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Kurztest: Goetia

Tjark Michael Wewetzer, 07.05.2018

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Was macht man, wenn man in einer unschönen Nacht plötzlich auf dem Vorhof eines heruntergekommenen Anwesens aufwacht? Und man zudem feststellen muss, dass man keinen menschlichen Körper mehr hat, sondern lediglich als geisterhafte Lichtkugel durch die Weltgeschichte schwebt? Das ist die Lage, mit der sich Abigail, die Protagonistin des Adventures Goetia, konfrontiert sieht. Natürlich möchte die Dame die Situation nicht einfach so hinnehmen, sondern auch den Grund für ihre nichtstoffliche Erscheinung herausfinden. Und dazu muss das vorliegende Anwesen natürlich gründlich durchkämmt werden.

Kopfnussknacken auf Geisterart
Goetia ist dabei einer der ruhigeren Vertreter seiner Zunft. Gespräche mit anderen Wesen gibt es praktisch keine, den Löwenanteil der Villen-Erkundung spricht Abigail beim Untersuchen von Objekten oder Lösen von Rätseln in unvertonten, englischsprachigen Textboxen mit sich selbst. Vielmehr will euch das Adventure mit seiner düsteren Atmosphäre in den Bann ziehen und euch allem voran auch selbstständig knobeln lassen. So gibt es zwar die Möglichkeit, sich jederzeit über die Minus-Taste alle anklickbaren Objekte auf dem Bildschirm anzeigen zu lassen, waschechte Lösungshinweise bietet das Spiel jedoch nicht. Stattdessen müsst ihr die teils gar nicht mal so einfach zu verstehenden Puzzles selbst austüfteln. Da möchte zum Beispiel recht früh im Abenteuer die Kombination einer verschlossenen Türe erfahren werden, doch das augenscheinliche Hinweisblatt mit dem Passwort-Denkanstoß erscheint unbeschriftet. Beim Auskundschaften des Gebäudes stolpert man jedoch über ein Dokument, welches Geheimschriften behandelt – und euch so auf die richtige Spur bringt.

Die Überlegung ist jedoch nur die halbe Miete. Die Ausführung und folgende Lösung des Rätsels soll natürlich ebenfalls gelingen. Als Geisterkugel sind Abigails Fähigkeiten in dieser Hinsicht zunächst eingeschränkt, kann sie doch lediglich von bestimmten Objekten Besitz ergreifen und sie dann an einen anderen Ort schweben lassen – vorausgesetzt, es sind keinerlei Mauern oder verschlossene Türen im Weg. Da die Heldin somit über kein richtiges „Inventar“ verfügt, bedeutet dies, dass momentan ungenutzte Gegenstände an Ort und Stelle zurückgelassen werden müssen. Leider sorgt genau dieser Umstand manches mal für Kopfschmerzen, weil die Objektplatzierungen in keiner Weise vom Spiel vermerkt werden. Ihr habt etwa einen Schraubenzieher vor geraumer Zeit aufgelesen, quer durch die Villa geschleppt und anschließend abgelegt, weil ihr keinen Verwednungszweck finden konntet? Dann habt ihr euch den Ablagepunkt hoffentlich notiert, denn andernfalls ist guter Rat teuer, wenn ihr über den richtigen Einsatzort stolpert. Derartige Situationen kommen zum Glück relativ selten vor, da benötigte Gegenstände in der Regel nahe ihres jeweiligen Bestimmungsortes platziert sind. Die Ausnahmen nerven nichtsdestotrotz ungemein. Das Schraubenzieher-Beispiel war jedenfalls eines, das mir persönlich direkt so untergekommen ist.

Abseits dieses Nervfaktors erscheinen die Rätsel jedoch weitestgehend fair. Klar muss an einigen Stellen etwas um die Ecke gedacht werden, doch die offenere Struktur des Mittelteils – hier werden nämlich direkt mehrere größere Areale mit eigenen, isolierten Knobeleien geöffnet – gibt euch stets die Chance, zumindest an einer Stelle Fortschritte zu erzielen. Kommt man etwa gerade in der Kapelle im Wald partout nicht weiter, erkundet man stattdessen ein nahegelegenes Dorf und sucht nach neuen Aufgaben. Dank eines praktischen Schnellreisesystems, das euch jederzeit gewisse Kernpunkte der Karten direkt ansteuern lässt, spielt hierbei auch kein Frust rein. Nicht zuletzt bestimmt die Art, wie gründlich ihr die Geheimnisse der Villa und von Abigail selbst aufdeckt, auf welches von zwei Enden ihr zusteuert.

