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Review: Monster Hunter Rise

Sebastian Mauch, 23.03.2021

2

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Früher war alles besser. Das würden sicher einige Monster Hunter-Vetereranen genau so unterschreiben ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Der schiere Umfang, die Vielfalt der Monster, Umgebungen, Waffen und Rüstungsdesigns, sowie das nostalgische Gefühl eines Monster Hunter Generations Ultimate sind bis heute ungeschlagen. Dennoch machte Capcom mit Monster Hunter World und der großen Iceborne-Erweiterung einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft. Geschmeidigeres und ausgefeiltes Waffenhandling, zusammenhängende Jagdgründe ohne nervige Ladezeiten, sowie tonnenweise Quality of Life-Features wie das Nachjoinen in bereits laufende Quests, oder das Eliminieren der umständlichen Item-Suche durch Hinzufügen eines Ringmenüs. Dennoch hatte World so seine Schwächen, etwa der zunächst noch recht magere Umfang, oder der scheue Umgang mit ausgefallenen Waffen-Designs. Nun steht die nächste Iteration der immer beliebter werdenden Reihe vor der Tür und lasst euch gesagt sein: Der (temporäre) Umzug auf die Nintendo Switch fühlt sich keineswegs wie ein Downgrade an! Warum das so ist, und wie Monster Hunter Rise das Beste aus der alten und neuen Welt vereint, das erfahrt ihr im folgenden Test.

Willkommen in Kamura!
Wie aus anderen Ablegern gewohnt, spielt auch hier die Geschichte nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch ist sie vorhanden, wenn auch schon größtenteils durch Trailer und Livestreams bekannt. Eine sonderbare Krankheit breitet sich im Ökosystem der Monster aus und lässt diese wie besessen in Horden auf die Tore von Kamura einfallen. Der Ursprung des ganzen ist kein geringeres, als das Flagship-Monster Magnamalo. Dieser Bestie letztlich Einhalt zu gebieten bildet die Rahmenhandlung des Spiels. Ihr merkt schon, in Sachen Storytelling beschränkt sich Capcom leider weiterhin auf eine dezente Lore die mehr Fragen als Antworten parat hat.

Dafür konzentrierte man sich umso mehr auf das, was die Serie letztlich ausmacht: Geniale Monster und astreines Gameplay. Der Fakt, dass Capcom es mit jeder Generation schafft, das schon seit Tag 1 geniale Gameplay immer wieder zu verfeinern und frisch aufzubereiten, lässt mich jedes Mal wieder staunen. Nervige Aspekte wie die zu exzessiv genutzte Klammerklaue aus World wurden entfernt und glaubhafter ins das Gameplay eingewoben. Teile die man wiederholt angreift werden nun ohne den Einsatz der Klaue verwundbarer, und das damalige „Mounten“ wurde in eine Art Reitmechanik umgewandelt. Vorab: Jaaaa, man darf die Viecher noch gegen Wände rennen lassen! Führt man nun Spezialangriffe oder Luftattacken aus, zählt der gemachte Schaden als sogenannter „Mount Damage“. Attackiert man das Monster oft genug auf diese Weise, wird die Beute reitbar und der Jäger springt auf den Rücken. Zwar hat es keine richtige neue Waffenart in Rise geschafft, dafür darf man aber nun mit den temporär gezähmten Monster angreifen, was durchaus recht witzig sein kann, sich dennoch aber nicht allzu kraftvoll anfühlt. So endet man oft in derselben Routine: Aufsteigen, so oft es geht gegen Hindernisse ballern und schließlich die Benommenheit für massig Schaden ausnutzen. In der Demo fühlt sich das erzwungene Reiten noch ziemlich hinderlich an, mit der Zeit lernt man jedoch das Mounten effektiv zu seinem Vorteil zu nutzen.

Eine weitere Neuerung ist natürlich das Dorf Kamura. Dieses Mal ist das gesamte Thema sehr asiatisch angehaucht. Das passte schon im leider nie bei uns erschienenen Monster Hunter Portable 3rd exquisit zur Reihe. Dementsprechend versprüht auch Kamura mit seiner traditionellen Bauweise, den asiatischen Gewändern und der Pinselkunst wieder jede Menge Charme. War das Dorf damals noch rein als Schauplatz der Geschichte von Belang, darf man sich nun erstmals auch zusammen mit bis zu drei anderen Jägern frei im Dorf bewegen. Ladezeiten gibt es hier quasi keine, wohl aber kurze Übergänge, die jedoch leicht zu verkraften sind.

Ebenfalls neu sind die sogenannten Palamutes. Palicos, also Begleiter-Katzen, kannte man ja schon aus bisherigen Ablegern. Nun legt man den Hunde- oder Katzenmenschen-Zwist ein und für allemal beiseite, indem man nun auch Jagdhunde hinzufügt. Diese greifen nicht nur an, sondern sind auch reitbar und sorgen für ein schnelles Vorankommen in der Spielwelt. Was sich damals noch sperrig anfühlte und nur durch Schnellreisen abgemildert wurde, fühlt sich nun spaßiger denn je an. Nicht nur ist der Palamute sehr schnell, sondern lädt die Umgebung auch ungemein zum Erkunden ein. Quasi jedes Tierchen in der Wildnis kann aufgelesen und zur Jagd benutzt werden. Seien es spitze Fallenkäfer, explodierende Kröten oder der stärkende Nektar von kleinen Paradiesvögeln. Die neue Seilkäfer-Mechanik setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Nicht selten ist man über luftige Höhen schneller als zu Fuß per Palamute. Das liegt unter anderem an clever versteckten Abkürzungen die den Jäger quer über die Map katapultieren, aber auch daran, dass man sich ansatzweise wie Spider-Man an Fäden durch die Luft ziehen kann. Letztere Seilkäfer werten nicht nur die Fortbewegung enorm auf, sondern auch das Kampfsystem. So kann man die kleinen Helfer etwa dazu nutzen Rückschläge auszugleichen, oder schnell auszuweichen. Aber auch vielseitige und wechselbare Spezialattacken werden durch die Seilkäfer möglich. Es ist schwer das alles zu erklären, man muss es einfach selbst mal probiert haben. Zwar braucht man eine Weile um den Dreh rauszubekommen, doch fühlt man sich mit jeder Mission wieder ein Stück agiler und, naja, eben wie Spider-Man.

Das Beste aus altem und neuem Monster Hunter
So toll Generations Ultimate auf der Switch mit seinem schieren Umfang und den Jagdstilen auch war, es erschien schlichtweg zur falschen Zeit, nämlich im Schatten von Monster Hunter World. Dennoch habe ich versucht beide Ableger zu suchten und kann daher recht gut vermitteln, was die alten Spiele gut machten, und was mit World vermissen ließ, aber auch besser machte. Stellt euch alle Aspekte aus bisherigen Ablegern vor die interessant oder praktisch waren und schmeißt diese in einen Topf. Heraus kommt dann Monster Hunter Rise. Das wohl Nervigste waren damals die einzelnen Zonen innerhalb eines Jagdgebiets. Diese wurde schon in World durch zusammenhängende Welten ersetzt und feiern auch hier wieder ihr Comeback. Obwohl es zeitexklusiv auf der Switch erscheint, haben Capcom es tatsächlich geschafft die Ladezeiten noch geringer zu halten, als noch in World auf meiner PS4 Pro mit eingebauter SSD. Als wäre das nicht schon Leistung genug, wurden auch die Monster nochmal etwas glaubhafter gestaltet. So merkt man diesen nun noch besser an, wenn sie kurz vorm abknicken sind. Lediglich die Auflösung und Komplexität der Umgebung musste gehörig beschnitten werden, was letztlich der Switch-Hardware zuzurechnen ist. Trotz der Abstriche wirkt das Geschehen aber nie wirklich verwaschen, sei es im Couch-Betrieb, oder im Dock auf einem modernen 4K-Fernseher. Wer Generations Ultimate bereits gespielt hat darf in etwa dieselbe grafische Pracht erwarten, nur halt mit wesentlich modernerem Aufbau. Ebenfalls erstaunlich: Egal wie viel auf dem Bildschirm auch los war, bis auf ein Szenario mit Wasser und Schlammeffekten sank die Bildrate nie wirklich unter 30 FPS. Ihr könnt also sicher sein, hier ein vorbildlich optimiertes Stück Software zu bekommen. Auch Abstürze traten nie wirklich auf.

Doch World brachte noch so viel mehr als nur zusammenhängende Gebiete. Erstmals war es möglich laufenden Quests beizutreten, und aus der Quest heraus Hilfe anzufordern. Auch das findet ihr in Rise wieder. So gut das System auch war, hat man es sich nicht nehmen lassen, die Suche nach Jagdgefährten nochmals zu erleichtern. So könnt ihr nun nach jeder Jagd Spieler, deren Leistungen euch gefallen, positiv bewerten. Tut der Mitspieler dasselbe, landet dieser auf der Liste für „Gegenseitige Likes“. So findet man Spielkameraden schneller wieder, kann schauen ob diese online spielen, und so bequem wieder zusammen spielen. Auch lassen sich nun Interessengruppen bilden in den sich Jäger versammeln können, die gewisse Präferenzen wie Jagdziele, Spielzeiten oder sonst was teilen. Auf einen Schlag kann man sich dann aktive Lobbys dieser Gruppierung anzeigen lassen und findet so ziemlich schnell Gleichgesinnte.

Damit ist es noch nicht getan. Auch sämtliche Quality of Life-Features aus dem Multiplattform-Vorgänger wurden in Rise integriert und stellenweise sogar nochmal verfeinert. Ein Beispiel: Ursprünglich musste man zur Einnahme eines Heiltranks noch stehen bleiben, war so sehr verwundbar, wurde dann aber auf einen Schlag geheilt. In World durfte man sich dann schon bewegen, wurde aber während der Trinkanimation über Zeit aufgepeppt. Nun gab es eine Fusion aus beidem: Während ihr beim Rennen Krautsaft trinkt, heilt ihr einen Teil sofort und einen Teil über Zeit. All solche Kleinigkeiten merkt man an jeder Ecke, was sich einfach nur gut anfühlt. Jede einzelne Überarbeitung hier aufzuzählen, würde jedoch den Rahmen sprengen. Freilich ist aber auch wieder das umfassend einstellbare Ringmenü dabei.

(Nicht so) Banale Randale
Bevor ich hier zu viel Alt versus Neu vergleiche, abschließend noch ein paar Worte über die neue Quest-Art „Randale“. Hier greift man erneut das Konzept der Belagerungen auf, wie man sie schon von Lao-Shan Lung, Zorah Magdaros und Konsorten kennt. Nur wartet dieses mal kein gigantischer Dino auf die Jäger, sondern eine ganze Horde ungezähmter Bestien. Diese fallen in Wellen in die Burg ein und werden teils sogar von enorm zähen Apex-Vertretern angeführt. Was ihr hier erwarten dürft, ist quasi Monster Hunter-Tower Defense. Selbst ich war im Vorfeld skeptisch, ob das nicht alles zu wild ist, wurde jedoch eines Besseren belehrt.

Es kann sehr chaotisch werden, ja, doch fühlt sich das Spektakel auch mindestens genauso episch an. In der Vorbereitungsphase stellt ihr an strategisch wichtigen Punkten eine Auswahl an Belagerungswaffen wie Ballisten oder Kanonen auf. Mit diesen wehrt ihr dann zunächst die kleineren Monster ab und scheucht diese zurück. Wird es mal brenzlich, darf per Gong aber auch zu den Waffen gerufen werden. Die dadurch enorm motivierten Jäger teilen so nochmal deutlich mehr Schaden als auf regulären Quests aus. Während der Randale verspürt man nicht selten ein gelungenes Hin und Her aus Übermacht und Überwältigung, eben das was gutes Tower Defense so ausmacht. Eine wahrlich gelungene Neuerung, wenngleich diese auf Dauer auch sehr eintönig werden könnte.

Fazit:
Wer noch keine Berührungen mit der Reihe hatte, sollte nun meiner bescheidenen Meinung nach mit Monster Hunter Rise endlich mal ins kalte Wasser springen. Noch nie war Monster Hunter so zugänglich wie heute. Trotz all der neumodischen Features gelang es Capcom auch liebgewonnene Elemente aus älteren Ablegern wieder dezent mit einzubinden. So lassen sich etwa bei genauerem Hinsehen auch die alten Jagdstile in Form von anpassbaren Movesets wiederfinden. Die technische Seite ist extrem stabil, wenn auch ein leichter Rückschritt vom PC und den weitaus stärkeren Konsolen. Das wohl lobenswerteste Argument ist aber der tadellose Online-Modus. Nie hätte ich es für möglich gehalten, mal auf einer Nintendo-Plattform ein so rundes Online-Erlebnis zu erhalten. Mal die Verbindung verloren? Kein Problem, einfach nachjoinen! Keine Leute für eine bestimmte Quests parat? Egal, einfach ein Notsignal senden oder Gleichgesinnte um Hilfe bitten. Wo man auch hinsieht, sind eigentlich fast nur spaßige Elemente zu finden. Ernsthafte Makel sucht man mit der Lupe.

Träumt noch immer von einem zu 100 Prozent komplettierten Monster Hunter-Spiel: Sebastian Mauch [Paneka] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Noch nie war die Monsterjagd so ausgefeilt wie in Rise. So fühlt sich eine konsequente Evolution an.

Wertung

UMFANG:

9.0

ABWECHSLUNG:

9.0

MULTIPLAYER:

10
93
von 100

Aufregende neue Monster

Komplett neu designte Jagdgründe

Seilkäfer-Mechanik und Palamutes werten das Gameplay enorm auf

Asiatischer Charme wohin das Auge auch sieht

Wohl bester Online-Modus der Serie bisher

Keine Ladezeiten mehr innerhalb der Jagd

Palamutes und Seilkäfer machen die Fortbewegung zum Genuss

Kostenlose Updates werden das Spiel gehörig erweitern

(Noch) Recht wenig Umfang für ein MH-Spiel

Seilkäfer-Mechanik braucht etwas Einarbeitung

Nach wie vor sehr grindy

Wie werten wir?

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2 Kommentare

profil 3 comments
[25.03.2021 - 23:00 Uhr]
pasc:
Schade das mir MH nie lag :(

Die Wirebug Mechanik und die Doggos sind cool.

Das Einzige was evtl. ähnlich is, mit dem ich was anfangen konnte, war 'Phantasy Star Zero' aufm DS...
profil 740 comments
[26.03.2021 - 09:03 Uhr]
Regnat:
Sehr gut klingender Test. Ich freue mich schon sobald ich von Saturn die Nachricht bekomme, dass ich meine Collector's Edition abholen kann.
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Spielname:
Monster Hunter Rise

Typ:
Switch-Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Nintendo

Developer:
Capcom

Genre:
Action

Release:
26.03.2021 (erschienen)

Multiplayer:
1-4 Spieler, online, lokal

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre

eShop Preis:
59,99 €

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