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Review: Sonic Forces

Tjark Michael Wewetzer, 21.11.2017

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Gleich zwei Sonic-Spiele in einem Jahr? Ist denn schon Weihnachten? Aber vielleicht sollte man seine Erwartungen zügeln. Denn so genial Sonic Mania (zum Test) auch geworden ist, hinterließen die Vorabeindrücke zu Sonic Forces bislang eher gemischte Gefühle. Dabei hatte Segas Sonic Team doch eigentlich mit dem gefeierten Sonic Generations raus, mit welcher 3D-Formel der Turbo-Igel ungezügelt Gas geben kann. Alles nur mäßige Eindrücke einer frühen Version also? Ich habe mir die Switch-Version des neuen Igel-Abenteuers geschnappt und mich der Rebellion gegen den bösen Wissenschaftler Dr. Eggman angeschlossen, um dieser Sache nachzugehen.

Robotnik regiert
Moment, Rebellion? Jepp, der Eierkopf hat es tatsächlich geschafft, beinahe die ganze Welt zu unterjochen. Nur eine unbeugsame Rebellenzelle rund um Sonics Freunde leistet erbitterten Widerstand – und das ganz ohne den blauen Igel selbst, der nach einem kurzen Intro-Level prompt von Eggman eingesperrt und sechs Monate lang gefoltert wird. Freigegeben ab sechs Jahren! In der Zwischenzeit hat der von Ameisenigel Knuckles geleitete Widerstand Sonics Aufenthaltsort ausmachen können und schickt einen neuen Rekruten los, um ihn rauszuboxen. Die mit insgesamt kaum mehr als drei Stunden tragende Handlung lässt leider insgesamt ziemlich stark an Kohärenz vermissen. Es fühlt sich häufig einfach an, als würde man von einem Eckpunkt zum nächsten geschleudert, ohne einen anständigen Übergang zu erleben. Das übermäßig ernste Szenario beißt sich zudem stark mit dem nach wie vor lockeren Umgangston mancher Figuren, primär dem von Sonic selbst – wobei selbst Segas Maskottchen gerne mal zwischen verschiedenen Charakterisierungen springt. Es wirkt schlichtweg, als hätten die Schreiber zwar gute Ideen gehabt, diese jedoch nie wirklich abgleichen und angemessen verbinden können.

Aber nun gut, bei einem Jump 'n' Run steht ja traditionsgemäß eher das Gameplay im Vordergrund, die Handlung ist nur schmückendes Beiwerk. Sonic Forces serviert euch im Laufe der knappen Kampagne insgesamt drei verschiedene Charaktere mit eigenen Spielstilen: Die Level des modernen Sonics setzen primär auf Hochgeschwindigkeitsaction aus der Verfolgerperspektive mit gelegentlichen 2D-Passagen. Der aus Sonic Mania entliehene Classic Sonic hüpft hingegen durch reine 2D-Stages, bei denen auch ein leicht gezügeltes Tempo an den Tag gelegt wird. Abgerundet wird das Trio durch den bereits erwähnten neuen Rekruten, den ihr im Charakter-Editor erstellen dürft. Dabei stehen verschiedene Tiergattungen mit jeweils einer Spezialfähigkeit und eine reichhaltige Anzahl an freischaltbaren Outfit-Teilen zur Verfügung. Die Avatar-Level orientieren sich grob an denen des modernen Sonics, bieten allerdings reichlich Einsatzmöglichkeiten für die als Wispons bekannten Waffen, deren Sekundärfunktionen in den Stufen allerlei alternative Pfade öffnen. Zumindest über die Abwechslung kann man sich bei diesem Spiel also wahrlich nicht beschweren!

Mit Karacho in den Abgrund
Was hingegen deutlich mehr Raum für Kritik lässt, ist das Gameplay selbst. Im Prinzip hält sich Sonic Team an die in Sonic Generations perfektionierte Formel. Die Stages kommen also mit zahlreichen kleinen Alternativ-Pfaden daher, die sich gerade in den traditioneller gestalteten Classic-Sonic-Stufen bemerkbar machen. Nicht selten wird diese Erkundungsfreudigkeit mit roten Ringen prämiert, die zur Freischaltung spezieller Herausforderungslevel dienen. Leider fühlt sich die Steuerung nur selten richtig an. Es ist völlig egal, ob ihr nun mit dem älteren Igel durch die Landschaft rast, sein jüngeres Gegenstück durch die verseuchten Gewässer der Chemical Plant navigiert oder mit den Werkzeugen eures Avatars für reichlich Metalschrott sorgt – ein anständiges Gefühl der vollen Kontrolle kommt praktisch nie auf. Die Navigation des Trios wirkt je nach Charakter entweder zu steif oder zu schwammig. Gerade bei Classic Sonic empfand ich es als ungewöhnlich schwierig, sein stark selektives Bewegungsmoment zu verinnerlichen. Die obligatorische Casino-Stage erwies sich jedenfalls dank dieser Probleme als sprichwörtlicher Albtaum. Das ging bei Sonic Generations deutlich besser von der Hand!

Beim Leveldesign an sich hapert es leider ebenfalls. So versuchen die Macher zwar, euch regelmäßig mit neuen Elementen zu konfrontieren und so zumindest für Abwechslung zu sorgen – gerade die um den neuen Schurken Infinite gestrickten Abschnitte stechen hier positiv heraus. Nur leider sind die Stufen allesamt arg kurz geraten. Viel zu häufig kam es vor, dass ich bereits nach vierzig Sekunden den dritten von fünf roten Ringen einer Stage eingesackt und damit schon rund die Hälfte hinter mir hatte. Da bleibt wahrlich kaum Spielraum für bemerkenswerte Elemente, weswegen schlussendlich auch einfach nicht viel von den Stufen hängenbleibt. Egal ob ihr euch nun in der teilweise nicht mehr ganz so grünen Green Hill Zone herumtreibt, den Casino-Wald erkundet oder eine zerstörte Stadt durchschreitet – dank der generellen Kürze aller Level kann sich keine dieser Umgebungen wirklich entfalten. Schlimmer noch: Das Design ist teils schlichtweg nicht intuitiv. Beispielsweise hat Sonic Team löblicherweise erkannt, dass viele Spieler gerne dauerhaft den Turbo des modernen Sonics einsetzen und so in Windeseile durch die Level wetzen. Sonic Forces bestraft euch nun stellenweise für genau dieses Vorgehen, macht dies aber nie wirklich klar. Gepaart mit der ohnehin schon suboptimalen Steuerung fragt man sich hier teilweise, ob man tatsächlich selbst etwas falsch macht oder ob etwas schlichtweg nicht so funktioniert, wie es eigentlich soll.

Bei aller Kritik muss jedoch lobenswert erwähnt werden, dass sich die Macher zumindest um weitere Spielanreize über die kurze Kampagne hinaus gekümmert haben. Neben den angesprochenen Ringen bietet jede Stufe nämlich noch weiteren Sammelkram, der zu wiederholten Anläufen motivieren soll. Eine nicht zu unterschätzende Anzahl an Bonusleveln gibt es ebenfalls, die es zudem teilweise auch ziemlich in sich haben und einiges an Geschick erfordern. Wem das noch nicht genügt, der kann sich an die umfassende Missionsliste mit zahlreichen Herausforderungen wagen – als Lohn winken dabei Kleidungsstücke und Bewaffnungen für euren Avatar. Nach den anfänglichen drei Stunden ist man also keineswegs komplett fertig. Die zum Testzeitpunkt kostenlos herunterladbare Bonus-Episode rund um den schwarzen Igel Shadow streckt das Spielerlebnis hingegen praktisch gar nicht. Der Download-Zusatz trägt vielleicht 20 Minuten und ist selbst in dieser Kürze holprig erzählt, liefert aber immerhin etwas mehr Hintergrundinformationen zum großen, neuen Gegner Infinite.

Respektabel, aber nicht schadlos auf die Switch gerettet
Ebenfalls muss man Sonic Team anerkennen, dass Switch-Besitzer – anders als zu Zeiten von Sonic Unleashed - nicht mit einer eigenen Version abgespeist werden, sondern tatsächlich dasselbe Spielerlebnis vorgelegt bekommen wie die Zocker auf anderen Systemen. Technische Einbußen müssen natürlich trotzdem hingenommen werden: So wirkt das Bild im TV-Betrieb leicht verwaschen und blass, während auf dem Switch-Screen selbst die Farben kräftiger ausfallen, dafür hingegen bei den Texturen im Direktvergleich Abstriche gemacht wurden. Viel schwerer wiegt jedoch die auf 30 Bilder pro Sekunde limitierte Bildrate, die bei der Abschätzung schneller, hakeliger Passagen zur Herausforderung wird. Auch hilft nicht, dass eure Figur bei den großzügig ausstaffierten Umgebungen gerne mal im Hintergrund verschwindet, was die Hüpferei ebenfalls frustrierender macht. Außerdem wurden alle vorgerenderten Videosequenzen eher mäßig komprimiert, was für einen noch verwascheneren Look sorgt. Immerhin kann sich die musikalische Komponente dafür hören lassen. Sonic Forces bietet für alle drei Charaktere einen eigenen, passenden Musikstil. So wetzt der moderne Igel etwa zu leicht rockigen Stücken durch die Weltgeschichte, während der Mania-Held Songs im Stile der Mega Drive-Klassiker spendiert bekommen hat. Dasselbe Lob gilt leider nicht für die deutsche Sprachausgabe, die leider an anständiger Regie vermissen lässt und teilweise hölzern oder schlichtweg fehlbetont klingt. Immerhin sind unter anderem auch die japanische und die englische Tonspur mit an Bord und Letztere klingt meines Erachtens deutlich besser als das deutsche Gegenstück.

Fazit:
Es lässt sich nicht bestreiten, dass Sonic Forces Potential hat. Ja, es kann sogar tatsächlich Spaß machen! Ich für meinen Teil habe es zumindest gerne durchgespielt und direkt nach dem Abspann zu einer zweiten Runde angesetzt. Immer mal wieder blitzen gute Ideen durch, die ich gern weiter ausgebaut gesehen hätte. Allein die Fähigkeiten des neuen Gegenspielers Infinite bieten so viel Freiraum für coole Ideen, die dieses Spiel vielleicht nur im Ansatz ausgeschöpft hat. Leider kommt schlussendlich alles irgendwie zu kurz – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Damit meine ich nicht einmal die allgemeine Länge der kaum mehr als drei Stunden tragenden Story, sondern vielmehr die Größe der Level, die sich viel zu oft gleich beim ersten Anlauf in unter zwei Minuten abschließen lassen. Jegliche interessanten Elemente kriegen schlichtweg nicht den Spielraum, um sich voll zu entfalten, und weil eben alles so schnell an einem vorbeirast, bleibt schlussendlich auch wenig Denkwürdiges hängen. Dass die Steuerung sich schlichtweg falsch anfühlt und je nach Charakter entweder zu steif oder zu schwammig agiert, stößt ebenfalls sauer auf. Und die sprunghaft erzählte Rahmenhandlung, die sich zudem nie wirklich sicher ist, ob sie denn nun bierernst und knallhart oder locker und fröhlich sein möchte, bietet schlussendlich eher Stoff für unfreiwillige Lacher. Versteht mich nicht falsch, es steckt irgendwo ein unterhaltsamer Kern drin und Sonic Teams neuestes Spiel lässt definitiv nicht an Abwechslung vermissen. Es wäre aber auch einfach so viel mehr drin gewesen, weswegen das Endergebnis einfach nur mittelmäßig wirkt. Schade drum.

Knastvogel: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

Leserwertung:

Noch keine
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-
Unendlich Möglichkeiten, viele verschenkt: Ein kurzes und stark mittelmäßiges Jump 'n' Run, das seine guten Ideen unter zahlreichen Problemen begräbt.

Wertung

LEVELDESIGN:

6.0

STEUERUNG:

5.0

ABWECHSLUNG:

8.0
58
von 100

Drei Charaktere mit unterschiedlichen Spielstilen

Jede Menge cooler Ideen…

Reichlich Boni zum Freischalten

Klasse Soundtrack

Extrem kurze, unbefriedigende Level

Steuerung fühlt sich nie richtig an

…die größtenteils verschenkt werden

Mäßige Handlung mit Stimmungschwankungen

Halbgare deutsche Vertonung

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Spielname:
Sonic Forces

Typ:
Switch-Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Sega

Developer:
Sega

Genre:
Jump 'n' Run

Release:
07.11.2017 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre

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