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Review: Factorio

Nicola Hahn, 21.11.2022

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Als Michal Kovařík im Jahre 2012 ein kleines Spieleprojekt mit dem Namen Factorio begann, hat er sich wohl nicht ausmalen können, dass er damit den Grundstein für ein ganz neues Genre setzen würde. Zusammen mit seinem Studio Wube Software aus Prag hat er ein Management-Spiel geschaffen, das den Fokus auf Automatisierung setzt und zahlreiche Projekte wie Satisfactory und Dyson Sphere Program inspiriert. Nun hat es das Game auch erstmals auf Nintendos Konsole geschafft und es stellt sich unausweichlich die Frage, ob es dort auch wirklich gut aufgehoben ist.

Erste Schritte
Bereits im Menü vermittelt das Spiel, worauf man sich hier einzustellen hat: Während im Vordergrund das Hauptmenü gezeigt wird, braust eine Bahn heran und wird von kleinen Greifarmen ausgeladen. In einer anderen Szene rennt ein kleiner Bergmann einem riesigen Insekt hinterher, nur dass er wenige Sekunden später in umgekehrte Richtung rennt und von einem ganzen Schwarm solcher Krabbeltiere verfolgt wird. Die Optionen im Menü sind dabei recht nüchtern: Man kann entweder als Einzelspieler oder im Multiplayer mit anderen ein neues Spiel starten oder laden. Außerdem lässt sich eine eigene Karte über den eingebauten Karteneditor gestalten. Im neuen Spiel lässt sich das Tutorial starten, ein freies Spiel anlegen oder durch verschiedene Szenarien wetteifern. Eine tolle Sache: Der Mehrspieler-Modus ist crossplay-fähig, es kann also mit PC-Spielern zusammengespielt werden! Voraussetzung ist dafür lediglich, dass der gehostete Server über einen der Spieler läuft und keine Mods verwendet werden.

Aber jetzt endlich los ins Abenteuer! Das beginnt mit dem Absturz unseres Raumschiffes, das auf dem Boden eines fremden Planeten zerschellt. Außer uns selbst scheint niemand überlebt zu haben, doch aus den Trümmerteilen lässt sich noch Eisen gewinnen! Und die umstehenden Bäume sollten eh langsam mal gefällt werden … Aus beiden Ressourcen lässt sich kurzerhand ein Bohrer erschaffen, der auf das nebenstehende Eisenerzfeld gestellt werden kann und nun, befeuert durch das Holz, in regelmäßigen Abständen Erz an die Oberfläche transportiert. Zwar verfügt unser Charakter über die Möglichkeit, die Ressourcen auch per Hand abzubauen, doch warum die Hände schmutzig machen, wenn eine Maschine den Job erledigen kann? Ein direkt an den Abbauer angeschlossener Ofen verarbeitet das Erz dann anschließend gleich zu Eisenplatten weiter, die dann für neue Gegenstände benötigt werden. Aber aufgepasst: Auch diese Einrichtung braucht für den Betrieb Brennmaterial. Jetzt wird noch ein naheliegendes Steinfeld angezapft, um auch diesen Baustoff anzuhäufen. Passenderweise wird dieser gleich an eine Holzkiste angeschlossen, um diese zu befüllen, denn die Maschinen stellen ihre Arbeit ein, sobald ihr Ablageplatz voll ist. Und das ist ein Problem, denn schon bald liegt die Eisenproduktion still, da der Ofen bis oben gefüllt ist! Also kommt eine neue Erfindung an die Reihe: Greifarme! Diese müssen aktuell auch noch mit Treibstoff versorgt werden, doch schnappen sie sich im Gegenzug Items von der Eingangsseite und legen sie in der Ausgangsseite wieder ab. Damit lässt sich der volle Ofen in eine Kiste leeren, sodass die Produktion fortgesetzt werden kann.

Die Automatisierung hält Einzug!
Doch ist ein Bohrer und ein Ofen nicht genug: Es müssen mehr sein! Jetzt kommen Fließbänder an die Reihe, die jedes Item automatisch an eine bestimmte Stelle rollen und von Bohrern und Greifarmen befüllt werden können. Wie auf einem Kassenband legen die Bohrer das frische Eisenerz nun ab und das Förderband bringt sie sicher zu den Öfen, bei denen sich die Greifarme nacheinander die Erze vom Band greifen und mit viel Hitze zu Eisenplatten schmelzen. Das fertige Produkt wird wieder per Greifen und Rollen in eine zentrale Box verfrachtet. Bis zur vollkommenen Automatisierung ist es jedoch noch ein kleines Stück, denn die Bohrer, die Öfen und die Greifarme brauchen nach wie vor Brennstoff und Holz lässt sich nicht automatisch abbauen. Aber glücklicherweise befindet sich ein Kohlefeld ganz in der Nähe, sodass ein langes Transportband die Kohle zumindest in die Nähe der Maschinen bringen kann. Damit lassen sich zumindest die Bohrer mit Energie versorgen, auch wenn ich für die Öfen und die ganzen Greifarme trotzdem noch selbst aktiv werden muss, um den Stillstand meiner Produktion zu verhindern. Der nächste logische Schritt ist damit die Einführung von strombetriebenen Geräten, um zumindest die Bohrer und die Greifarme unabhängig von meinem Eingreifen dauerhaft zu versorgen. Dafür muss nun die neue Ressource Kupfer abgebaut werden, die ebenfalls in einem Ofen zu Kupferplatten verarbeitet wird. An einem See wird nun eine Pumpe aufgebaut, an die ein Heizkessel angeschlossen wird. Sobald dieser mit Kohle versorgt ist, wird Dampf produziert, der in Dampfmaschinen zum kostbaren Gut Strom gewandelt wird. Jetzt noch Strommasten mit Kupferkabeln aufbauen und die mit Holz und Kohle betriebenen Bohrer und Greifarme durch ihre Äquivalente austauschen, die mit Strom laufen. Die sind auch noch um einiges schneller, sodass die allgemeine Produktivität ansteigt.