Bleibt nur noch eine Sache anzusprechen: Die Steuerung. Immerhin ist Goetia ein Point-and-Click-Adventure und als solches traditionell etwas, das man eher als unkomfortabel für Controller einstufen würde. Tatsächlich funktioniert die Joy-Con-Kontrolle aber zufriedenstellend, was neben intelligent gesetzten Shortcuts für Abigails Aktionen auch dem direkten Ansteuern von Hotspots auf Knopfdruck sowie der Möglichkeit, den Cursor in zwei Geschwindigkeiten über den Screen huschen zu lassen, zu verdanken ist. Im Handheld-Modus kann man natürlich auch auf den Touchscreen zurückgreifen, der in jedem Fall schneller, intuitiver und dem Tasten-Setup vorzuziehen ist. Trotzdem lässt sich Goetia auch gut mit einem Controller genießen – was vielleicht auch besser ist, denn die zahlreichen Dokumente, die man im Spiel zu lesen hat, erscheinen arg klein auf dem Switch-eigenen Display. Die Tagebucheinträge, Notizen und andere Schriften sind eindeutig für ausreichend große Full-HD-Bildschirme ausgelegt und nicht immer angenehm auf dem kleinen 720p-Screen lesbar.

Fazit:
Ich gestehe offen und ehrlich, dass mich Goetia vor dem ersten Anzocken nicht so wirklich interessiert hatte. Für Gruseleien bin ich als Angsthase sondergleichen in der Regel eher weniger zu haben und selbst abseits davon wirkte es für mich eher wie ein 08/15-Indie-Adventure von der Stange. Mein Eindruck änderte sich jedoch ziemlich schnell, als ich mich in die verlassene Villa begab. Wirklich gruselig ist das Spiel jetzt nicht unbedingt, dafür bestechen die detaillierten Räumlichkeiten mit einer dichten Atmosphäre. Auch erfreut, dass man bei den Knobeleien tatsächlich seinen Grips anstrengen muss – verstreute Dokumente mit Hinweisen steuern einen höchstens in die richtige Richtung, die Puzzleteile müssen schlussendlich selbst zusammengefügt werden. Somit fühlt sich jeder noch so kleine Fortschritt auch wie ein Erfolg an. Und wenn man mal gerade frustriert an einer Stelle hängt, kann man im Mittelteil des Spiels einfach zu einem anderen Rätselareal springen und sich erst einmal auf andere Gedanken bringen – eine elegante und schöne Lösung des Denkblockaden-Problems! Goetia hat natürlich auch seine Schwächen. Mangels Inventar der geisterhaften Abigail muss man selbst Buch führen, wo man welche nutzbaren Objekte in der Spielwelt gesehen hat, damit man sie später auch zum richtigen Zeitpunkt schnell wiederfindet. Außerdem wäre eine weitere Zoom-Stufe für die Ingame-Dokumente im Handheld-Modus der Switch mehr als praktisch. Wer jedoch ein düsteres Adventure mit schönen Knobeleien sucht und der gewaltigen Menge an englischem Lesestoff nicht abgeneigt ist, der ist bei Goetia definitiv gut aufgehoben.

Würde keinen Fuß in eine Spukvilla setzen: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an Forever Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

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Geistreiche Knobeleien in einem verlassenen Gemäuer: Ein schönes, düsteres Adventure für lesefreudige Zocker.

Wertung

Angenehm fordernde Rätsel

Recht offener Mittelteil

Dichte Atmosphäre

Keine Ingame-Vermerke für Objektfundorte

Für Handheld-Modus recht kleine Schrift

Keine deutsche Übersetzung

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Spielname:
Goetia

Typ:
eShop Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Forever Entertainment

Developer:
Sushee

Genre:
Adventure

Release:
26.04.2018 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre

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Screenshots: