Stock, dann wird die Anspannung praktisch immer greifbarer. Übertreibt man es dann mal, sollte man dringend die Beine in die Hand nehmen und Zuflucht in Kisten oder Schränken suchen, denn die Präsenz macht für einen Moment Jagd auf die unschuldige junge Frau. Diese Art von Horror kennt man in ähnlicher Form aus Amnesia. Hält man die Füße kurz still, darf es auch schon weitergehen. Wer für solche Dinge empfänglich ist, wird hier eine Gänsehaut erster Klasse erleben, auch wenn man sich relativ schnell an die nicht gerade gefährliche Omnipotenz des Geistes gewöhnt.

Wer sich einfach nur auf die Geschichte des Spiels konzentrieren möchte, kann den Gruselfaktor auch einfach komplett abschalten. Dann kommt die Präsenz nur in wenigen gescripteten Abschnitten zum Vorschein und man kann quasi herumpoltern so viel man möchte. Doch selbst dann sorgen das klasse Sounddesign und der Fakt, dass man im Prinzip zu 50 Prozent durch tiefe Finsternis stapft, für reichlich Anspannung. Nun mag das meiste im bisher Geschriebenen sicher eher positiv wirken, und das Spiel ist an sich auch ganz hervorragend und spannend. Leider stolperte ich gegen Ende des Spiels immer öfter auf Bugs.

Einmal fror das Geschehen komplett ein und erforderte einen Neustart, ein anderes Mal wollte ein gewisses Event nicht ausgelöst werden und erforderte ebenfalls einen Neustart des Spiels. Zu guter Letzt wurde der Fortschritt durch einen unschönen Gamebreaker aber leider komplett blockiert. Eine Tür, die sich nachweislich öffnen sollte und den einzigen Weg darstellt, will sich auch nach einem Neustart des Spiels, der Switch, oder gar nach einer Neuinstallation der Daten partout nicht öffnen. Mehrere schriftliche Walktroughs oder Playthroughs in Videoform bestätigten, dass die Tür durchschreitbar sein soll. Scheinbar ist auch die Switch-Version von Perception nicht vor defekten Speicherdateien gefeit, wie sie auch schon auf Plattformen wie Steam Probleme machte. Doof nur, dass man hier nicht die Freiheit besitzt, ein funktionierendes Savegame aus dem Netz zu installieren. So bleibt mir letztlich der Rest des Spiels verwehrt, was durchaus sehr schade ist und sich wohl oder übel auch in der Wertung niederschlägt…

Fazit:
Perception ist technisch einwandfrei, sorgt für ordentlich Atmosphäre und zauberte mir quasi permanent Gänsehaut auf die Arme. Man findet sich schnell in die Haut von Cassie ein und bewegt sich immer zielsicherer mithilfe der Echos durch das Anwesen. Leider schwächelt der Titel aber in Sachen Geschichte und legt im Laufe des Spiel den einen oder anderen unschönen Bug frei, der im schlimmsten Fall sogar einen erneuten Spieldurchlauf erforderlich machen kann, ohne jeglicher Garantie, dass es im zweiten Anlauf funktioniert. Hier sollten die Entwickler definitiv per Patch nachbessern. Ist der oben beschriebene Gamebreaker behoben, wird die Wertung nachträglich um einen Zähler nach oben versetzt. Nach aktuellem Stand war das erlebte aber nur OK. Wer sich wirklich ganz auf das Abenteuer einlassen möchte, sollte den Patchverlauf im Auge behalten, oder sich der „Gefahr“ bewusst sein.

Nachtrag:
Zwischenzeitlich nahmen wir etwas Gameplay von der Szene auf, wo der im Test erwähnte Gamebreaker-Bug auftritt. Dieses Video haben wir anschließend an die Entwickler The Deep End Games übermittelt und auch prompt eine Antwort erhalten. Der Fehler ist glücklicherweise schon seit kurzer Zeit bekannt und der Patch dafür sogar schon fertig. Dieser muss jedoch noch für den eShop freigegeben werden, was sich noch ein paar Tage ziehen kann. Ist der Patch installiert, sollte Perception auch endlich in vollen Zügen genossen werden können. Darum haben wir uns dafür entschieden, die Wertung nun auf die eigentlich angedachten 4 von 5 Punkte anzuheben.

Gänsehaut – Check: Sebastian Mauch [Paneka] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an The Deep End Games für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Klasse Konzept, Gänsehautgarant, aber leider auch hier mit einem Haken.

Wertung

Frische Gameplayidee mit Cassie als Blinde

Grusel ist optional

Gänsehaut im Programmcode enthalten

Konfuse Geschichte(n) ohne Substanz

Die „Präsenz“ ist nicht mit Intelligenz gesegnet

Auffällige Bugs ab Mitte des Spiels, einer davon scheinbar ein Gamebreaker

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Spielname:
Perception

Typ:
eShop Spiel

Jetzt Bestellen:
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Publisher:
Feardemic

Developer:
The Deep End Games

Genre:
Action Adventure

Release:
31.10.2017 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 16 Jahre

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Screenshots: