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Kurztest: Soulblight

Tjark Michael Wewetzer, 22.10.2018

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Wer mit einem Roguelike heutzutage auffallen möchte, muss Einfallsreichtum beweisen. Immerhin ist das Genre und sein mit anderen Gattungen gemischtes Roguelite-Pendant heutzutage äußerst prominent im Videospielkosmos. Soulblight hat sich zu diesem Zweck ein paar recht einfache Ziele gesetzt: Es will mit einer düster-bedrückenden Optik auffallen, ein ungewöhnliches Stärkungssystem bieten und vor allem hackeschwer sein. Soviel sei vorweggenommen: Besagte Ziele wurden allesamt erreicht! Ob das aber auch für ein spaßiges Spiel sorgt, verrate ich euch in diesem Test.

Wo bin ich da nur wieder reingeraten?
Nach einem kurzen Tutorial, dessen deutsche Texte dank der fragwürdigen Übersetzung mehr für Lacher und Frustration sorgen, findet man sich am Ausgangspunkt einer jeden Reise wieder: Der… Zentralkammer? Bar? Kaserne? Was auch immer der Ort ist, hier treiben sich ein paar unheimliche Gestalten und zweifelhafte Helfer herum, die dem interessierten Leser mehr über die düstere Welt des Spiels erzählen. Im Grunde genommen spielt dies jedoch kaum eine Rolle, wenngleich manch NPC auch den ein oder anderen Tipp auf Lager hat. Mein persönlicher Rat: Vor dem ersten Abstieg ins Hauptspiel unbedingt die Übungspuppe aufsuchen und erst einmal das merkwürdige Kampfsystem studieren – gerade wenn man sich immer noch von dem Lachanfall erholt, dass die Konfrontation mit einem Gegner als „Verlobung“ übersetzt wurde. Danach sollte auch klar sein, wie man überhaupt sein Interface zu lesen hat. So ist die eigene Lebensenergie als um den Spielercharakter gelegten, weißen Kreis einsehbar, während die für Waffenschwünge notwendige Ausdauer in Grün erscheint. Gut, andere Spiele würden das andersherum machen, da man Gesundheit eher mit der Farbe saftiger Wiesen verbindet, doch Soulblight möchte ja anders sein. Und natürlich steckt dahinter auch ein tieferer Gedanke, denn in den düsteren Umgebungen fällt der weiße Ring selbstverständlich eher auf als das grüne Gegenstück. Das Kampfsystem wird dadurch trotzdem nicht angenehmer, da ihr in einer Gefechtssituation stets einen der auf euch aufmerksam gewordenden Feinde im Auge behaltet und somit praktisch nicht fliehen könnt. Schlimmer wird es noch, wenn es mehrere Häscher auf euch abgesehen haben, denn die automatische Zielerfassung kann nur ziemlich ungelenk mit dem rechten Analogstick neu ausgerichtet werden. Das macht gerade einige der knüppelharten, dafür aber ziemlich einfallsreichen Bosse künstlich schwer. Hinzu kommt, dass diverse Gegnergattungen über bestimmte Schwächen verfügen. Manche reagieren allergisch darauf, dass man sie mit ZL greift, andere wollen hingegen auf Abstand gehalten werden, da sie sonst euch packen und in Windeseile auseinandernehmen. Wirklich intuitiv erkennbar sind diese Schwachpunkte jedoch nicht, stattdessen muss man viel rumprobieren und sich alles einprägen.

Hat man sich dann an der Übungspuppe ausgetobt, geht es umgehend in die prozedural generierte Hölle. Wer bei Soulblight Action am laufenden Band erwartet, wird hierbei übrigens dezent enttäuscht. Stattdessen ermuntern die Macher hier zum bedächtigen Vorgehen, denn sonderlich viel hält euer Charakter nicht aus – zumal ihr jeden Anlauf ohne Ausrüstung bedingt, sofern ihr nicht Beute aus einer vorherigen Runde in der selten auftauchenden Lagertruhe untergebracht habt. Ganz ohne Hilfe werdet ihr aber auch hier nicht ins Rennen geschickt, denn nach Auswahl eines Makels – dazu später mehr – bekommt ihr ein wenig Start-Equipment zugesteckt. Dennoch merkt man schnell, dass der gewiefte Schleicher länger lebt. Dank der eingeblendeten Sichtkegel marschiert man hierbei wenigstens nicht schnurstracks in sein Verderben, nur weil man die Blickweite der Gegner falsch eingeschätzt hat. Hinterrücks umgelegte Feinde verschwinden auch sofort, es werden also keinerlei Alarme geschlagen. Was nicht bedeuten soll, dass die bei jedem Anlauf neu generierten Gegenden einfach zu bewältigen sind. Dichte Gegner-Konstellationen, verworrene Korridore, knarzende Brücken… Das Spiel versucht stets, euch Steine in den Weg zu legen. Sinn und Zweck einer jeden Ebene ist übrigens das Aufspüren eines verlorenen Zahnrads, das in irgendeiner der umliegenden Kisten gelagert ist. Da nicht wenige von ihnen verschlossen oder mit zu entwaffnenden entschärfenden Fallen versehen sind, kann die Suche beizeiten leider mühselig ausfallen. Immerhin: Potenziell gefährliche Truhen lassen euch vorher ihren Inhalt begutachten, sodass man immer abwägen kann, ob die Schätze den Dietrich auch wert sind.

Makellose Helden gibt es nicht
Man kann natürlich auch im Spielverlauf stärker werden, dies aber ohne klassische Erfahrunglevel. Stattdessen bestimmen Charakterzüge und die körperliche Verfassung eure Stärke. Nach jedem Abschnitt dürft ihr eine von zwei Eigenschaften wie „Hypochonder“ oder „Unstillbar“ auswählen, die euch unter gewissen Bedingungen Stärkeboni verleihen. Letzteres Attribut macht euch beispielsweise stärker, sofern ihr regelmäßig alkoholische Getränke konsumiert. Umgekehrt werdet ihr jedoch abgeschwächt, wenn ihr ausnüchtert. Auch andere Zustände wie Hunger und Verletzungen wirken sich auf eure Kampfkraft aus – in der Regel negativ. Gerade die im Gefecht zugezogenen Kampfspuren sollten nicht ignoriert werden. Sie treten auf, wenn der Lebensenergiekreis komplett geleert wird und repräsentieren quasi ein verlorenes Leben. Sind alle vier Verletzungs-Slots belegt, während man auf null HP gebracht wird, geht es umgehend zurück zum Start-Areal. Verbandswerkzeug und andere Hilfsmittel können solche Probleme aber behandeln. Es gibt also für jedes Problem im Prinzip ein passendes Gegenmittel, sofern Soulblight es auch rausrückt. Und das kann je nach virtuellem Würfelglück leider erschreckend selten der Fall sein.

Wenn ich schon bei Makeln bin: Die Technik ist einer der Switch-Umsetzung. So läuft Soulblight weder am Fernseher noch auf dem konsoleneigenen Display wirklich flüssig, was gerade in den ohnehin schon anstrengenden Gefechten nur für mehr unnötigen Stress sorgt. Dafür sieht die düster-bedrückende Welt äußerst gut aus, selbst wenn sich manche Elemente dank der bizarren Designs nicht immer eindeutig lesen lassen. Der optional abschaltbare Fischaugen-Effekt, der den Rand des Bildausschnitts verzerrt, sorgt ebenfalls für angenehmes Unbehagen. Doch genug des Lobs, denn ein wenig Kritik habe ich noch: Der Sound ist allgemein schlichtweg zu leise, sodass ich den Lautstärkeregler meiner Switch komplett aufdrehen musste, um überhaupt etwas wahrzunehmen. Außerdem sind die Texte schlichtweg zu klein, gerade im Handheld-Modus. Größtenteils mögen sie sich gerade noch so lesen lassen, für manche Situationen habe ich mir aber schon eine Lupe gewünscht. Und über die fehlerhafte deutsche Übersetzung habe ich mich ja bereits ausgelassen – tut euch einen Gefallen und schaltet eure Switch vor dem Spielstart auf Englisch, wenn ihr euch der Herausforderung stellen möchtet.

Fazit:
Nach meiner ersten Runde mit Soulblight war ich offen gestanden drauf und dran, meine Switch an die Wand zu pfeffern. Dank des miserabel ins Deutsche „übersetzen“ Tutorials verstand ich die Spielmechaniken praktisch gar nicht und intuitiv ist das knüppelharte Roguelike auch nicht gerade – weder im Leveldesign noch beim Kampfsystem. Doch ein paar Partien und Runden mit der Übungspuppe im Start-Areal später klickte es dann doch irgendwie. Trotz des an Diablo und Co. erinnernden Aufzugs ist Soulblight ein deutlich ruhigeres Roguelike, bei dem vorsichtiges Vorgehen häufig dem offenen Kampf vorzuziehen ist. Dadurch kommt auch reichlich Spannung auf, nur leider wird die immergleiche Suche nach dem Schlüsselobjekt zur nächsten Ebene auf Dauer doch irgendwie öde. Da helfen auch die vielfältigen Charakterzüge nicht, durch die man seine Spielweise gelegentlich anzupassen hat. Hinzu kommt, dass sich die Kämpfe mitunter dank der automatischen Zielerfassung ziemlich hakelig anfühlen und bei der Beute gefühlt so gut wie nie das dabei ist, was man für seine Leiden benötigt. Klar will das Spiel auch knackig schwer sein, doch hin und wieder fühlt es sich so an, als hätte man den Bogen überspannt. Schade um die trotz spürbarer Ruckler gelungene Optik, die für eine wunderschön bedrückende Atmosphäre sorgt. Soulblight ist nur etwas für hartgesottene Roguelike-Freunde.

Braucht jetzt erst einmal eine Dosis Frohsinn und Farbe: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an My Next Games für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

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Deine Wertung:

-
Wunderschön düsteres, gnadenloses Roguelike, das sich jedoch äußerst hakelig spielt und nicht sonderlich sauber läuft.

Wertung

Unheimlicher Grafikstil

Ungewöhnlicher Charakter-Aufbau

Äußerst fordernd…

Alles andere als eingängige Steuerung

Stark fehlerhafte deutsche Texte

…aus nicht immer fairen Gründen

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Spielname:
Soulblight

Typ:
eShop Spiel

Jetzt Bestellen:
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Publisher:
My Next Games

Developer:
My Next Games

Genre:
Rollenspiel

Release:
04.10.2018 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 16 Jahre

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Screenshots: