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Review: SnowRunner

Sebastian Mauch, 23.06.2021

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Simulationen sind toll. Nach einem stressigen Arbeitstag gibt es doch nichts Schöneres, als sich direkt in den nächsten virtuellen Job zu stürzen. Die seltsame Faszination von virtueller Arbeit ist dabei nicht zu unterschätzen, so krude es auch klingen mag. Die Community wächst nämlich schon seit Jahren rasant an. Während Platzhirsche wie der Landwirtschaftssimulator eher Wert auf Realismus legen, simuliert SnowRunner das, nun ja, Steckenbleiben im Schnee und Matsch. Was im echten Leben ein extrem leidiger Umstand wäre, macht in Spielform aber unter Umständen einen Heidenspaß. Warum das so ist, und welche Voraussetzungen man mitbringen muss, dass erfahrt ihr im folgenden Test.

Überschwemmtes Michigan
Soviel vorweg: Voraussetzungen braucht man keine. Es hilft aber, bestimmte Dinge über Lastkraftwagen, deren Physik und Funktionsweise zu kennen. Das Wichtigste gibt einem das Spiel aber auch über Tipps während der Fahrt mit auf den Weg. Die Schrift kann dabei teils ganz schön klein ausfallen. Dankenswerterweise bauten die Entwickler aber eine Art Lupenfunktion ein. Einmal auf die zu lesende Stelle getippt, erscheint dort für ein paar Sekunden der Bildschirminhalt in gezoomter Form. Im Dock schaut man als Blindschleiche jedoch in die Röhre, die Schrift lässt sich nämlich leider nicht vernünftig skalieren.

Man startet als Frischling im beschaulichen Black River im Bundesstaat Michigan in den USA mit seinem ersten Wagen und fährt zunächst kleinere Aufträge. Relativ flott wird aber klar, dass das Spiel gnadenlos ist wenn es um das Terrain geht. Alles abseits der befestigten Wege ist nämlich potenziell das Ende der Route. Während kleine Pfützen und flache Flüsse mit Kiesbett noch zu bewältigen sind, stellen die Grünflächen und Waldwege des überschwemmten Gebietes ein viel größeres Problem dar. Oft führt aber kein Weg drum herum, wenn man seine kostbare Fracht für die zahlreichen Missionen von A nach B bringen muss. Grundsätzlich muss man sich immer vorab dreimal überlegen, ob man ein Terrain befahren will oder nicht und seine Route über die detaillierte Weltkarte gewissenhaft mithilfe setzbarer Checkpoints planen.

Fahr doch endlich!
Früher oder später erwischt es einen dann aber doch mal. Man fährt mit einem LKW voll beladen mit Ziegeln zur örtlichen Farm, deren Einfahrt aber dermaßen aufgeweicht ist, dass die Reifen abrupt durchdrehen. Nun steht man da, mit einem Einsteigertruck ohne Spielereien die einem aus der Patsche helfen könnten, also ab zurück in die Werkstatt. Steckt man fest, kann man nämlich entweder versuchen sich mit einem anderen Vehikel aus der Patsche zu helfen oder von einem anderen Spieler helfen zu lassen, oder man lässt sein Wrack kostenfrei bergen. Nächster Anlauf! Diesmal etwas abseits der triefenden Fahrspuren, wo das wenige verbliebene Grün dem Schlamm halbwegs Struktur verschafft. Ein paar Meter weiter steckt der Wagen jedoch schon wieder fest. Zum Glück hat der LKW-Gott die Seilwinde erschaffen. Enterpunkt gesucht, etwa ein Baum oder Lampenpfahl, und schon ziehen wir uns selbst aus der Misere.

So hangelt man sich quasi stets von einer misslichen Lage in die Nächste. Später bekommt man glücklicherweise nicht nur spezialisiertere und leistungsfähigere Fahrzeuge, sondern schaltet mit erhöhtem Ranglevel auch neue Optionen wie Geländereifen mit dickem Profil oder gewisse Getriebefunktionen frei. Ganz besonders ein Allradantrieb ist unerlässlich für erfolgreiche Kurierfahrten in der Wildnis. Drehen sich beim traditionellen Hinterradantrieb nur die Hinterreifen, hat man beim Allrad wieder potenziell vier Punkte die Haftung suchen. Noch besser wird es mit gesperrtem Differential, das dafür sorgt, dass alle Räder gleich schnell drehen. So gräbt der Lastwagen sich nicht unnötig ein und schiebt gleichmäßig voran. Aber auch Aspekte wie autonome Seilwinden mit eigener Batterie, die Tauchtiefe und Schnorchel, sowie die Federung spielen später noch eine Rolle. Als wäre das noch nicht genug, kommen noch etliche verschiedene Fahrzeugklassen wie Offroad-, Scout- oder Heavy Duty-Trucks dazu, die wiederum eigene Anhänger mit Sattel- oder normaler Anhängerkupplung aufnehmen können.

Das Gameplay an sich ist durch das komplexe und verworrene Terrain sowie die Vielfalt an Hilfsmitteln schon extrem komplex und schwer zu meistern. Dann gibt es aber auch noch ganz andere Herausforderungen über normale Lieferungen hinaus. So muss man beispielsweise mal hier einen versunkenen Truck aus dem Sumpf bergen, meterlange Holzstämme schlammige Hügel hochhieven, einen riesigen Bohrer für Ölbohrungen transportieren, oder mit dem Bordkran verlorengegangene Pakete bergen. Langweilig wird es in SnowRunner nie, so viel steht mal fest. Noch viel faszinierender ist der Umstand, dass diese Art von Spiel einen einzigartigen Mix aus Entspannung und Existenzängsten erzeugt. Zieht man 100 Tonnen Güter hinter sich her, und sieht rechts von sich nichts als Steilhang und das Auto kippt auch nur einen Mikrometer zur Seite, kann einem als Fahrer schon mal ein ängstliches Quieken rauskriechen. Fährt man hingegen vertraute Routen mit hochspezialisierten Offroad-Trucks, kommt man schon fast in einen meditativen Zustand.

Inhalt ohne Ende
Versteht mich nicht falsch, das Gameplay mag komplex sein, ja. Die Abläufe werden aber freilich irgendwann dröger und Missionen etwas repetitiv. Hier schaffte man jedoch Abhilfe, indem einfach dermaßen viel Content veröffentlicht wurde (und noch wird), dass es schon fast beängstigend ist. Mal so als Beispiel: In der ersten Region Michigan mit ihren vier Unterkarten mit etlichen Quadratkilometern verbrachte ich für die reine Komplettierung des ersten Teilgebietes locker 20 Spielstunden. Das mal vier gerechnet und ich wäre vermutlich mit Michigan durch. Darüber hinaus bietet das Basisspiel noch eine Region in Alaska, die durch Schnee und Eis ganz neue Gefahren mit sich bringt, sowie eine russische Karte mit üppigen Wäldern, wurzligen Pfaden und schwindelerregenden Bergwegen. Das alles beschäftigt je nach Fähigkeiten der Spieler locker an die 100 Stunden oder darüber hinaus.

Dann gibt es da allerdings noch die Jahrespässe. Das erste Jahr an Erweiterungen ist bereits durch und bringt neben neuen Vehikeln auch wieder zusätzliche Karten mit. Im Year 2-Pass geht das Ganze noch weiter. Die Erweiterung habe ich zwar noch nicht getestet, allerdings ist die Option für hunderte Stunden Beschäftigung für Enthusiasten sicher ziemlich anregend.

Die Technik
Wie immer ist die Switch-Version natürlich die Schwächste im Kader. Wer wie ich schon SnowRunner auf dem PC gespielt hat, oder jüngst im GamePass auf der Xbox Series X, der muss sich schon echt zusammenreißen beim Wechsel auf die Switch. Die einst so detaillierte und prächtige Optik geht gänzlich flöten. Schuld daran sind die üblichen Verdächtigen wie eine stark reduzierte Auflösung, bei der aber immerhin fast immer Bildraten um die 30 FPS drin sind. Auch gelegentliche Abstürze kommen vor, fallen aber nicht allzu schwer ins Gewicht. Die Grundstimmung der Gebiete kommt nach wie vor gut rüber, man muss sich aber halt erstmal an die neue Optik gewöhnen. Die wohl wichtigsten Elemente, die Physik und Schlamm-Mechanik, wurden aber 1:1 transportiert und funktionieren unterwegs genauso gut wie am heimischen Highend-Gerät. Etwas störender sind da die sporadisch auftretenden Soundbugs. Mal verschwinden Motoren- oder Umgebungsgeräusche gänzlich, aber nie in Kombination, was für unwirkliche Klangkulissen sorgt. Einen Ladebildschirm später sind die Bugs aber auch wieder weg. Auch werden manche Motorengeräusche im Stand in ganz merkwürdigen Schleifen abgespielt, wohingegen diese während der Fahrt wieder vollkommen originalgetreu klingen.

Fazit:
Man kann es lieben oder hassen. Meine Erfahrungen zeigen: Man muss für diese Art von Spielen gemacht sein. Eine ganze Zeit lang dachte ich, sowas wäre öde und blöd, bis ein Freund mir das Gegenteil zeigte und ich regelrecht in eine Sucht verfiel. Kann man mit dem Konzept etwas anfangen, ist SnowRunner jedoch mit Abstand das einzigartigste Exemplar dieser Art und sorgt für etliche spaßige Spieleabende und Beschäftigung auch auf lange Sicht. Für sein Geld bekommt man auf jeden Fall einiges geboten. Was die Switch-Version angeht, muss man definitiv abwägen. Auf jeder anderen Plattformen sage ich: Zugreifen! Wer nur Nintendos Hybrid-Handheld besitzt, kann auch hier bedenkenlos zuschnappen und reichlich Freude haben, ob im Multiplayer oder allein. Hat man jedoch Alternativen daheim, ist der Unterwegs-Faktor das Grafik- und Performance-Downgrade meiner bescheidenen Meinung nach nicht wert. Maximal für Pendler mit stundenlangen Zugfahrten könnte SnowRunner unterwegs lohnenswert sein.

Brummi auf Abwegen: Sebastian Mauch [Paneka] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an Astragon für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
SnowRunner muss auf der Switch zwar etwas einbüßen, ist aber noch immer eins der forderndsten Simulatorspiele auf dem Markt und sorgt für reichlich Unterhaltung.

Wertung

UMFANG:

10

ABWECHSLUNG:

8.0

TECHNIK:

6.0
79
von 100

Abwechslungs- und zahlreiche Gebiete

Mannigfaltige Truckauswahl …

… mit ebenso vielen Upgrade-Möglichkeiten

Tonnenweise Content

Geniales Gameplay

Kooperativer Mehrspieler

Switch-mäßige Performance ist gewöhnungsbedürftig

Weiche Darstellung dank niedriger Auflösung

Gelegentliche Soundbugs

Gelegentliche Abstürze

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Spielname:
SnowRunner

Typ:
eShop Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Focus Home Interactive

Developer:
Saber Interactive

Genre:
Simulation

Release:
18.05.2021 (erschienen)

Multiplayer:
1-4 Spieler, auch online

Altersfreigabe:
Frei ab 0 Jahre

eShop Preis:
39,99 €

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