PlanetSwitch Planet3DS PlanetVita PSP.de PlanetiPhone Classics Forum

PGN-ID:[?] (Nicht eingeloggt)
Login
Registrieren
PlanetDS PlanetGameboy N-Page.de

1

Kolumne: Der Zyklus der Virtual Console

Tjark Michael Wewetzer, am 12.12.2021, Seite 1 von 1

Artikel mögen: Weitersagen:


Am 26. Oktober dieses Jahres erfüllte Nintendo einen Wunsch der Switch-Besitzer – allerdings mit stattlichen Zusatzkosten. Nachdem bereits NES- und SNES-Spiele im Rahmen eines Nintendo Switch Online-Abos verfügbar gemacht wurden, gesellten sich an besagtem Tag auch Mega Drive- und vor allem Nintendo 64-Titel zum Lineup hinzu. Gut, nach den Sega-Spielen werden vermutlich nur wenige gefragt haben, gerade weil es Sammlungen diverser Mega Drive-Klassiker wie Sand am Meer gibt, doch N64-Spiele sind unter Nostalgikern immer gern gesehen. Als dann jedoch die 20 Euro Aufpreis für ein erweitertes NSO-Jahresabo bekannt wurden, mussten wahrscheinlich nicht wenige Fans erst einmal schlucken. Klar kann man das durch ein Familien-Abo mit unter den Mitgliedern aufteilbaren 35 Euro Zusatzkosten noch federn, doch das ändert nichts an den stattlichen Spesen für das Erweiterungspaket. Und ganz ehrlich: Bei aller Nostalgie hätte ich mir das Upgrade nicht gegönnt, wenn ich es eben nicht im Rahmen eines solchen Familienplans günstiger kriegen könnte.

Der nächste Sammlungsreboot
Was Nintendo nämlich für die höheren Kosten unter Beweis stellen muss, ist die Langzeitwertigkeit der neuen Dienste. Bisher sieht das Programm des NSO-Erweiterungspakets leider extrem überschaubar aus: Die besagten neuen Klassiker-Bibliotheken gibt es und dazu noch die Happy Home Paradise-Erweiterung für Animal Crossing: New Horizons. Speziell bei den Mega Drive- und N64-Spielen mache ich mir aber leider dank vergangener Muster so überhaupt keine Hoffnungen. Klar ist momentan alles neu und spannend, für die N64-Sparte im Speziellen sind sogar bereits sieben weitere Neuzugänge versprochen worden – mit dabei die Originalversion von Banjo-Kazooie, die immerhin mittlerweile Microsoft gehört. Aufgrund der jüngsten Index-Listenstreichung auf Antrag wird zudem gemunkelt, dass Rares wegweisender Konsolenshooter Goldeneye vermutlich ebenfalls mit aufgenommen werden könnte. Ich sehe hier jedoch nur wieder ein sich wiederholendes Muster, das wir nicht nur auf der Switch selbst bereits zweimal durchgemacht haben, sondern sich auch durch die Angebote auf Wii U, 3DS und Wii zog.


Obowhl es anfangs noch regelmäßig Softwarenachschub gab und noch zahlreiche Klassiker im Aufgebot fehlen, sind die Neuzugänge an NES-Spielen für Nintendo Switch Online mittlerweile praktisch eingeschlafen. Selbst für die SNES-Bibliothek buddelt Nintendo mittlerweile gefühlt extrem tief und präsentiert Spiele, die man höchstens in irgendwelchen Flohmarkt-Fundgruben vorfindet und aufgrund nichtssagender Titel oder befremdlicher Cover liegen lässt. Es wäre mehr als naiv zu glauben, dass das beim Mega Drive und N64 anders wird. Das erste Update bestätigte meine Befürchtungen, wurde doch kürzlich erst Paper Mario - und NUR Paper Mario - für Abonnenten verfügbar gemacht. Und Banjo-Kazooie ist nach aktuellem Stand der einzige Release im Januar. Daher sehe ich es eher kommen, dass gerade die N64-Auswahl noch schneller stagniert, als es bei den anderen Plattformen der Fall war. Schließlich ist dies auch so auf Wii und Wii U geschehen, was mitunter auch der alles andere als trivialen Emulation der Konsole zu verschulden ist. Und dafür könnte es keinen besseren Beweis geben als den momentanen technischen Stand der über das Erweiterungspaket verfügbaren N64-Spiele. Fehlende Grafikeffekte, zurückgefahrener Nebel und andere Emulationspatzer finden sich zuhauf, speziell der Miniboss-Raum des Wassertempels aus Zelda: Ocarina of Time dient dabei als Musterbeispiel. Andere Konsoleneigenheiten wie der ungewöhnliche Controller oder Zubehör wie das Controller Pak (also eine separate Memory Card des N64) sorgen ebenfalls für Stolpersteine, für die Nintendo nach aktuellem Stand keine Lösungen parat hat. Will Nintendo also den Upgrade-Preis rechtfertigen, muss auf lange Sicht nicht nur ein stetiger Softwarenachschub erfolgen, es sollten auch so bald wie möglich die technischen Unzulänglichkeiten behoben werden.

Früher war alles besser!
Jetzt könnte man gerade im Angesicht der aktuellen Lage natürlich wieder auf die gute alte Zeit verweisen. Wie toll doch die Virtual Console war und dass man das Konzept ja besser auf die Switch zurückbringen sollte. Doch das Festhalten an dem alten Markennamen ist schlichtweg keine Lösung. Ob ihr es wollt oder nicht: Die NSO-Apps sind die Virtual Console der Switch. Sie bieten über die Titel hinweg standardisierte Funktionen wie Savestates, Zurückspulen und diverse Bildmodi. Einzelreleases hätten vermutlich nichts an der Umsetzung geändert. Und vielmehr wären Leute, die bereits auf Wii, Wii U und 3DS zugeschlagen haben, vermutlich eh wieder zur Kasse gebeten worden, wenn sie denn ihr viertes digitales Exemplar von Super Mario Bros. mitnehmen wollten. Natürlich hat das Konzept damals auf der Wii überhaupt erst im großen Stil gezeigt, dass heutzutage noch Interesse an Einzelveröffentlichungen der ollen Kamellen der Softwareindustrie besteht – aber umgekehrt eben auch, dass dies nicht bei allen Spielen der Fall ist. Es hat seine Gründe, dass nie das vollständige Wii-Aufgebot nativ auf die Wii U übergesiedelt worden ist. Oder dass die 3DS-Auswahl trotz Game Boy, NES und Game Gear als Grundplattformen sowie SNES im Zeitalter des New 3DS weit hinter dem zurückblieb, was daraus hätte werden können. Und dass ausgerechnet die Wii U sich in dem Bereich mit unerwarteten Systemen wie dem GBA oder gar dem DS (!) profiliert, ändert leider nichts daran, dass selbst diese Konsolenbilbiotheken viele liebgewonnene Klassiker vermissen lassen und nun auf einem Gerät festsitzen, das als einer von Nintendos größeren Misserfolgen der letzten Jahre gilt.


Zudem zweifle ich nach derzeitigem Stand stark daran, dass die Switch-Auswahl ähnlich breit gefächert fortgeführt wird, wie es auf der Wii U der Fall war. Eine Game Boy- oder gar Game Boy Advance-Bibliothek wäre vielleicht noch vorstellbar, DS aufgrund des fragwürdig umsetzbaren TV-Gameplays hingegen eher weniger – auch wenn man natürlich letzteres System auf den Handheld-Modus der Switch beschränken könnte. An den vielgewünschten GameCube-Support glaube ich erst recht nicht, auch weil hier das Speichervolumen pro Titel dank der Mini-DVD-Technologie bedeutend zunehmen würde und eine dazugehörige App schnell die MicroSD-Karte zumüllen könnte. Ich lasse mich aber natürlich liebend gern eines Besseren belehren.

Der Markt ist größer als man glaubt
Bei all der Negativität muss ich jedoch auch sagen, dass die aktuelle Lage gar nicht so katastrophal ist, wie das jetzt anklingen lässt. Und ausgerechnet Sega zeigt, wieso dem so ist. Effektiv sind in der aktuellen Auswahl an Mega Drive-Titeln im Rahmen des NSO-Erweiterungspakets exakt drei Spiele exklusiv über die App verfügbar: Ecco the Dolphin, M.U.S.H.A. und Strider. Zwei andere (Contra: Hard Corps und Castlevania: Bloodlines) sind in separaten Spielesammlungen vertreten, der Rest in Segas eigener Mega Drive Classics-Collection enthalten. Kurzum: Es gibt bereits Alternativen zum alten Virtual Console-Label, die von den jeweiligen Publishern selbst geführt werden. Woche für Woche versorgte uns der Vertrieb Hamster zunächst mit Neo Geo-Klassikern und nun mit massig Spielhallen-Titeln im Rahmen der Arcade Archives-Releases. Mit dem vergleichsweise kleinen Sega Ages-Lineup brachten Sega und Entwickler M2 diverse Oldies in überarbeiteter Form auf die Switch. Square Enix lieferte die ersten drei Teile der Mana- und Final Fantasy Legend- bzw. SaGa-Reihe in jeweils einem Paket auf die Konsole. Nightdive Studios lässt sogar den kultigen Dinojäger Turok mit seinen ersten zwei Teilen wieder aufleben! Ganz zu schweigen von dem jüngsten Schwall an Star Wars-Rereleases wie Jedi Knight II, Knights of the Old Republic und Republic Commando. Natürlich kann die tatsächliche Umsetzung dieser Portierungen und Emulationen gemischt ausfallen, doch daran hätte auch das narrenhafte Festhalten am Namen „Virtual Console“ nichts geändert. So sehr Nintendo damals Pionierarbeit für den digitalen Einzelverkauf älterer Spiele leistete, ist das Label heutzutage schlichtweg nicht mehr nötig und selbst der aktuelle Abodienst ist beileibe nicht die einzige Möglchkeit, solche Klassiker unter die Leute zu bringen.


Die Zukunft ist also bei weitem nicht so düster, wie es der missglückte Launch des Nintendo Switch Online-Erweiterungspakets mutmaßen lässt. Leider sitzen wir somit nun trotzdem noch auf einem 20-Euro- bzw. 35-Euro-Jahrespaket, das im momentanen Zustand meines Erwachtens nach noch nicht seinen Wert unter Beweis gestellt hat. Der Animal Crossing-DLC als Ergänzungsangebot ist ein guter Anfang, doch entweder muss Nintendo in dieser Hinsicht zukünftig mehr liefern oder tatsächlich bei der Erweiterung der N64- und Mega Drive-Auswahl stetig am Ball bleiben. Denn wenn das Upgrade genauso schnell stagniert, wie bei den bisherigen Oldie-Programmen der Fall war, sehe ich im kommenden Jahr einen bedeutenden Einsturz bei den Abonnentenzahlen.

Will eigentlich einfach nur das alte Diddy Kong Racing zurück: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

ANZEIGE:
Kommentare verstecken

1 Kommentar

profil 24 comments
[13.12.2021 - 00:16 Uhr]
pasc:
Mich hat der Spaß 15€ gekostet..

Ist ganz nett.
Aber die N64Zeit war halt nicht meine.
Da eher der GBA.
Um Kommentare zu schreiben, bitte oben einloggen oder jetzt Registrieren!