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Kolumne: Hin- und hergerissen - Zwischen moderner Technologie und dem Nintendo-Feeling

Sebastian Mauch, am 07.07.2021, Seite 1 von 1

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Liebe Leserinnen und Leser, es ist mal wieder mal an der Zeit. Seit meiner letzten Rant-Kolumne (zum Artikel) sind nun mittlerweile knapp zwei Jahre ins Land gezogen. Keine Angst, ich zähle jetzt hier nicht noch mal auf was mir nach wie vor an der Plattform Nintendo Switch missfällt, stattdessen will ich mich passend zu den aktuellen Ereignissen auf andere Aspekte konzentrieren. Meine illusionistischen Vorstellungen oder Hoffnungen über ein Achievement-System oder zumindest primitive Onboard-Kommunikation sind – zumindest für diese Generation – längst verflogen. Mit einer nun viel nüchterneren Sichtweise schaute ich mir also aus dem Off genüsslich die Gerüchteküche rund um neue Switch-Revisionen an, fiel hier und da sogar mal selbst drauf herein, etwa als Bloomberg sich jüngst in die Thematik einklinkte. Doch zumindest einiges scheint ja wahr gewesen zu sein.

Wer fleißig unsere News liest, weiß: Nintendo hat abseits vom E3-Rummel, warum auch immer, klammheimlich ein neues Modell angekündigt. Dass diese nicht mal ein eigenes Suffix spendiert bekommt ist bezeichnend für die Irrelevanz dieser Revision. Nun wird das neue Gerät wie auch schon die im Sommer 2019 erschienene, leicht in Puncto Akkulaufzeit verbesserte Variante lediglich mit einem kleinen Detail in Klammern spezifiziert. Das „Flagship-Feature“ dieses Mal: Ein OLED-Screen. Als Besitzer eines OLED-Fernsehers kann ich diesen Schritt nur gutheißen. Wenngleich die Auflösung und Bilddetails in Switch-Software meist eher mager ausfallen, dürfte dieses neue Display dafür gewaltig was in Sachen Schwarzwerten, also Kontrast, und Farbtreue rausholen. OLED-Panels sind einfach ein Augenschmaus, und obendrein auch noch reaktionsschnell und bei dunklen Bildschirminhalten sehr energiesparend. Sicher wird sich letzteres nur marginal auf die Akkulaufzeit auswirken, die noch immer mit 4,5 bis 9 Stunden angegeben wird. Ein Samsung-Smartphone, welches schon seit etlichen Jahren auf OLED-basiert, hält schließlich auch nicht nur aufgrund des Display-Typs auf magische Art und Weise 10 Tage durch. Der Effekt ist jedoch da, und es werden Sachen wie Always-On-Anzeigen der Uhrzeit und solcherlei Dinge ermöglicht, ohne dabei großartig am Akku zu zehren.

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Dieses Bild zeigt gut, wie DLSS verwaschene Switch-Bilder knackscharf darstellen könnte.

Sorgen mache ich mir lediglich bei der Leuchtkraft und Langlebigkeit. Besagter Fernseher in meinem Wohnzimmer nahm seinen Betrieb nämlich so ziemlich genau vor 5 Jahren auf und leuchtet bei weitem nicht mehr stark genug, als dass ich die Vorhänge auflassen könnte. Auch erste Einbrenn-Artefakte lassen sich selten in bestimmten Farbszenarien ausmachen. Gerade auf einer mobilen Spielkonsole mit vielen statischen HUD-Elementen erwarte ich auch nach etwa 5 oder 6 Jahren gewisse Verschleiß-Effekte. Aber hey, bis dahin steht auch schon wieder die nächste Generation aus dem Hause Nintendo vor der Türe, und die Pluspunkte eines OLEDs rechtfertigen den zeitigen Verschleiß dicke. Wohlgemerkt sind die Displays nun auch ausgereifter und langlebiger als noch in 2016.

