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Yomawari: The Long Night Collection

Review: Yomawari: The Long Night Collection

Sebastian Mauch, 30.10.2018

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Horror ist nicht gleich Horror. Für den einen ist es schaurig, wenn Gestalten sich gegenseitig zerfleddern, für andere wiederum, wenn die Atmosphäre besonders beklemmend ist und man nicht weiß, was einen erwartet. Die kürzlich erschienene Yomawari: The Long Night Collection fällt da definitiv in letztere Kategorie, geht aber wohlgemerkt einen etwas anderen Weg. In der Sammlung vertreten sind die beiden Ableger Yomawari: Night Alone sowie das etwas frischere Yomawari: Midnight Shadows. Beide Teile sind sich in der Spielweise eigentlich sehr ähnlich, man verfolgt aber selbstverständlich zwei unterschiedliche Geschichten. Ob die überzeugen können und ob der Horror zündet, das bringe ich euch im folgenden Test näher.

Wo ist meine Schwester?/Wo ist meine Freundin?
Beginnen möchte ich diesem Mal mit den Gemeinsamkeiten der beiden enthaltenen Spiele. Man schlüpft jeweils in die Rolle eines kleinen Mädchens und verliert auf mysteriöse Art und Weise mitten in der Nacht eine geliebte Person. Im Falle des ersten Teils, Night Alone, ist dies die große Schwester, im zweiten Teil wiederum die beste Freundin namens Yui. Leider stellt das auch im Prinzip die gesamte Story dar. Beide Spiele beschränken sich nämlich eher darauf, den Spieler eine grausige Nacht durchleben zu lassen, als eine tiefgründige Geschichte zu erzählen. Nichtsdestotrotz sind die Einstiege in beide Titel nicht ohne. So geht man in Night Alone etwa gerade mit dem kleinen Hund Gassi und findet einen Stein. Wie Kinder so sind, heben sie natürlich alles auf und unsere naive Protagonistin wirft den Stein auf die Straße, damit der Hund apportieren kann. Just in diesem Moment rauscht rasend schnell ein Transporter vorbei, es folgt ein verzerrtes Quietschen des (vermutlich) toten Hundes und es wird schwarz. Auch wenn die Straße mit Blutspuren und –spritzern übersäht ist, denkt sich das Mädchen mit der zerrissenen Leine in der Hand nicht Böses und vermutet, dass der kleine Kläffer lediglich den angrenzenden Hang heruntergehüpft ist. Auf der nächtlichen Suche nach dem kleinen Hüpfer geht dann wie bereits erwähnt durch verwirrende Umstände die große Schwester verloren und man ist mitten in der Nacht allein in einer großen Stadt als kleines Mädchen auf sich allein gestellt.

Im zweiten Teil, Midnight Shadows, geht es ganz ähnlich zu. Wieder ist ein kleines Mädchen mit ihrem Hund – dieses Mal im Wald – unterwegs und wird durch eine spröde Brücke von ihrem Haustier getrennt. Da dies der einzige Weg zurück zu ihrem kleinen Freund war, dreht die Gute kurzerhand um und erhängt sich an einem an sich sehr schönen Ort, nämlich ein Kirschbaum auf der Spitze eines Hügel mit der Stadt und dem Sonnenuntergang im Hintergrund. Auf diese brutale Weise bekommt man sogar das Tutorial serviert. Man selbst schiebt die Kiste unter den starken Ast des Baumes und interagiert schließlich mit diesem. Das mag alles extrem abstoßend klingen und das ist es auch. Genau diese Art von Horror weckt aber gewisse Ängste im Menschen und wirkt tadellos. Viele moderne Horrorgames setzen einfach nur auf laute Geräusche und reichlich Jumpscares, die Yomawari-Reihe zeigt aber hervorragend, dass es einem auch anders eiskalt den Rücken runterlaufen kann.

Nachts erkundet es sich am besten!
Komischerweise kommen die Protagonistinnen aus beiden Spielen auf die glorreiche Idee, mitten in der Nacht den Ort und die nähere Umgebung zu Erkunden. Das ist natürlich eine denkbar ungünstige Zeit für ein junges Mädchen, um auf die Straße zu gehen. Zum Glück treiben sich in beiden Spielwelten aber nur reichlich rastlose Seelen verstorbener Menschen herum, die einem aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nach dem Leben trachten. Man gelangt recht schnell in den Besitz einer Taschenlampe und kann damit besagte Seelen und Geister sichtbar machen, manchmal sogar zur Flucht zwingen. Andere wiederum werden so erst recht auf uns aufmerksam. Diese Gesellen muss man dann geschickt durch rennen oder schleichen umgehen, oder schlichtweg nicht mit dem Licht auf sie zielen. Die Variationen der Widersacher in beiden Spielen sind beachtlich. Zwar trifft man oft auf bereits bekannte Arten, doch lauern hinter jeder Ecke auch wieder neue Gefahren, deren Eigenheiten man erst entschlüsseln muss.

Meistens ist der digitale Tod da unausweichlich. Generell ist das „Trial and Error“-Prinzip hier sehr präsent, da man weitestgehend ohne Führung nach dem nächsten Ziel suchen muss. Der einzige Hinweis – wenn überhaupt – ist hier und da die angezeigte Mission. Gerade im ersten Teil kann man sich da schon arg verloren vorkommen. Nach einer etwas ungerichteten Startphase wird der Weg aber immer klarer, woraufhin die Yomawari-Spiele ihren wahren Reiz entfalten. Auf dem Weg zum nächsten Schlüsselort werden dem Spieler nicht selten Steine wie riesige Geister oder ganz à la Silent Hill Straßensperren in den Weg gelegt. Auch jagt einen das Spiel ganz gerne mal von A nach B, da man vor einem riesigen Augapfel oder anderen verzerrten Gestalten flüchten muss. Ein wichtiges Element beim Umgehen des Ablebens sind die Verstecke wie Büsche oder Reklameschilder. Versteckt man sich darin oder dahinter, wird um einen herum alles schwarz und man selbst für die Seelen unsichtbar. Trotz der allumfassenden Dunkelheit wird durch einen sehr eindringlichen Herzschlag akustisch und visuell dargestellt, wo wie nah der Feind noch ist. Eine gute Methode um Beklemmung hervorzurufen, vor allem wenn man gerade im letzten Moment noch schnell Zuflucht in einem Busch findet, obwohl ein Geist mit einer riesigen blutbefleckten Schere hinter einem her ist.

Der Stil wirkt, entschärft aber auch etwas
Generell ist Yomawari eher in einem kindlicheren Comic-Stil gehalten. Durch die schräge Draufsicht und die detaillierte Spielwelt wirkt das Ganze aber dann doch recht lebensnah. Die meist sehr dezente, aber extrem authentische Klangkulisse ist daran sicher auch nicht ganz unschuldig. Zwar werden Ängste eher in einer realistischeren Darstellung erzeugt, doch auch hier ist der Grusel allgegenwärtig. Man hat es halt nur mit einer anderen Wirkungsweise zu tun. Statt Realismus bekommt man Surrealismus, und statt Jumpscares sitzt einem stets der Schalk im Nacken. Elemente wie der Selbstmord eines kleinen Mädchens oder die teils extrem bizarr gestalteten Seelen machen den asiatisch geprägten Horror echt wirkungsvoll.

Technisch ist die Sammlung auch eine runde Sache. Der Spielfluss – wenn man denn das Ziel findet – ist recht angenehm, und frustige Stellen halten sich zum Glück in Grenzen. Lediglich im ersten Ableger hätte ich an einer Stelle fast das Handtuch geworfen, da ich durch einen ungünstigen Rücksetzpunkt an einer extrem verzwickten Stelle immer wieder eine halbe Ewigkeit laufen musste, um dann bei unzähligen Versuchen zu sterben. Auch das Speichersystem ist im ersten Teil noch etwas unausgegoren. So sind überall in der Stadt sogenannte Jizo-Schreine verteilt, denen man gefundene 10-Yen-Münzen darbieten muss, um sie zu aktivieren. Allerdings wird hier nur schnellgespeichert, es handelt sich also lediglich um Checkpoints. Zum Speichern muss man also entweder komplett zurück nach Hause oder eine bestimmte Schlüsselstelle der Geschichte erreichen. In Midnight Shadows sind die Schreine zum Glück richtige Speicherpunkte, weshalb man das Spiel auch mal bedenkenlos spontan beiseitelegen kann. Die Gedenkstätten stellen übrigens auch das Schnellreise-System dar. Bereits aktivierte Schreine kann man nämlich (auch ohne Einsatz einer Münze) jederzeit bereisen und erspart sich so unnötige Laufwege bereits aufgedeckter Gebiete, was echt enorm praktisch ist.

Fazit:
Yomawari: The Long Night Collection ist kein sonderlich tiefgründiges Spiel und auch dem Horror eher abgeneigte können ruhig mal einen Blick wagen. Hier wird der Puls nämlich nicht von 80 auf 180 gejagt, sondern nimmt eher ein stets erhöhtes Niveau an. Die Anspannung ist ein steter Begleiter, ebenso wie die Unwissenheit. Gerade das macht aber den Reiz aus. Zusammengerechnet kommen beide Spiele auf eine Spielzeit von etwas über zehn Stunden, in denen man durch die Dunkelheit irrt und Geistern ausweicht. Das kann zwar manchmal etwas fade und stellenweise auch frustrierend sein, doch rückblickend betrachtet war der Trip durch die beiden Spielwelten sehr interessant und eindringlich. Einziger Knackpunkt ist der Preis von 40 Euro. Wer Horrorspiele mag und sich mal auf die etwas andere Art gruseln lassen möchte, der ist mit der Long Night Collection gut beraten. Unentschlossene, aber nicht abgeneigte Spieler sollten jedoch eher einen Aktionspreis abwarten und dann zuschlagen.

Ich sehe tote Menschen: Sebastian Mauch [Paneka] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an NIS America für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Pflichtkauf
Deine Wertung:

-
Sammlung mit zwei asiatisch angehauchten Horror-lite-Adventures mit putzigem Artstyle, die aber auch vor ernsten Thematiken keinen Halt machen.

Wertung

ATMOSPHÄRE:

9.0

SPIELWELT:

8.0

GESCHICHTE:

6.0
78
von 100

Zwei Spiele mit über 10 Stunden Beschäftigung enthalten

Dichte Atmosphäre

Beklemmende Soundkulisse

Für das Genre unüblicher, aber hübscher Artstyle

Mal etwas tiefgreifenderer Horror

Wenige Jumpscares, dafür stete Anspannung

Hitboxen der Seelen manchmal nicht nachvollziehbar

Etwas mehr Tiefe in der Geschichte hätte nicht geschadet

Frustrierendes Speichersystem im ersten Teil

Roter Faden muss erstmal gefunden werden

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Spielname:
Yomawari: The Long Night Collection

Typ:
Switch-Spiel

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Publisher:
NIS America

Developer:
Nippon Ichi Software

Genre:
Adventure

Release:
26.10.2018 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre

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Screenshots: