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Review: I Am Setsuna

Alexander Schneider, 17.09.2017

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Das Start-Lineup der Switch ließ ja bekanntlich durchaus zu wünschen übrig, wenngleich mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild natürlich gleich ein Monument der Videospielhistorie veröffentlicht wurde. Davon abgesehen herrschte im Hinblick auf hochqualitative Titel allerdings Ebbe. Zumindest, wenn man von einem Spiel absieht: I Am Setsuna. Nachdem das märchenhafte JRPG, welches von Tokyo RPG Factory entwickelt wurde und von Square Enix vertrieben wird, bereits Anfang 2016 für die Playstation 4, die Playstation Vita und den PC erschienen ist, wanderte es zum Launch von Nintendos Hybridkonsole gleich mal in den damals noch nicht allzu gut bestückten eShop. Fast könnte man sich angesichts der minimalistischen Optik an Klassiker wie Final Fantasy oder auch Chrono Trigger erinnert fühlen, wenn man durch die verschneiten Welten von I Am Setsuna schlendert, doch bringt das ansonsten urtypische Rollenspiel durchaus ein gewisses Maß an Eigenständigkeit mit sich. In meinem ausführlichen Test verrate ich euch, weshalb die titelgebende Protagonistin geopfert werden soll, wie gut die Story unterhalten kann und ob das Kampfsystem einer gründlichen Prüfung standhält. Vielleicht würde euch ein winterliches Abenteuer pünktlich zur kalten Jahreshälfte reizen?

Opfergabe im ewigen Winter
Um es gleich zu Beginn zu sagen: I Am Setsuna ist im Bezug auf seine Story durchaus schwermütig, manchmal ganz und gar melancholisch. Wer sich also dauerhafte Lachflashs wünscht, der sollte sich definitiv anderswo umschauen. Schon nach wenigen Minuten geht die Geschichte in die Vollen, auch wenn sie nicht unbedingt spektakulär inszeniert ist: Man schlüpft in die Rolle des Söldners Endir, der zuerst gemeinsam mit einem seiner Kollegen ein entführtes Mädchen aus den Klauen eines Monsters befreien soll. Die Mission stellt sich als eine Art Tutorial dar, da man ausführlich in das simple Kampfsystem eingeführt wird. Nachdem man die ersten Gegnermassen aus dem Weg geräumt hat, tritt man auch schon vor die Wurzel des Übels - ein Eisbär hat das verängstigte Mädel in seiner Gewalt und natürlich bleibt mir nichts anderes übrig, als ihm den Garaus zu machen. Daraufhin aber zieht mein Mitsöldner fort, um das Entführungsopfer wieder zu seinem Vater zu bringen - ich aber bekomme von einem mysteriösen Mann, der ganz plötzlich aus den Schatten tritt, den Auftrag, in Richtung einer fernen Insel zu reisen und dort ein Mädchen zu töten. Erstmal dort angekommen schlägt sich Endir diesen Gedanken gleich aus dem Kopf, als er Setsuna erstmals gegenübertritt. Setsuna ist gerade erst 18 Jahre alt geworden und soll die Opfergabe sein, die ihr Volk vor dem Verderben schützt. Opfergabe? Alle zehn Jahre muss dem Dämon ein Opfer dargebracht werden, um den Frieden zu bewahren und um die Monster von den Menschen fernzuhalten. Irgendwann aber begann der Dämon schon vorher zu wüten und so bedarf es einer neuen Opfergabe, um die Inselbewohner vor dem Unheil zu retten. So tritt sie gemeinsam mit Söldner Endir und anderen Charakteren wie ihrer Gefährtin Aeterna und dem Krieger Nidr eine Pilgerreise an, an deren Ende die Opferzeremonie stehen soll. Keine Erzählung, die in die Geschichte eingehen wird, durch einige Wendungen, ergreifende Einzelschicksale und verschiedene Antwortmöglichkeiten aber zumindest unterhaltsam.

Verschneite Welt, die nicht jedem gefällt
Wer sich nach grünen Wiesen, sommerlichen Wäldern und einladenden Gewässern sehnt, der ist hier sicherlich falsch aufgehoben. In I am Setsuna regiert ein unaufhörlicher Winter, der sich natürlich auch optisch niederschlägt. So läuft man zumeist durch eisige Schneelandschaften, mächtige Winterstürme und in weiß getauchte Städte, was im Zusammenspiel mit der erzählerischen Melancholie durchaus trist wirken kann. Nach einer gewissen Gewöhnungsphase begreift man allerdings, dass dies durchaus beabsichtigt ist und dass die Kombination aus inhaltlicher und landschaftlicher Traurigkeit bestens funktioniert. Menschenleere Dörfer, in denen niemand mehr haust, und frostige Städte wie das Örtchen Floneia Citadel hinterlassen bleibenden Eindruck, auch wenn sie aufgrund des vorherrschenden Farbtons nicht unbedingt malerisch daherkommen. Das gleiche Bild bietet die Weltkarte, die allerdings ohne monströse Gegenwehr beschritten werden kann und das auch nur im unendlich langsamen Tempo. Gelegentlich funkelt auf dem Boden ein Punkt, woraufhin dort eine Ressource gesammelt werden kann, ansonsten bleibt der Spieler auf seinen Reisen von Location zu Location aber beschäftigungslos. So bietet I Am Setsuna letztlich Umgebungen von eiskaltem Charme, was sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Vielleicht versprüht das Kampfsystem mehr Feuer?

Fehlende Balance im Schlachtengetümmel
Da kann man durchaus geteilter Meinung sein. Zwar machen die rundenbasierten Gefechte anfangs durchaus Laune, später aber erweisen sich die Kämpfe gegen Hasen, Vögel und anderes Getier als kinderleicht. Dass dies unterfordert, brauche ich sicherlich nicht gesondert betonen - zumindest aber kann man den zumeist unglaublich niedlich gestalteten Monstern ausweichen, indem man seine Gruppe an den Rändern der jeweiligen Gänge entlanglaufen lässt. Tut man dies nicht, wird man automatisch in einen Kampf gegen die umherstehenden Bestien verwickelt. Um die normalen Fights zu gewinnen, braucht es noch nicht einmal Können, da eure Kontrahenten in Windeseile und ohne Anstrengung erledigt werden können. Zwar könnte man nun anmerken, dass durch das "Active Time Battle"-Prinzip eine strategische Komponente hinzukommt, allerdings zerplatzt auch dieser Traum wie die sprichwörtliche Seifenblase. Im Kampf müsst ihr schlicht darauf warten, dass sich die Aktionsleiste eurer Streitkräfte füllt, um daraufhin angreifen zu können. Darüber hinaus ist es euch möglich, Kombo-Attacken von gleich zwei Kriegern ausführen zu lassen, die dann natürlich wesentlich mächtiger sind als die Einzelangriffe. Auch das Momentum-System ist eine Erwähnung wert: Habt ihr wenigstens einen SP, dann könnt ihr euren Angriffen noch mehr Power verleihen, indem ihr im richtigen Augenblick die Y-Taste drückt. Ebenso interessant ist das Flux-System, welches euren Techs noch größere Kraft verleiht.

Im Laufe des Spiels sammelt ihr verschiedene Talismane, die natürlich ausgerüstet werden können. Habt ihr das getan, dann bringen die kleinen Glücksbringer oft wirklich Glück: Die Talismane haben allesamt bestimmte Flux-Boni, die dann zum Tragen kommen, wenn man die jeweilige Tech einsetzt und dann erfolgreich dem Momentum frönt. In einigen Fällen kann es dann nämlich sein, dass die Boni auf die ausgerüsteten Spritnite übertragen werden. Je mehr "Fluxation Power" zu einer Tech hinzugefügt wird, desto größer wird die Verstärkung des Momentum-Boosts. Klingt alles ein wenig kompliziert, ist es aber ganz und gar nicht. Die normalen Kämpfe sind nämlich so leicht, dass ihr sie im Grunde sogar ohne Momentum und Fluxation bewältigen könnt. Und genau hier gerät I Am Setsuna aus dem Gleichgewicht: Die Bosskämpfe ziehen den Schwierigkeitsgrad kräftig an und lassen den entstehenden Kontrast beinahe unnatürlich erscheinen. Klar, Endgegner sollen immer auch eine Herausforderung sein, dann aber hätte man die normalen Kämpfe zumindestens nicht so lächerlich wirken lassen sollen. Dazu passt, dass eure Helden im Kampf zwar sterben können, danach aber direkt wieder verfügbar und quicklebendig sind. Zwar dürft ihr nur drei Charaktere kämpfen lassen, ihr könnt eure Party aber nach Belieben verändern - schließlich habt ihr auf Dauer weit mehr als nur drei Begleiter.

Items von der Stange
Beute gibt's in I Am Setsuna im Überfluss! Nach jedem Kampf beschert man euch als Belohnung nicht nur Erfahrungspunkte, sondern auch eine Handvoll Items. Irgendwann habt ihr Unmengen gesammelt und fragt euch, wie ihr den ganzen Plunder wieder loswerden könnt. Ein kluger Ansatz, schließlich ist das Verkaufen von Waren der einzige Weg, um an zusätzliches Geld zu gelangen. Dabei ist es ratsam, nur die weißen Materialien zu verschleudern, da man diese immer wieder bekommt. Aber Hände weg von den grünen Zutaten! Diese sind zwingend notwendig, um ab und an neue Rezepte gereicht zu bekommen. Man erhält sie regelmäßig von ausgewählten NPCs, die euch allerdings nur darauf aufmerksam machen, wenn ihr bereits alle notwendigen Zutaten dabei habt. Hilfreich sind die Rezepte aber allemal, schließlich könnt ihr euch daraus Mahlzeiten zubereiten und euch von diesen zum Beispiel den Abwehr- oder den Angriffswert verbessern lassen. Zudem könnt ihr eure Beute auch bei Händlern loswerden, da diese die sogenannten Spritnites im Angebot haben. Könnt ihr den Händlern bestimmte Materialen bieten, dann gibt's im Gegenzug einen der Spritnites, die die begehrten Spezialfähigkeiten enthalten. Ohne Frage ein kleiner Motivationsschub, da ihr mit der Zeit sicherlich verschiedene Angriffe ausprobieren möchtet und dafür fleißig sammeln müsst. Auch stärkere Waffen lassen sich im Spielverlauf immer mal wieder finden oder kaufen, und auch diese können mithilfe von Materialien weiter verbessert werden. Leider können die Werte eurer Charaktere nicht manuell angepasst werden, sodass eine individuelle Entwicklung der Helden unmöglich ist. Speichern ist übrigens nur an eigens dafür bestimmten Stellen sowie auf der Weltkarte möglich - auch da erinnert I Am Setsuna an längst vergangene Zeiten.

Steuerung:
So traditionell, wie sich das Spielgeschehen in I Am Setsuna anfühlt, so konventionell ist auch die Handhabung der Charaktere. Eigentlich benötige ich kaum Worte, um die Steuerung zu erläutern, da sich die Protagonisten wirklich galant und intuitiv durch die Schneelandschaften führen lassen. Mit dem Analog-Stick des linken Joy-Cons bringt man die abenteuerlustigen Wanderer zum Laufen, mit der X-Taste öffnet man das Menü inklusive Inventar und in den Kämpfen wird der A-Button euer bester Freund sein, wenngleich ihr beizeiten auch die Y-Taste nutzen müsst, um eure Angriffe via Momentum-System aufzuwerten. Keine Klagen also!

Grafik:
Die Optik ist wie eigentlich das gesamte Spielerlebnis ein zweischneidiges Schwert. Eingangs erwähnte ich bereits die Tristesse, die durch die stets schneebedeckten Areale und die abwechslungsarme Spielwelt aufkommt. Natürlich zeigt die winterliche Monotonie irgendwann Wirkung und könnte manch einen sogar abschrecken, andererseits punktet die grafische Komponente mit netten Effekten wie von einem Baum herunterfallendem Schnee, Fußspuren und wilden Schneestürmen, durch die zu stapfen durchaus eine Erfahrung wert ist. Außerdem könnte man dem Spiel zugutehalten, dass es atmosphärisch ohnehin der Melancholie verpflichtet ist und dass der Grafikstil deshalb gut zur aufkommenden Stimmung passt. Leider sind die meisten Areale recht übersichtlich, sodass sie schnell erkundet und durchlaufen sind, und auch optisch warten sie nicht unbedingt mit Überraschungen auf. Wägt man alle Facetten ab, dann kann man die dreidimensionalen Kulissen nur als das bezeichnen, was sie sind: Mittelmaß. Auch die NPCs gleichen sich viel zu häufig, ebenso der architektonische Aufbau der Städte. Ob euch ein paar charmante Details und einige Appetizer für den nächsten Winterurlaub reichen, müsst ihr letztlich selbst entscheiden. Dass es visuell nicht spektakulär zugeht, sollte ohnehin klar sein. Beachtet bitte auch, dass I Am Setsuna lediglich englische Bildschirmtexte anbietet.

Sound:
Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Wo die Grafik noch niemanden hinter dem Ofen hervorlocken konnte, sorgt die Klangkulisse für regelrechte Euphorie! Auch bei den Musikstücken fühlt man sich ein wenig an Final Fantasy erinnert, qualitativ geht es beim Sound allerdings nicht nur deshalb stets hochwertig zu. Das Piano zaubert durchweg eingängige Melodien, die sich den jeweiligen Situationen vortrefflich anpassen und im positivsten Sinne zur Stimmung beitragen. Mal bringt man epische Kompositionen zu Gehör, mal fröhlichere Tunes passend zur Wanderschaft. Tatsächlich handelt es sich um einen der besten Soundtracks überhaupt - und insbesondere diese Ausnahmestellung ist es, die die durch die Grafik geschmälerte Atmosphäre am Leben erhält. Da waren wirklich fähige Leute am Werk! Verwirrend ist allerdings die Tatsache, dass unser Held Endir eigentlich nie ein Wort von sich gibt, in den Kämpfen allerdings andauernd Schlachtrufe absondert. Auf Japanisch natürlich. Zwar kann die Sprachausgabe auch ausgeschaltet werden, deaktiviert man sie allerdings nicht, dann fällt der Kontrast zwischen dem akustischen Feuerwerk in den Kämpfen und der sonstigen Grabesstille unangenehm auf. Und das nicht, weil es keine Schlachtrufe geben dürfte, sondern eher, weil Endir ansonsten nicht einen Satz von sich gibt - nicht einmal in den Textdialogen.



Fazit:
Hach, wie schön hatte das werden können! Es ist wie so oft der Fall, dass ein Spiel zwar vielversprechend anmutet, letztlich aber Fehler macht, die die guten Ansätze wieder in den Boden stampfen. Ganz so niederschmetternd fällt mein Fazit zu I Am Setsuna zwar nicht aus, da es sich weiterhin um ein unterhaltsames JRPG handelt. Einige Fragen müssen sich die Entwickler aber durchaus gefallen lassen. Warum hat man die Spielwelt nicht abwechslungsreicher gestaltet? Auch eine winterliche Welt hat mehr Potenzial, als hier am Ende umgesetzt werden konnte. Warum sind die normalen Kämpfe so leicht, dass man an ihnen sogar schnell die Lust verliert? Warum musste man die Fights durch lästige Zeitleisten entwerten? Sieht man von den offensichtlichen Mängeln ab, dann erhält man mit diesem frostigen Abenteuer einen Titel, der mit einer gelungenen und wendungsreichen Story besticht, liebenswürdige Charaktere bietet und obendrein noch einen herausragenden Soundtrack. Auch die traurige Atmosphäre, die den Spieler auf seiner Reise stets begleitet, hat etwas für sich. Wer sich ein Rollenspiel nach dem Vorbild alter 16-Bit-Klassiker wünscht und mit den Fehlern leben kann, der kann hier getrost zugreifen. Über durchschnittlich 25 Stunden Spielzeit erstreckt sich ein Spielerlebnis, das mit Charme und Stimmung überzeugt, ohne dabei jedoch zu den absoluten Highlights zu zählen. Wäre es nun ein wenig später im Jahr, dann würde ich euch zum Abschluss und angesichts des visuellen Winters natürlich frohe Weihnachten wünschen - da der Herbst aber gerade erst begonnen hat, belasse ich es bei einer vorsichtigen Kaufempfehlung für die Zielgruppe.

Stapft noch immer durch den Schnee: Alexander Schneider [Gardevoir ex] für PlanetSwitch.de

Leserwertung:

Noch keine
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-
Schneeweißes RPG mit epischer Story und brillantem Soundtrack, dafür aber auch mit deutlichen Schwächen - dennoch eine lohnenswerte Reise.

Wertung

STORY:

8.0

SPIELWELT:

6.0

SOUND:

10
75
von 100

Ansehnliche Grafikeffekte...

Teils fordernde Bosskämpfe...

Unterhaltsame Story mit schnellem Einstieg

Liebenswürdige Protagonisten

Herausragende Klangkulisse

Nette Spezialfähigkeiten und Kombos

Niedliche Monster

...in einem ansonsten tristen Grafikstil

...dafür aber sonst viel zu leichter Härtegrad

Gleichförmige Spielwelt ohne wirkliche Abwechslung

Kampfsystem wird durch Zeitleisten zur Geduldsprobe

Unübersichtliche Ansammlung von Items

Speichern nur an bestimmten Orten möglich

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Spielname:
I Am Setsuna

Typ:
eShop Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Square Enix

Developer:
Tokyo RPG Factory

Genre:
Rollenspiel

Release:
03.03.2017 (erschienen)

Multiplayer:
vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre

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