Nun sitze ich hier und frage mich: Für wen soll diese Konsole nun bitte sein? Für TV-Zocker ist nämlich lediglich ein nun ins Dock integrierter LAN-Anschluss relevant. Das kann man locker auch für 10 Euro mit einem USB-Adapter nachrüsten und muss keine 350 (?) Euro ausgeben. Handheld-Zocker bekommen ein neues Display, besseres Audio, einen cleverer an der Oberseite platzierten Helligkeitssensor und den schon im Vormodell verwendeten effizienteren Mariko-Chip von Nvidia. Der neue Standfuß ist zudem ein nettes Extra, wenn auch kein Totschlag-Argument. Für Erstkäufer eigentlich ein No-Brainer, dann greift man natürlich direkt zum OLED-Modell. Aber wer derzeit eine normale andockbare Konsole besitzt, braucht wohl kaum auf das OLED-Modell zu schielen – die Switch Lite spricht ohnehin eine ganz andere Zielgruppe an. Ach ja, 64 Gigabyte interner Speicher sind nun auch mit dabei, wow. Mal zum Vergleich: Eine 64GB-microSD wird einem teilweise selbst als Endkunde für einen einstelligen Euro-Betrag oder sogar als Gratis-Dreingabe zugeschmissen. Kaum auszumalen, wie günstig 128 oder 256GB-eMMC-Chips für Hersteller sein müssen. 64 GB interner Speicher waren in Smartphones und Tablets schon vor 10 Jahren für viele zu wenig. Nun installiert man auf der Switch aber nicht unbedingt Tinder und Google Maps, sondern vollwertige Spiele die schon mal ihre paar Gigabytes beanspruchen. Ein Kaufargument sind läppische 64 GB also wohl kaum. Aber gut, hier ist Sonys PS5 mit circa 667 GB nutzbarem Speicher und derzeit ohne (!) Erweiterungsmöglichkeit locker genauso schlecht aufgestellt. Die dort wesentlich komplexeren Grafiken und Details sorgen nämlich nicht selten für 50-100 GB pro Spiele, wenn nicht sogar mehr. Meine persönliche PS5 ist so nämlich bei nicht mal 10 installierten Spielen am Überlaufen. Mit jedem Release darf ich mich also entscheiden, welches meiner heißgeliebten Spiele ich nun ins Archiv verbanne. Bei der Switch dank microSD-Slot zum Glück kein allzu großes Manko. Mindestens genauso traurig ist es im Jahre 2021, wo der Trend eher zu Highspeed-Wireless geht, mit einem LAN-Port als neues Feature zu werben. Eine Funktion, die bei netzwerkfähigen, stationären Geräten schon länger Standard ist, als ich auf dieser Welt lebe.

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Die Switch mit OLED-Display wird bei ersten Händlern für 400 Euro gelistet. Dafür bekommt man bei entsprechender Verfügbarkeit eine PlayStation 5 Digital Edition

Wo ich gerade so im Fluss bin: Warum ist es für Nintendo, eine der reichsten japanischen Firmen, so schwer mit der Zeit zu gehen? Mal im Ernst, kein Mensch (oder zumindest sehr wenige) erwartet, dass eine portable Spielmaschine genauso leistungsstark ist wie eine aktuelle Heimkonsole von Sony oder Microsoft. Dennoch hinkt der damals noch voller Respekt „Big N“ genannte Konzern nun leistungstechnisch so weit hinterher, dass aktuell quasi nur noch grafisch weniger anspruchsvolle Indies und Switch-exklusive Eigenentwicklungen erscheinen. Große Portierungen wie Doom Eternal werden wohl langsam aber sicher zu den letzten dieser Gattung gehören. Dabei wäre doch Abhilfe da! Wie ein lieber Freund und Kollege mir immer wieder so gern klar macht: Die Mobile-Hardware eines iPad Pro besitzt ein Vielfaches der Leistung der Switch und bringt unterwegs eine Grafikpracht zustande, die fast schon an PS4 oder PC-Qualität herankommt, und das bei Auflösungen jenseits der 1080p und bei nicht selten 60 Bildern pro Sekunde. Das beste Beispiel ist da etwa das kürzlich auf Apple-Geräte portierte Divinity Original Sin 2, das die maximalen Einstellungsmöglichkeiten der PC-Fassung benutzt und mit stabilen 60 FPS ohne grafische Einbußen läuft – auf mobiler Hardware!

Klar reden wir hier von topaktuellen Highend-Chips von Apple in Geräten, die locker nahe der 1000 Euro-Region rangieren, aber das Potenzial ist da! Auch Nintendos Partner Nvidia hat mittlerweile weitaus modernere Chips in Petto, die dabei ähnlich energiehungrig wie der aktuell gnadenlos veraltete 16 Nanometer Chip der Tegra-Einheit der Switch sind und dabei aber noch mehr Leistung bieten. Und wisst ihr was noch von Nvidia kommt? DLSS! Für die weniger fachkundigen Leser: DLSS ist die Kurzform von Deep Learning Supersampling und sorgt im Grunde dafür, dass clevere Algorithmen dafür sorgen, Bilddetails in niedrig aufgelösten Bildern zu erraten und so ein Endergebnis zu reproduzieren, das mittlerweile verdammt nah an ein Bild in nativer 4K-Auflösung herankommt. Vor allem die neueste Version DLSS 2.1 hat wieder eindrucksvoll bewiesen, wie aus einem 720p-Bild ein 2160p-Bild werden kann, wo man die feinen Einbußen schon mit der Lupe suchen muss. 720p, also das „kleine“ HD, ist zufälligerweise auch das Standardszenario in Switch-Spielen. Doch aus irgendwelchen Gründen dachte sich Nintendo: Hey, wir machen das Ding jetzt nochmal 50 Euro teurer, präsentieren drei bis vier mittlerweile unspektakuläre Features in einem fancy Video, und ab geht das Ding! Und hoffnungslose Fälle wie ich werden sich den Spaß auch noch an Tag 1 zulegen. Gut, ich bin seit meiner Kindheit Nintendo-Fan und mache ohnehin jede Höhe und Tiefe des Unternehmens mit, aber auch meine Review-Switch von damals kommt so langsam in ihre alten Tage.

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Die erste Xbox kam im Jahre 2001 in Nordamerika auf den Markt, mitsamt LAN-Buchse.

Versteht mich nicht falsch: Nintendo macht auch viel richtig und bringt zugängliche Hard- und Software in Millionen Haushalte und zaubert nochmal mehr Lächeln in Gesichter. Doch der Fakt, dass 1080p-Fernseher seit Jahren am Aussterben sind, ist omnipräsent. Ein simpler Upscaler oder gar DLSS und ein geringfügig schnellerer Chip, und das Ding wäre selbst für 400 Euro zum Preis einer PlayStation 5 Digital Edition schneller ausverkauft als man „Reggie“ sagen kann. Doch die „Switch Pro“ bleibt aus. Als wäre die Kaufentscheidung für die OLED-Switch nicht schon schwer genug, legen die Gerüchte direkt nach Vorstellung des Geräts auch wieder mit Vollgas los und sprechen von einer für 2022 geplanten Pro-Variante - man möchte brechen. Die Angst, dann ein Jahr später schon wieder das alte Modell zu haben, dürfte für viele Kaufinteressierte nicht ganz unwesentlich sein. Dabei macht das Ganze aus wirtschaftlicher Sicht sogar noch Sinn. Moderne Bauteile sind leichter zu beschaffen, die Marke bleibt relevant, und die Lücke zur nächsten Generation wird wieder etwas kleiner. Auch Programmierer von Spielen haben so weitaus weniger Aufwand, da bestehende und neue Software nicht auf noch eine weitere Hardware-Konfiguration ausgelegt werden muss. Aus unternehmerischer Sicht ist Nintendo quasi das teuflische Genie mit Teddybärenmaske. Mit fortschreitendem Alter merke ich jedoch, wie mir Marken wie PlayStation und Xbox immer positiver auffallen, und wie ich mich Jahr für Jahr mehr über Nintendos Hardware- und Preispolitik aufrege. Und doch will ich meine Wii U und Switch (oLeD-vErSiOn) nicht missen. Warum, weiß ich selbst nicht und hoffe trotzdem das Nintendo es irgendwann schafft, mich wieder voll ins Boot zu holen. Aktuell jedoch wirkt eine Switch 2 mit 4K-Supersampling, Achievements, Kommunikationsmöglichkeiten und funktionierenden Analog-Sticks leider wie Science Fiction ¯\_(ツ)_/¯

Will doch nur spielen: Sebastian Mauch [Paneka] für PlanetSwitch.de

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1 Kommentar

profil 6 comments
[09.07.2021 - 23:09 Uhr]
pasc:
__Switch (Pr)OLED__

"man möchte brechen
In der Tat *lach*.
Das war die seltsamste Gerüchtezeit die ich je gesehn hab.
Bloomberg is bei mir ab jetzt unten durch-

Ich vermiss die guten alten Zeiten.
Auf GBA und DS gabs Software, das war cool und gut wars.
Switch? Puh.... Verrückt.
Warum erwarten alle soviel von dem kleinen niedlichen Ding ?

Ne 'Pro' wär halt nicht smart gewesen...
Userbase und so.

Mehr RAM (https://m.youtube.com/watch?v=XYJOJj40ONQ) dagegen, wär echt mal nett.

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