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Review: Bayonetta 2

Andy Dück, 14.02.2018

3

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Bayonetta 2 kam ursprünglich 2014 als Exklusivtitel für die Wii U heraus, brachte alles mit, was der erste Teil richtig gemacht hat, und legte damit auch noch einen drauf. Nintendo hat die Hexe nicht aufgegeben und dem Hit auf der Switch ein neues Zuhause gegeben, damit Bayonetta 3, wenn es irgendwannmal kommt, sich auf der Plattform umso wohler fühlt. Aber das ist ein Thema für die Zukunft, in diesem Review geht es um den Port des zweiten Teils.

Man muss es nicht verstehen
Die Umbra-Hexen und Lumen-Weisen stehen seit Jahrhunderten im Krieg. Die Weisen wollten eine neue Welt erschaffen und brauchten dazu „das linke Auge“, was im Besitz der Hexen war und welches diese nicht hergeben wollten. Bayonetta ist eine der letzten Umbra-Hexen und Halterin des „linken Auges“, deshalb hat sie ständig gegen Engel und andere himmlische Gestalten zu kämpfen. Sie besitzt Haare, die so lang sind, dass sie diese als ihre Kleidung verwendet oder mit ihnen während ihrer „Wicked Weaves“-Attacken die Gliedmaßen von Dämonen lenkt. Außerdem verwendet sie vier Waffen – für jede Hand und jeden Fuß eine –, die sie mit höchster Präzision abfeuern kann. Sie kann sich Flügel wachsen lassen, sich in einen Panda verwandeln, bei Vollmond sie an Wänden laufen und so weiter. Mit Umbra-Hexen ist also nicht zu spaßen. Nachdem der letzte Weise im ersten Teil ausgelöscht war, verhielten sich Himmel und Hölle ruhig. Zu ruhig. Und an dieser Stelle beginnt die Handlung von Bayonetta 2.

Die Hexenzeit ist die schönste Zeit
Bayonetta steuert sich sehr direkt: Alle Eingaben kommen sofort an und es wird keine Zeit für Aushol-Animationen verschwendet. Das Kontrollschema ist auch einfach anzueignen und teilt sich in Tritt-, Schlag- und Schuss- beziehungsweise Spezialattacken auf. Gameplaytechnisch fallen alle Kapitel in das gleiche Schema. So besteht jedes praktisch aus Erkundungs- Kampf- und Bosssegmenten. Die Erforschungssegmente spielen sich in linearen Levelabschnitten ab. Wer das Spiel aber nicht gerade als Speedrun durchläuft, wird allerdings alle kleinen Abzweigungen abgehen, dabei die vielen Mal mehr, Mal weniger versteckten Collectables finden und so mehr Zeit in den offenen Segmenten verbringen, als der Platz es vermuten lässt. Leider stößt man bei der Erkundung öfter an unsichtbare Wände als es Recht ist. Die Sammelstücke können unter anderem in Form von Schreinen oder zerstörbaren Requisiten anzufinden sein. In ihnen findet man dann oftmals neben der spielinternen Währung in Form von Heiligenscheinen, die aussehen wie Sonic-Ringe, auch mal Lutscher oder Zutaten für diese Powerups. Viele Kapitel verfügen über ein verstecktes Bonuslevel, das sich in „Muspelheim“ abspielt. Diese haben an sich mit der Story nichts zu tun und bieten einfach eine kleine Herausforderung am Rande an. Dennoch kann man dort seltene Items gewinnen, wenn man die Herausforderung meistert. Weiterhin findet man gelegentlich Schallplattenteile, die im „Gates of Hell“ neue Waffen freischalten, oder verschiedene Bücher, welche Hintergrundgeschichten über Charaktere und der Spielwelt erzählen.

Schreitet man weit genug in den Leveln voran, gerät man früher oder später in ein Kampfsegment. Hier erscheinen dann verschiedene Gegner, auf die man fürs erste stumpf draufkloppt. Obwohl das Spiel im Kampf eine gewisse Tiefe durch Kombos und verschiedenen Waffen bietet, kann man vermutlich mit Button-Mashing durch die ganze Kampagne kommen. Es macht trotzdem mehr Spaß, sich eine Lieblingskombo anzueignen und die Vielzahl von Engeln, die wie Dekorationsartikel aus Porzellan aussehen, mit Stil auseinander zu nehmen. Wobei „auseinander“ dabei vielleicht noch untertrieben ist. Wer mal einen der Folterangriffe gesehen hat, wird wissen was ich meine – also ich würde die Sauerei nicht aufräumen wollen. Ein Kernelement des Kampfsystems und eigentlich auch die wichtigste Mechanik im Spiel ist tatsächlich nicht die Art Schläge und Tritte zu verteilen, sondern die Defensive, indem man im richtigen Moment ausweicht. Damit aktiviert man die „Hexenzeit“. Dies ist ein kurzes Zeitfenster, bei dem Bayonetta mit wahnsinnig hoher Geschwindigkeit agieren kann - perfekt um ein Paar sichere Treffer zu landen oder, wenn es sein muss, über Wasser zu laufen. Dargestellt wird dies, indem sich alles um einen herum in Zeitlupe bewegt, was immer wieder ein gutes Gefühl ist. Der perfekte Moment um auszuweichen ist in dem Sinne fair, dass die Gegner bei den meisten ihrer Attacken vorher weit ausholen und manchmal sogar eine ganz kurze Slow-Mo-Phase haben, in der nur noch das Ausweich-Kommando eingegeben werden muss.

Dennoch ist die Hexenzeit nicht geschenkt und ständig den rechten Trigger zum Ausweichen drücken ist auch nicht der optimale Weg. Es ist sinnvoller, tatsächlich auf die Gegner zu achten und im richtigen Moment zu handeln. Gerade weil diese Mechanik so ordentlich umgesetzt wurde und die Steuerung konsequent ist, kann man in den Kämpfen nicht dem Spiel die Schuld geben wenn mal wieder „Die Hexenjagd ist beendet“ auf dem Bildschirm steht. Jedes Kapitel bietet dann noch mindestens einen größeren Bosskampf. In den meisten anderen Spielen wäre man wohl eingeschüchtert, wenn man hochhausgroße Monster mit bloßen Fäusten zerstören sollte. Nicht aber wenn man mit Bayonetta antritt. Das Highlight in Bosskämpfen sind immer die Finisher welche sich „Klimax“ nennen. Dabei beschwört Bayonetta einen von zahlreichen Dämonen aus der Hölle, welche dem Boss mit Kräften im hundertfachen Gigatonnen-Bereich den Rest geben. Manche Kapitel bestehen in ihrem Großteil sogar nur aus riesigen Bosskämpfen, wodurch sie sich im geheimen ganz gut zum Sammeln von Heiligenscheinen eignen.

Am besten gar nicht erst fragen wieso
Storytechnisch fährt Bayonetta 2 dieselbe Achterbahn wie sein erster Teil. Man versteht grundsätzlich nicht was gerade abgeht und ist auch eher von der Action geblendet als dass man auf Dialoge hört oder die Untertitel liest. Der Charme des Spiels kommt aber auch genau daher, dass es nicht einmal sofort versucht, den Sinn hinter allem zu erklären. Schon im Prolog geht das Spiel mit dem Konzept in die Vollen. Man fällt mit riesigen Trümmerteilen vom Himmel und schlägt auf überdimensionale Gestalten ein, bis ein noch gigantisches Monster mit seinem dreihundert Meter großen Schwert in die eigene Richtung kommt und den Boden auf dem man Steht, welcher übrigens ebenfalls ein riesiger Dämon ist, in zwei Teile spaltet, woraufhin man sich per Quicktime-Event von Trümmerteil zu Trümmerteil manövrieren muss. Schaut man dabei kurz weg, hat man nicht mitbekommen, das jetzt plötzlich in dicken Mech-Anzügen gekämpft wird. Und als wäre diese Reizüberflutung nicht genug, erzählt eine Stimme irgendeine Hintergrundgeschichte über die Lumen und Umbra-Hexen. Sehr verständlich ist die Stimme auch nicht wirklich und in der Hitze des Gefechts hat man auch gerade etwas besseres zu tun, als den Untertiteln Aufmerksamkeit zu schenken. Die Stimmen lassen sich auf Englisch und Japanisch einstellen, die deutschen Untertitel stimmen allerdings nicht immer mit dem gesprochenen Inhalt völlig ein und Schimpfwörter wurden so verharmlost als wollte man sie zensieren.

Für mehr Abwechslung bietet das Spiel eine üppige Auswahl an Freischaltbarem, welches sich von optionalen Dingen wie Waffen bis hin zu den absolut nötigen Sachen wie Kostümen ausstrecken. Diese Priorität hatte zumindest ich beim ersten Durchspielen, was darin resultierte, dass sich die Schwierigkeitsstufe nach Schwer angefühlt hat, obwohl die Einstellung auf Normal gesetzt war. Wäre ich vernünftig gewesen und hätte meine Heiligenscheine regelmäßig für neue Techniken und spezielles Equipment ausgegeben, wäre die Schwierigkeitskurve deutlich flacher gewesen, obwohl ich die Herausforderung nicht ganz bereue. Heiligenscheine werden im „Gates of Hell“ ausgegeben – eine Bar, in welcher der Barkeeper, Waffenverkäufer und Teilzeit-Weihnachtsmann Rodin aus dem ersten Teil anzutreffen ist. Die meisten Kapitel besitzen Portale zu der Bar, es ist aber auch möglich, einfach in der Kapitelübersicht dorthin zu gelangen. Mit der Switch-Version ist zudem ein neuer Menüpunkt für amiibo erschienen. Hat man zufällig die richtige Figur bei sich liegen, kann man den Grind für Kostüme auslassen. Dennoch werden praktisch alle anderen amiibo akzeptiert und geben Heiligenscheine oder Items. Alles hat seinen Preis und dieser ist auch nicht klein. Deshalb sollte man sich bei der Wahl der Einkäufe vorher Gedanken machen, hilfreich ist es hier, dass man neue Attacken und Fähigkeiten vorher testen kann. Über den Verlauf des Spiels baut man sich so sein personalisiertes Moveset an. Man kann nicht erwarten, bis zum letzten Kapitel die Bar leergekauft zu haben, wodurch das Spiel seine Wiederspielbarkeit erlangt.

Fazit:
Bayonetta 2 ist durch und durch charmant und liefert eine Story, die sich nicht zu Ernst nimmt. Das Gameplay ist schnell und die Steuerung entsprechend verlässlich. Jedes Kapitel hat etwas anderes zu bieten und dauert angenehm lange, da sie vollgestopft sind mit Sammlerstücken, Nebenaufgaben, Cutscenes und gelegentlichen Quicktime-Events. Neben erstklassigem Hack-'n'-Slash überzeugt das Spiel mit glaubhaft und witzigen Charakteren in einer Welt, die so absurd ist wie wenige andere. Das Spiel weiß, wie man den Spieler stets am Haken behält, indem es stets für Überraschungen sorgt. Diese sind zum Teil offensichtlich platziert, wie in der Kampagne, in der man am Ende eines Kapitels mehr Fragen hat als zu Anfang, tauchen aber auch in den kleinsten Dingen auf, wie mehrlagige Lebensbalken von Bossgegnern, Katzen-NPCs, die Rückwärtssaltos machen, und einer unheiligen Ladung an weiteren Eastereggs. Von der Hauptstory abgesehen gibt es auch nach dem Abspann einiges an Bonusinhalten, welche sich aber vorher mehr oder weniger mühsam verdient werden müssen. Wer sich bei all dem, was Bayonetta 2 zu bieten hat, noch eine überarbeitete Grafik wünscht, wird an dieser Stelle eher den Kürzeren ziehen. Trotzdem profitiert das Spiel durch die Switch und leistet im Docked- und Handheld-Modus eine flüssige Framerate. Ferner sind auch die Touchscreen-Features in dem Port mit inbegriffen und wurden dazu auch noch deutlich verbessert. Selbst die Videoaufnahmefunktion der Konsole kann verwendet werden. Der zuvor auf Online beschränkte Koop-Modus lässt sich nun auch lokal spielen, aber ein Splitscreen-Modus wäre dennoch wünschenswert gewesen. Zwar hat dieser Teil mehr zu bieten als das erste Bayonetta-Spiel und die Kapitel haben auch eine ordentliche länge, aber trotzdem wird man sich nach dem Finale fragen, ob es das wirklich schon war. Wenn es am schönsten ist soll man ja bekanntlich Schluss machen. Umso größer ist dann der Durst nach dem dritten Teil, bei dem immerhin schon die Gewissheit besteht, dass er kommt.

Das „Gates of Hell" ist seine Stammkneipe: Andy Dück [awieandy] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Definitive Version des Wii U-Hits. Fans von schnellem und unkompliziertem Gameplay sollten auf jeden fall zu-„schlagen"

Wertung

SOUNDTRACK:

9.0

EINSTEIGERHILFEN:

10

ABWECHSLUNG:

7.0
89
von 100

Verbesserte Touchscreen-Steuerung

Amiibo-Funktionalität

Große Gegner-Vielfalt

Epische Bosskämpfe

Achievements

Unsichtbare Wände

Kein HD-Rumble

Kampagne ist schnell durchgespielt

Wie werten wir?

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3 Kommentare

profil 369 comments
[14.02.2018 - 18:15 Uhr]
Regnat:
Vielen Dank für den Test. Freue mich schon auf die Spiele.
Ich mag solche Spiele, bei denen es drunter und drüber geht, aber eigentlich keiner weiß, was überhaupt los ist. ^^

Werdet ihr auch einen Test zu Bayonetta 1 bringen?
profil 158 comments
[14.02.2018 - 18:28 Uhr]
Paneka Sebastian Mauch
Der folgt auch in Kürze! :D
profil 369 comments
[14.02.2018 - 21:45 Uhr]
Regnat:
Alles klar. Da freue ich mich schon darauf. =)
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Spielname:
Bayonetta 2

Typ:
Switch-Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Nintendo

Developer:
PlatinumGames

Genre:
Action

Release:
16.02.2018 (erschienen)

Multiplayer:
1-2 Spieler, auch online

Altersfreigabe:
Frei ab 16 Jahre

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