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Kolumne: Splatoon war ein Fehler

Tjark Michael Wewetzer, am 27.11.2022, Seite 1 von 1

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Als Splatoon im Jahre 2015 für die Wii U erschien, waren sich die meisten Leute einig: Die Multiplayer-Kleckserei ist ungemein unterhaltsam und selbst die Einzelspieler-Kampagne ein heimliches Highlight, aber irgendwie ist recht wenig an dem Titel dran. Die Entscheidung, die Multiplayer-Karten nur nach festen Rhythmen in Zweierpaketen spielbar zu machen, wirkte wie der Versuch, den Mangel an Inhalten zu kaschieren. Doch es waren Updates geplant! Neue Karten, neue Waffen, neue Ränge! Alles, um die Farbschlacht am Leben zu erhalten! Das Splatoon von 2016 hatte bereits wenig mit dem des Vorjahres gemein, es wurde fleißig gespielt und mit Splatfesten zelebriert. Und daraus zog Nintendo die einzig korrekte Schlussfolgerung: Sie können ein unfertiges Multiplayer-Spiel verfrüht auf den Markt werfen, später fertigstellen und dafür den ganzen Prozess entlang gefeiert werden.

Vorfreude ist die schönste Freude?
Ich bin gewiss nicht allein mit der Beobachtung, dass sich bei gewissen Nintendo-Titeln der letzten Jahre ein Muster abzeichnet. Ich spreche dabei nicht einmal von der jüngsten Katastrophe mit Pokémon Karmesin und Purpur. Es geht um die Spiele, für die bereits früh oder um den Release herum kostenfreie Inhaltsupdates versprochen werden. Die betreffenden Titel haben in der Regel eine Gemeinsamkeit: Sie sind auf den Mehrspielermodus ausgelegt. Alle drei Splatoon-Teile, Animal Crossing: New Horizons, Mario Golf: Super Rush, Mario Strikers: Battle League Football, Nintendo Switch Sports … Sie erschienen mit dem Versprechen, dass mehr Content zu einem späteren Zeitpunkt folgen würde. Natürlich völlig kostenlos, also freut euch drauf! In der Zwischenzeit könnt ihr schließlich bereits ein wenig zocken und euch mit den Spielen vertraut machen! Dass diese Strategie jedoch gerade in den letzten Jahren vermehrt für anfänglich enttäuschte Gesichter sorgt und auch falsche Erwartungen schürt, scheint dabei nicht bedacht worden zu sein.


Speziell die Sportspiele im Sortiment litten stark unter dieser Strategie. Mario Strikers: Battle League Football startete mit gerade einmal zehn spielbaren Charakteren – und das bei einem Fußballspiel, in dem bis zu acht Figuren aus dem Kader zugleich auf dem Feld stehen können. Ein halbes Jahr nach Release und zwei der drei für 2022 angedachten Update später sind gerade einmal vier weitere Charaktere sowie je zwei Stadienskins und Ausrüstungssets ergänzt worden. Das ist für einen Titel, der ohnehin schon weder in Sachen Modivielfalt noch anderweitig viel zu bieten hat, leider viel zu wenig. Mario Golf: Super Rush kam ähnlich schlimm weg, hatte jedoch zumindest die umfangreichere Basisausstattung. Trotzdem war auch hier nach schlappen zwei Inhaltserweiterungen Schicht im Schacht, der Wunsch nach mehr blieb. In beiden Fällen sorgte mitunter der Mangel an Content dafür, dass die Spiele Wertungen im Bereich gut bis mittelmäßig einfuhren. Ich für meinen Teil habe sie nach Warnung meiner Redaktionskollegen, die besagte Games testeten (zu Mario Golf, zu Mario Strikers), schweren Herzens von meiner Einkaufsliste gestrichen. Und das obwohl ich mich speziell auf Mario Golf tierisch freute. Stichwort Golf: Nintendo Switch Sports erhält erst jetzt am morgigen Montag, etwas über ein halbes Jahr nach Release, seinen anfangs versprochenen Golf-Modus. Ob das jetzt dermaßen spät noch jemanden hinter dem Ofen hervorlockt, finde ich fraglich. Aber es ist ja bald Weihnachten, von daher …

Je höher die Erwartungen, desto größer die Fallhöhe
Wie man sich mit Update-Erwartungen ins Knie schießen kann, zeigt jedoch Animal Crossing: New Horizons am deutlichsten. Das wurde ein Jahr lang fleißig von Nintendo betreut. Die Inhaltserweiterungen trudelten im Prinzip zusammen mit den jeweiligen Feiertagen ein, die im Spiel zelebriert wurden. Dadurch entstand ein recht steter Fluss an neuen Elementen, auf die sich die Spielerschaft freuen konnte. Und dann, ein Jahr nach Release … Da war plötzlich Schluss. Gewisse Bereiche der Fangemeinde wurden, um es mal freundlich auszudrücken, „unruhig“ und fragten sich, ob das jetzt schon alles gewesen sei. Es würden noch einige Sachen vermisst, die in New Leaf auf dem 3DS geboten wurden. Erst im September 2021 reagierte Nintendo mit einem Teaser für ein weiteres Update – und dieses sollte, wie sich später in einer Präsentation herausstellte, auch das letzte dieser Art sein. Immerhin brachte es tatsächlich noch einmal eine ordentliche Schippe an Neuerungen mit: Das lang vermisste Café samt altbekanntem Inhaber, die klangproduzierenden Gyroiden, eine Art Einkaufsmeile auf Harveys Insel sowie eine dicke Bezahl-Erweiterung, welche das Happy Home Designer-Gameplay in New Horizons einbaut. Damit dürften die meisten vermutlich zufriedengestellt worden sein, doch ein paar enttäuschte Gesichter gab es dennoch, weil immer noch bestimmte Dinge und Charaktere aus vorherigen Spielen fehlen würden.


Der Fall Animal Crossing hat mich mangels schnellem Interesseverlust nicht so mitgenommen, ich fühlte mich jedoch bei einem Titel veralbert, der nicht von Nintendo stammt: Puyo Puyo Tetris 2. Sega veröffentlichte die kunterbunte Puzzelei nämlich mit einem vergleichbaren Versprechen wie dem von Big N. Klar wirkt alles erst einmal vertraut, doch keine Panik! Für die Zeit nach dem Launch sind weitere Inhaltserweiterungen geplant! Und die hatte das Spiel meiner Ansicht nach bitter nötig, denn wie ich im Test (Link) anmerkte, ist es inhaltlich abzüglich des Story-Modus’ praktisch deckungsgleich mit dem Vorgänger. Lediglich ein neuer Gimmick-Modus mit meiner Meinung nach eher weniger für unterhaltsame Multiplayerrunden geeigneten Mechaniken fand sich hier. Was kam? Drei Updates. Es wurde ein Online-Raidmodus hinzugefügt, dieser später verfeinert und außerdem Online-Kompatiblität für diverse andere Modi ergänzt. Hinzu kommen eine Hand voll zusätzlicher Charaktere und Musikstücke. Das ist schwach.

Gefühlt die einzige Marke, bei der die Strategie aufgegangen ist und dies immer noch tut, ist Splatoon. Denn auch Teil 2 wurde im Prinzip nur etwas über ein Jahr erweitert, dies zwischenzeitlich auch mit einer Extra-Kampagne. Anders als beim Wii U-Vorgänger war hier jedoch das Grundspiel bereits recht gut ausstaffiert, weswegen ich mich trotz altbekannter Limitationen bei der Kartenrotation nicht mehr ganz so über den Tisch gezogen fühlte. Splatoon 3 scheint einen ähnlichen Weg zu gehen, wobei hier die Updates mit jeder Jahreszeit – also einer wortwörlichen „Season“ – zu folgen scheinen. Trotzdem war im Test (Link) mein größter Kritikpunkt, dass sich Splatoon 3 in Sachen Multiplayer-Modi praktisch gar nicht vom Vorgänger abhebte, der eben auf der selben Plattform zu haben war. Das Kartenspiel Revierdecks, die einzige Neuerung im Portfolio, ist zum Verfassungszeitpunkt dieses Textes nicht onlinefähig. Das erste große Update deutet auch nur Routine-Ergänzungen an. Dass ich Teil 3 nicht für komplett überflüssig halte, verdankt es vielmehr seiner spaßigen Einzelspieler-Kampagne und diversen Detailverbesserungen. Doch wenn die wirklich bedeutsamen Alleinstellungsmerkmale erst nachgepatcht werden sollen, dann ist doch etwas verkehrt.


Man muss nicht auf jeden Trend aufspringen
Der traurige Teil hierbei ist, dass Nintendos Vorgehen hier eigentlich nur eine firmenspezifische Abwandlung eines größeren Trends in der Spielebranche ist. Live Service heißt das Zauberwort, mit dem sich Publisher und Entwickler Geld in die Kassen zu spülen gedenken. Inhalte werden in Seasons nachgereicht, es gibt in unterschiedlichen Rhythmen Belohnungspässe mit kostenlosen und kostenpflichtigen Freischaltobjekten und für all den Kram sollte man natürlich auch möglichst mit aktiver Internetverbindung spielen – wenn überhaupt eine Wahl gegeben wird. Und wenn die Titel auf Smartphones oder so ihren Ursprung haben, dann ist eine Gacha-Mechanik (also das zufällige Auswürfeln von sammelbaren Charakteren, Gegenständen oder ähnlichem, in der Regel gegen eine mit Echtgeld erwerbbare Ingame-Währung) nicht fern. Das ist eine Seuche, die ihre eigene Kolumne verdient hätte und auch bereits vielerorts durchdiskutiert wurde. Doch Nintendos spezielle Variante dieser Methode wirkt wie nichts Halbes und nichts Ganzes. Es werden Erwartungen an einen Content-Rhythmus im Stile besagter Services mit Bezahlelementen geweckt, doch stattdessen wirkt das Produkt dann eher wie ein unfertiges Spiel, das nach einer festen Zeitspanne in einen „fertigen“ Zustand gebracht wird, der hinter den Erwartungen zurücksteht. Und ich habe persönlich wenig Lust, mir ein Spiel im Early Access mit dem fadenscheinigen Versprechen, dass es vielleicht irgendwann mal meine Erwartungen erfüllen könnte, zuzulegen.

WILL DOCH NUR EIN GUTES MARIO GOLF, VERFLIXT NOCHMAL: Tjark Michael Wewetzer [Alanar] für PlanetSwitch.de

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1 Kommentar

profil 66 comments
[01.12.2022 - 13:09 Uhr]
pasc:
Leder ein industrieweites Problem.

Hatte er hier auch schonmal angesprochen: https://m.youtube.com/watch?v=8r4qYt8tNfI

Trauriger Trend.

Pass\Update DLC ., ich kannsnicht mehr hören.
Getoppt nur noch von "Cloud" in maximaler Frechheit...

Animal Crossing ht mich so vergrault das ich den nä. Teil etc. nicht mehr holen werde..
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