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Kurztest: Windjammers

Sebastian Mauch, 31.10.2018

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Was haben viele NES-Spiele des Nintendo Switch Online-Abos und viele Titel aus der ACA NeoGeo-Reihe gemeinsam? Sie sind einfach schlecht gealtert und heutzutage kaum noch genießbar. Das liegt unter anderem daran, dass Videospiele heute viel komfortabler zu bedienen sind und (leider) den Spieler auch oft zu sehr an die Hand nehmen. „Schlecht gealtert“ sind besagte Spiele also eigentlich nur in technischer Hinsicht. Die Pixel-Darstellung wird nämlich selbst in aktuellen Veröffentlichungen extrem gern verwendet, aber eben über eine moderne Programmierung gestülpt. Windjammers ist einer dieser Titel, die wie Super Mario Bros. 3 trotz ihres hohen Alters auch heute noch perfekt funktionieren. Warum das so ist, das erfahrt ihr im folgenden Kurztest. Kurz ist hier übrigens wörtlich zu nehmen, denn im Grunde hätte ich schon nach zehn Minuten alle Aspekte des Spiels erkundet. Die flotte Frisbee-Werferei hat nämlich abseits der neuen Online-Komponente nicht wirklich viel zu bieten.

Raketenwurf!
Vorab zunächst eine kleine Einführung für Unwissende, die wie ich zuvor noch nie von Windjammers gehört haben. In diesem Spiel handelt es sich im Grunde um einen wilden Mix aus Fußball, Curling, Tennis oder Volleyball. Zwei Kontrahenten stehen sich auf einem recht kleinen Feld mit zwei Hälften gegenüber und werfen sich gegenseitig eine Frisbee-Scheibe um die Ohren. Wer zuerst über elf Punkte kommt, entscheidet das Spiel für sich. Gespielt wird aber im Verfahren „Best of three“, weshalb man mindestens zwei Spiele gewinnen muss um als Sieger hervorzugehen. Punkte werden je nach Spielfeld immer ein wenig anders verteilt. Hinter den Spielern sind nämlich eine Art „Tore“ mit verschiedenen Werten. Entweder wirft man am geschickt am Gegner vorbei und erhält fünf Punkte, oder in der größeren Zone eben nur drei. Vermasselt es der Gegner einen langsame Scheibe zu fangen und landet diese auf dem Boden, erhält an immerhin zwei Punkte.

Das Gameplay holt sich auch hier mal wieder die Klassifizierung: „Einfach zu erlernen, schwer zu meistern“. Im Grunde wirft man ja nur die Scheibe von links nach rechts oder umgekehrt. Ganz so simpel ist es dann aber doch nicht. Aufgrund der Größe des Felds und der Wendigkeit einiger Athleten ist es nämlich auch nötig, den Gegner mit gezielten Bandenwürfen oder Trickwürfen auszustechen. Wirft man etwa direkt nach dem Fangen die Scheibe wieder los, wird diese enorm schnell, was sich vor allem bei Bandenwürfen oder auf Karten mit Hindernissen in der Mitte als großer Vorteil erweist. Verrenkt man etwas den Analog-Stick, kann die Scheibe auch angeschnitten werden. Um dem ganzen noch etwas Würze zu verleihen kann man auch wagemutig stehen bleiben und den Ball die Scheibe annehmen. Diese fliegt kurz darauf ein Stückchen nach oben, und der Athlet sammelt Kraft für einen Super-Move, der mit etwas Glück und Übung aber auch blockbar ist.

Würfe wie die Power-Würfe oder die Angeschnittenen unterscheiden sich übrigens je nach Spieler nochmal. Wirft etwa der kräftige Muskelprotz aus Deutschland die Scheibe recht geradlinig, aber dafür mit ordentlich Schmackes, so sieht Flugkurve bei anderen Figuren schon viel chaotischer aus. Besagter deutscher Sportler sagt übrigens wirklich „Raketenwurf“ und „Gewonnen“, was auch für die Spieler anderer Nationen gilt. Das verleiht Windjammers zusätzlich zum „80er-Beach-Charme“ noch mal eine gewisse Note. Insgesamt bringen die sechs verschiedenen Sportler und die verschiedenen Arenen mit jeweils anderen Hindernissen ordentlich Schwung in die Sache, wäre da nicht…

…der Online-Modus
Da wären wir wieder: Nintendo und online. Jetzt ist das groß angepriesene Bezahl-Modell da, aber wirklich Mehrwert verspürt man als Zocker bisher noch nicht. Ein Aspekt, der sehr gestört hat, ist aber nicht mal durch Software zu beheben. Neu in dieser Wiederveröffentlichung von Windjammers ist nämlich die Online-Komponente mitsamt Versus-Matches und Ranglisten für den Offline-Inhalt „Arcade“ und die beiden Minispiele. Diese beinhalten übrigens Bowling und Weitwurf, wobei man beim Weitwurf einen Hund steuert, der Strandgästen und anderen Hindernissen ausweichen, und natürlich am Ende auch die Scheibe fangen muss. Die beiden Minispiele machen zwar kurz mal Laune, sind dann aber letztlich auch nicht weiter der Rede wert – es sei denn man greift nach dem Highscore.

Doch zurück zum Online-Part. Man hat die Wahl zwischen unbewertete Runden zum Spaß oder Ranglisten-Partien. Hier gibt es dann sogar ein Ranglisten-System. Der Anreiz, sich bis zum begehrten Gold hochzuspielen, war anfangs noch groß, doch leider verlor der an sich astreine Kompetititvgedanke wieder schnell an Wirkung. Schuld daran sind zwei gravierende Faktoren. Nummer Eins: Stabil ist anders. Zockt man gemütlich auf der Couch einige Matches, kann man sich trotz guter WLAN-Abdeckung und dank dem ac-Standard auch hoher Bandbreite auf ordentlich Freezes und Lags oder gar Spielabbrüche einstellten. Mit einer kabelgebundenen Verbindung via LAN-Adapter am Dock gingen Partien zwar meist lagfrei über die Bühne, jedoch traten noch andere Fehler auf, die sich teilweise sogar zum ungewollten Aufleveln missbrauchen ließen. In einer Session war es mir etwa unmöglich, in ein Match mit einem gefundenen Gegner zu starten, da die „Verbindung zum Peer unmöglich“ war. Darauf folgte der Matchabbruch und das Spiel teilt fairerweise trotz Verbindungsverlust Rangpunkte gut, zieht dem Gegner sogar angeblich welche ab. In Wirklichkeit war es aber dann so, dass beide Parteien Punkte erhalten haben, man verlor aber nie wirklich die Verbindung zur Gegner. So konnten beide immer schön auf „Revenge“ drücken und sich so heimlich die Rangliste hochgaunern. Spaßeshalber habe ich das dann mal eine Viertelstunde durchgezogen und konnte mich so ganz bequem und komplett schweißfrei von der Holz- bis hin zur Silberliga – theoretisch sogar bis Platz 1 der Weltrangliste – schummeln. Nicht die feine Art, aber ein trauriger Beweis dafür, wie ein kompetitiver Online-Multiplayer nicht zu funktionieren hat.

Punkt Zwei: Es gibt einfach so gut wie keine Spieler. Nun war es nicht mal so, dass ich vor Release die Möglichkeit erhielt das Spiel zu testen, sondern startete ganz normal wie jeder andere auch nach Erscheinen in die Frisbee-Welt. Scheinbar bekam das Spiel aber trotz Erwähnung in der Nintendo Direct und trotz Ankündigung eines neuen Nachfolgers quasi null Aufmerksamkeit. Das Resultat: Es tummeln sich nur eine Handvoll Spieler im Matchmaking. Da meistens nur man selber und die andere Person online waren, fand man nicht selten auch bei erneuter Suche nur diese eine Person. Klingt traurig, ist aber so. Eventuell hätte der Publisher dem entgegenwirken können, hätte man dem Titel zum Erscheinungstag einen saftigen Rabatt verpasst. Die eShop-Charts zeigen nämlich immer wieder, wie schnell sich Titel durch solche Rabattierungen in nach oben schummeln können. So fällt leider die einzige Komponente des Spiels mit wirklich Anreiz und Substanz auch so gut wie aus.

Fazit:
Was bleibt da noch übrig? Tatsächlich nicht viel. Die beiden Minispiele sind zwar nett, werden dann aber auch schnell langweilig, da man alleinig für eine höhere Punktzahl kämpft. Der Arcade-Modus gegen eine Reihe Computergegner macht zwar Spaß und bietet eine gewisse Herausforderung, gegen menschliche Spieler macht es dann aber doch mehr Spaß. Nach aktuellem Stand wissen aber die wenigsten Switch-Besitzer, wie spaßig das Gameplay von Windjammers im Kern eigentlich ist. Verpackt in ein charmantes Pixelgewand und garniert mit tollen Retroklängen hätte daraus eigentlich was werden können. Ich persönlich bezweifle es zwar, aber wer weiß, vielleicht sind ja eine paar Wochen und ein Angebot später wesentlich mehr aktive Frisbee-Werfer unterwegs. Das Spiel hätte das auf jeden Fall verdient. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie sich der für 2019 angekündigte zweite Teil schlagen wird. Mit etwas mehr Marketing könnte da ein solider Multiplayer-Spaß bei rumkommen.

Hat Reflexe wie ein totes Reh, aber trotzdem Spaß mit der Frisbee: Sebastian Mauch [Paneka] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an DotEmu für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

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-
Gut gealterter NeoGeo-Klassiker mit nach wie vor genialem kompetitivem Gameplay. Leider fehlt es mangels Spielern aber letztlich etwas an Substanz.

Wertung

Motivierender Online-Modus mit Rangliste und Ligen…

Extrem spaßiges Gameplay

Charmante Aufmachung

…bei dem leider so gut wie keine Matches zustande kommen…

…und wo andere technische Einschränkungen nicht selten frustrieren

Abseits des Mehrspieler-Modus quasi keine Substanz

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Spielname:
Windjammers

Typ:
eShop Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Dotemu

Developer:
Dotemu

Genre:
Sport

Release:
23.10.2018 (erschienen)

Multiplayer:
1-2 Spieler, auch online

Altersfreigabe:
Frei ab 0 Jahre

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