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Review: Metroid Dread

Sebastian Mauch, 20.10.2021

4

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Lange mussten wir warten, doch nun ist es da: Metroid 5. Oder wie es nun richtig getauft wurde, Metroid Dread - der nunmehr fünfte Eintrag der beliebten und genredefinierenden 2D-Plattformer-Serie. Nun hat der letzte Ableger ja eine bewegte Historie, tauchte hier und da mal als Gerücht auf, wurde dann zum Mythos und hat nun letztlich doch das Tageslicht erblickt, nicht von Nintendo selbst, dafür aber von MercurySteam. Besagtes Studio hat sich bereits auf dem Nintendo 3DS mit dem Remake des zweiten Teils, nämlich Metroid: Samus Returns (zum Test), bewährt, worauf Dread letztlich auch in Sachen Gameplay aufbaut. Doch wird der heiß erwartete Titel seiner Legende gerecht? Soviel sei vorab gesagt: Absolut! Warum das so ist, und was Dread so besonders macht, das erfahrt ihr im folgenden Test.

Die Furcht vor dem Unbekannten
Wer spieletechnisch nicht komplett hinterm Mond lebt, wird sicher schon mal über den Begriff Metroidvania gestolpert sein. Der Begriff kam zustande, weil Reihen wie Metroid und Castlevania ein ziemlich geniales Konzept in das Genre der 2D-Plattformer einbrachten. Statt sich durch lineare Levels zu bewegen, hat man eine riesige Quasi-Open-World (meist aus einzelnen weitläufigen Bereichen), die vor allem vertikal aufgebaut ist. Der Clou: durch den stetigen Erwerb neuer Fähigkeiten öffnen sich für den Spieler immer mehr Wege. Das Subgenre Metroidvania hat quasi das sonst eher leidige Backtracking salonfähig gemacht. Samus‘ jüngster Ableger hat dieses Konzept nun nahezu perfektioniert. Und auch der Name ist Programm. Neben dem ohnehin schon immer eher mysteriösen Charme der Reihe, kommt nun noch ein weiterer Faktor dazu, der Forschungsroboter E.M.M.I., der blöderweise auch noch durch einen unbekannten Einfluss abtrünnig wurde. Doch mehr dazu später.

Die Geschichte beginnt dort, wo Metroid Fusion aufhört. Die Gelee-Wesen namens X wurden angeblich vernichtet, da Samus Aran diese mithilfe ihrer erworbenen Metroid-DNA aufgenommen und quasi ausgemerzt hat. Trotz alledem wurde der galaktischen Föderation neues und nachweislich echtes Videomaterial eines lebendigen X in freier Wildbahn zugespielt, woraufhin diese zur Aufklärung die für Parasiten sonst eher unempfindlichen E.M.M.I.-Roboter auf den Planeten ZDR aussendet. Nachdem die mechanischen Kundschaftler aber nicht mehr auf Befehle reagierten, kam natürlich mal wieder nur die legendäre Kopfgeldjägerin höchst selbst in Frage, um die Situation zu klären. Die Roboter selbst stellen wohl so ziemlich das größte Novum des Spiels dar. Diese sind nämlich aus dem härtesten Material des Universums hergestellt und so anfangs quasi unbesiegbar. Trotzdem kommen wir an den von E.M.M.I.s bewachten Zonen nicht herum und sind immer wieder dem Katz und Maus-Spiel mit den Killerrobotern ausgesetzt. Neben der allgemeinen Beklemmung kommt es einem auch stets so vor, als könnten die Bots Gedanken lesen, lernen im Laufe des Spiels sogar noch dazu und Kontermanöver sind durch wechselnde Timings eher Glückssache. Oft wird an Videospielen eine dumme Gegner-KI kritisiert, davon kann hier – zumindest in Hinsicht auf die E.M.M.I.s – nicht die Rede sein.

So viel zur Rahmenhandlung und der an sich größten Neuerung. Da ich diese Review möglichst spoilerfrei halten möchte, kann ich an dieser Stelle leider nicht spezifischer werden. Wenngleich Dread in Sachen Storytelling das Rad nicht neu erfindet, darf man sich doch auf einige interessante Zwischensequenzen, unerwartete Bossfights und vielleicht sogar die ein oder andere Wendung einstellen. Ein Blick dürfte sich also für Fans mehr als lohnen. Für Neueinsteiger ohne Kenntnisse der Lore der Vorgänger könnte die Geschichte aber auch andererseits belangloser nicht sein. Glücklicherweise hat Nintendo hier aber in Form von zahlreichen Reports auf der offiziellen Website für reichlich Hintergrundwissen gesorgt, sodass sich Neueinsteiger auch in den Werdegang bis zum großen Finale einlesen können.

Gameplay at its best
In Sachen Gameplay spielt es dafür umso weniger eine Rolle, ob man nun Vorerfahrungen hat oder nicht, denn es ist gelinde gesagt einfach exzellent geworden. Durch das Prinzip bedingt startet man wie gehabt fast komplett ohne Fähigkeiten, erwirbt diese nach und nach und wird so quasi besonders schonend an jeden neuen Kniff herangeführt. Zusätzlich ist das Design der Spielwelt so angelegt, dass man eigentlich nie lange suchen muss. Schaut man sich seine nähere Umgebung an, findet man eigentlich fast immer Hinweise, wo man seine neuen Skills einsetzen kann oder wo die Reise weitergeht. Falls nicht, hilft auch immer ein Blick auf die Karte. Diese kann frei gezoomt werden, man darf sich selbst verschiedene Farbmarkierungen setzen, und kann so eigentlich immer gut sondieren, wo es noch etwas zu erforschen gibt. Lediglich an einer Stelle im Spiel schien für einen kurzen Moment die Ursprungs-DNA der Reihe durch, wo ein Storypfad hinter einem der sagenumwobenen versteckten, zerstörbaren Blöcke versteckt war, was damals quasi dauerhaft Programm war. Frustfreier und geschmeidiger denn je bewegt man sich in Dread mit Samus durch die Tiefen des Planeten ZDR.

Apropos geschmeidig, kommen wir doch mal zur Optik des Spielchens. Letzteres Adjektiv könnte man so auch eins zu eins auf die Bildrate und die Animationen anwenden. Grundsätzlich haben wir es hier fast durchgängig mit einer Bildrate von 60 FPS zu tun, was dem Spielfluss enorm zugutekommt. Hin und wieder kam es zwar mal zu Einbrüchen, alles in allem spielte sich Dread jedoch zu über 90 Prozent sehr flüssig. Die vorzüglichen Animationen von Samus‘ und deren Widersacher untermauern diesen Eindruck. Vor allem die Liebe zum Detail muss man hier positiv anmerken. Lehnt sich unsere Kopfgeldjägerin des Vertrauens etwa gegen eine Wand, stützt sie sich dort mit einer Hand ab. Hat die Wand ein Loch, stützt sie sich oberhalb der Öffnung ab. Einfache „1-Block-hohe“ Stufen läuft sie ohne Probleme automatisch hoch, ohne dass man extra die Sprungtaste inklusive 5-Saltos in Gang setzen muss. Auch beim freien Zielen, welches in Samus Returns sein Debut und jetzt sein Comeback feiert, bewegt sich ihr Anzug wie man es von einem menschlichen Wesen erwarten würde. Ebenso sind die flotten Nahkampfkonter wieder mit von der Partie, werden dem Spieler aber nicht mehr so penetrant aufgezwungen, wie es noch auf dem 3DS der Fall war, sondern stellen viel eher eine Alternative dar, sollte man sich bedrängt fühlen oder einfach den inneren Rambo rauslassen wollen.

Auch neben den Basics bleibt das Steuerungskonzept stets leicht verständlich. Spätestens mit dem Grapple Beam kann es aber unter Umständen mal zu kurzen Aussetzern der grauen Masse kommen, da man mit verschiedenen Tastendrucks verschiedene Features wie Missiles, den Grapple Beam oder den Speed Booster aktiviert – übrigens alles altbekannte Fähigkeiten der Weltraumrächerin. Auch ein paar neue Fähigkeiten sind im Laufe des Spiels erwerbbar, die sich hervorragend ins Portfolio einreihen. Etwas mehr Innovation, wie etwa damals in Prime mit den Visors, hätte es aber ruhig geben können. Da sich Dread allerdings als Abschluss der Geschichte der bisherigen 2D-Metroids versteht, ist es wohl nur fair alte Tugenden zu perfektionieren, und sich die Innovationen dann für den nächsten Story-Arc aufzusparen.

Eine 2D-Welt, die keine ist
Umso innovativer gestaltet sich dafür die Spielwelt. Was schon auf dem 3DS, vor allem mit aktiviertem Tiefeneffekt, imposant war, wirkt hier in höherer Auflösung und mit deutlich mehr Polygonen nochmal wesentlich eindrucksvoller – auch ganz ohne 3D-Effekt. Es spielt sich zwar alles in 2D ab, allerdings ist die Spielwelt komplett in 3D ausmodelliert. So hat man stets im Hintergrund teils wunderschöne Dioramas, in der sich auch mal kleine Details abspielen. Stellenweise zoomt die Kamera sogar hinaus und offenbart plötzlich einen weiten Ozean der stürmisch hin- und herschwingt - hier blieb mir nicht nur einmal die Kinnlade unten. Noch cooler wäre es gewesen, hätte man im Stile von Metroid: Other M auf der Wii auch noch öfter mal mit der „Ebene dahinter“ interagieren können. Das ist jedoch wohlgemerkt Meckern auf hohem Niveau. Wo wir schon beim Meckern sind: Es ist mir bis heute unverständlich, warum Entwickler immer wieder Zwischensequenzen in Bildraten anbieten, die weit unter der des eigentlichen Gameplays liegen. So zuletzt gesehen im grandiosen Kena: Bridge of Spirits auf der PS5, wo das Geschehen selbst ebenfalls mit 60 FPS wiedergegeben wurde, dann jedoch nahtlos in vorgerenderte Zwischensequenzen überging, die in klassischen 24p (damals Standard für Kinoproduktionen) ablaufen. So auch in Metroid Dread, nur dass an sich imposant inszenierte Sequenzen in halber Bildrate, also mit 30 Bildern pro Sekunde ablaufen, nur um dann nahtlos wieder in flüssige 60 FPS überzugehen. Das wirkt letztlich immer wieder wie ein enormer Stilbruch und fällt nicht nur dem geschulten Auge negativ auf. Zur besseren Veranschaulichung: Stellt euch vor ihr fahrt mit 100 km/h über eine Landestraße, links und rechts nur Felder, alles fließt flüssig an einem vorbei. Dann geht die Straße bei sonnigem Wetter plötzlich in eine Allee über, und die Baumstämme jagen euch das reinste Stroboskop in die Netzhaut, wodurch sich alles etwas langsamer anfühlt. So in etwa fühlt es sich auch an, wenn die Bildrate nicht stetig ist, oder sogar ständig von 60 auf 30 und wieder zurück springt.

Dafür macht der Titel die wenigen kleinen Patzer locker wieder mit dem gewohnt stimmungsvollen Soundtrack wett. Gerade die beklemmenden Soundeffekte in E.M.M.I.-Bereichen tragen zur unerwartet nervenaufreibenden Grundstimmung bei, kontrastieren dann aber wiederum mit thematisch stets passenden Stücken in eher pflanzen- oder lavalastigen Gebieten – einfach herrlich. Weniger herrlich wiederum ist der Fakt, dass es amiibos gibt. Oder anders gesagt, ist das für Fans und Sammler sogar ziemlich toll. Dumm nur, dass man Komplettierer fast schon zum Kauf des amiibos-Doppelpacks nötigt, da diese, und nur diese jeweils ein Missile-Upgrade und einen extra Energietank freischalten. Zwar kommt man auch ohne diese beiden Extras ingame auf 100 Prozent, doch sehen die Zahlen und die Menge der erspielten Energietanks am Ende sehr krumm aus. Zelda-Komplettierer können hier ein Lied von singen, wenn die Herzleisten ungerade oder nicht gleichmäßig abgeschlossen ist. Dann wiederum gibt es sogenannte Sequence Breaks, also bewusst vom Entwickler eingebaute und eher kniffliger zu findende Routen, die vorzeitigen Zugang zu bestimmten Power-Ups ermöglichen und somit ganz neue Wege freilegen, um bestimmte Bosse zu plätten. Während man einen gewissen Boss etwa zuerst noch durch bloßes Ausweichen und Beschießen besiegt, kann man diesen beispielsweise durch den verfrühten Erwerb der Morphball-Bombe auf vollkommen andere und umso spektakulärere Art und Weise ausschalten. Diesen Weg selbst zu finden, erfordert jedoch ein gutes Auge und noch viel bessere Kenntnisse über Samus‘ Moves. Die wenigen Sequence Breaks hebe ich vor allem deswegen so positiv hervor, da sie auch Herangehensweisen abseits des üblichen Auswendiglernens von Angriffsmustern erlauben, was ich so bisher nicht allzu oft in Spielen erleben durfte.

Fazit:
Metroid Dread ist endlich da und wird von Presse und Fans gleichermaßen gefeiert. Und das auch meiner Meinung nach vollkommen zu recht. Die Lore der Reihe wird konsequent weitererzählt, alte Fragen geklärt, aber auch neue aufgeworfen. Gameplaytechnisch hat man hier ein altbewährtes Prinzip bis zur Vergoldung veredelt und nicht nur einen Spielplatz für Speedrunner, sondern auch für ganz normale Spieler erschaffen. Optisch wie klanglich wird der Titel älteren Serienablegern abermals gerecht, und bringt dennoch auch seinen eigenen neuen Charme mit ein. Mängel halten sich stark in Grenzen und fallen beim allgemeinen Durchspiel fast nicht auf. Lediglich beim Wiederspielwert hätte man sich etwas mehr ausdenken können als das übliche „Schließe das Spiel in unter x-Stunden ab“ und auch der nach Spielende freigeschaltete Hardmode sorgt lediglich dafür, dass man Bosse nahezu ohne eingesteckte Treffer besiegen muss. Dennoch ist Dread gerade beim ersten Spielen für Kenner der vorherigen Titel wie für Neueinsteiger mit Affinität zu Metroidvania-Spielen das reinste Fest, wenngleich sich die Geschichte doch eher an Kenner richtet. Zwar mag die Ursprungsgeschichte von Samus und den Metroids nun fertig erzählt sein, doch wird Dread nicht das Ende der Reihe sein, so viel hat Nintendo schon versprochen. Und da Dread in „2.5D“ und in den Zwischensequenzen schon so genial aussieht, darf man umso gespannter sein, was in der Substory der Prime-Reihe mit dem bald erscheinenden vierten Ableger so alles auf uns wartet.

Schon zweimal durchgespielt und immer noch begeistert: Sebastian Mauch [Paneka] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Reviewcodes.

Leserwertung:

Pflichtkauf
Deine Wertung:

-
Grandiose Fortsetzung, die nicht nur das (2D-)Metroid-Feeling wiederbelebt, sondern auch mit exzellentem Gameplay, spannender Lore und gewohnt gutem Soundtrack glänzt.

Wertung

LEVELDESIGN:

10

ABWECHSLUNG:

8.0

SCHWIERIGKEIT:

9.0
91
von 100

Geniale 3D-Hintergründe für eine lebhafte 2D-Welt

(Meist) flüssige 60 FPS

Spannende Lore rund um Samus und die Chozo

Vom Entwickler gewollte Sequence Breaks

Einzigartige Atmosphäre

Gameplay wie aus dem Bilderbuch

Fordernder Schwierigkeitsgrad

Unverschämt gute Animationen

Zwischensequenzen in halber Bildrate

Vollständige Power-Up-Sammlung hinter amiibo-Paywall

Im Hardmode skaliert lediglich der Gegnerschaden rasant in die Höhe

Wie werten wir?

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4 Kommentare

profil 21 comments
[22.10.2021 - 14:52 Uhr]
pasc:
Sieht wohl nach dem bisher besten 2D Metroid aus.

2D konnten mich bis dato nur Castlevania:OoE und die gudde alte Zero (GBA) Reihe überzeugen
(Bloodstained:RotN auch noch als 'honorable mention').


Mal sehen.
Aber die E.M.M.I Passage sind schon echt krass *schauder*.

PS: Seit wann ist denn "Bildrate" hier auf der +/- Liste :-(
In den GBA/DS Tagen hat man da nich so drauf geachtet... glücklicherweise
[Ich glaub ich werd langsam zu alt für Videospiele. Fps, cloudgaming, dlc, patch ugh.]
profil 167 comments
[22.10.2021 - 15:18 Uhr]
Paneka Sebastian Mauch
Ich glaube die Framerate war damals nicht so wichtig, einerseits aufgrund der vorhandenen Bildschirmtechnologien, auch aber weil die Leute so etwas wie 60FPS und höher einfach nicht kannten oder nicht als Standard wahrgenommen haben. Mir fällt es bspw. immer schwerer 30FPS-Games zu genießen, weil mein Auge mittlerweile einfach auf hohe Wiederholraten trainiert ist. Ich bin sicher, Dread wäre auch als 30FPS-Spiel grandios geworden, nur der ständige Wechsel kann einigen Naturen halt sauer aufstoßen, aber das hatte ich ja im Test auch erwähnt. Klumpen in der Soße mag ja auch kaum einer, da soll ebenfalls alles schön gleichmäßig sein ;)
profil 767 comments
[24.10.2021 - 05:13 Uhr]
Regnat:
Seit dieser Woche ist auch ein Patch von Nintendo veröffentlicht worden, der den bei den Negativpunkten erwähnten Fehler beseitigen soll.
profil 167 comments
[24.10.2021 - 18:31 Uhr]
Paneka Sebastian Mauch
Guter Hinweis, Regnat. Um Verwirrung zu vermeiden hab ich es mal aus dem Contra-Teil entfernt.
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Spielname:
Metroid Dread

Typ:
Switch-Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Nintendo

Developer:
MercurySteam

Genre:
Action Adventure

Release:
08.10.2021 (erschienen)

Multiplayer:
nicht vorhanden

Altersfreigabe:
Frei ab 12 Jahre

eShop Preis:
59,99 €

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