Damit wäre der Grundaufbau erledigt und es kann endlich in Richtung Forschung geh… aber was ist das? Die lokale Fauna ist mit der Industrialisierung nicht einverstanden und wird durch die entstandene Luftverschmutzung ganz aggressiv! Kleine Insekten namens Beißer nehmen Kurs auf die teuren Maschinen und beginnen sie manisch anzuknabbern, was die Pläne eines jeden wirtschaftlich denkenden Menschen durchkreuzt! Also wird zur guten alten Waffengewalt gegriffen und das Alienungeziefer mit Pistolenmunition niedergestreckt. Die entstandenen Schäden müssen nun wahlweise repariert oder gar komplett ausgetauscht werden. Die Karte verrät außerdem, dass die Verschmutzung langsam aber sicher weitere Nester der gemeingefährlichen Rieseninsekten erreicht und somit der nächste Angriff unausweichlich ist. Aus der Menschheitsgeschichte ist aber bekannt, dass Waffen dank Forschung besser wurden, sodass die Wissenschaft die Antwort auf die Verteidigung der Kolonie parat haben muss! Im Spiel ist das recht simpel umgesetzt: Im Forschungsbaum lässt sich eine Technologie bestimmen, an der geforscht werden soll. Damit es Fortschritte gibt, müssen erbaubare Forschungszentren mit verschiedenfarbigen Erlenmeyerkolben versorgt werden. In der ersten Stufe werden nur rotfarbige benötigt, die einfach mit Kupferplatten und Zahnräder, die wiederum aus Eisenplatten bestehen, per Hand gefertigt werden können. Und wenig später halte ich das Rezept für eine SMG in den Händen, die deutlich mehr Kugeln verschießen kann als meine läppische Pistole. Es geht weiter mit Steinmauern, die über gebrannte Steine erbaut werden können, und einer Fabrik, die automatisch Items wie Zahnräder, Munition und die Forschungsfläschchen fertigen kann. Also geht es nun einerseits an den Aufbau einer standfesten Verteidigungskonstruktion sowie an die Implementierung einer automatisierten Forschung.

Ein Ausblick in die Zukunft
An dieser Stelle werden noch ein paar Stunden vergehen bis die nächste Forschungsstufe mit grünen Fläschchen erreicht, das erste Auto zusammengesteckt und der lang ersehnte Zugverkehr erforscht wird. Die Angriffe durch die Aliens werden immer stärker, es müssen automatische Geschütztürme her, die mit Munition versorgt werden müssen, und irgendwann hilft nur noch die Kraft der Lasertürme, um die anstürmenden Meuten niederstrecken zu können. Schnell sind einige Ressourcenfelder nicht mehr einfach mit einem Förderband erreichbar oder können nicht mehr ausreichend geschützt werden, sodass Züge eingesetzt werden, die zwischen verschiedenen Stationen hin- und herpendeln, um die Ressourcen anzuliefern. Und auch ist Angriff die beste Verteidigung, denn schließlich werden die Aliens immer stärker je länger sie der Verschmutzung ausgesetzt sind. Also zum Gegenangriff übergehen und ihre Behausung auslöschen, um die Reproduktion zu verhindern. Danach folgt der Ölabbau, der Einsatz von Drohnen und Panzer sowie sogar der von Atombomben. Ganz am Ende steht der Bau einer Weltraumrakete, die ganz offiziell den Spieldurchlauf beendet, doch bis dahin sind es noch viele Stunden harte Arbeit, zahllose Prozessoptimierungen, die den Abriss ganzer Fabrikanlagen zur Folge haben kann, und blutige Kämpfe mit den Aliens, die ebenfalls in wenigen Sekunden ganze Produktionen einreißen können.

Das Spiel zieht den größten Spaß aus der Komplexität des Gameplays und der andauernden Optimierung. Auf Nintendo Switch führt das zwangsläufig zu Problemen, denn die Steuerung, die ursprünglich auf Maus und Tastatur ausgelegt ist, ist mit dem Stick des Joy-Cons deutlich unpräziser. Die Entwickler haben dankenswerterweise neben einem virtuellen Cursor auch eine Art Lock-On eingebaut, womit die Felder um die Spielfigur herum durch einen einfachen Schwenk in die jeweilige Richtung schnell angesteuert werden können. Doch die ganzen Menüs und Aktionen, die während des Spielens aufgerufen werden können, liegen auf verstreuten Tastenkombinationen, die man sich erst antrainieren muss. Etwas näher heranzoomen? Das geht nur mit ZR-Trigger und der Pfeiltaste nach oben. Alle Items eines Typs im Inventar können übrigens via ZR-Trigger und A-Taste verschoben werden. Hilfreich sind da kleine Tooltips, die links am Bildschirmrand eingeblendet werden, aber noch lange nicht alle wichtigen Kombis enthalten. Immerhin bieten die Entwickler auch hier eine gute Lösung an, denn es lassen sich so gut wie alle Aktionen in den Einstellungen auf andere Tasten und Kombis legen, was besonders auf Nintendo Switch und anderen Konsolen so gut wie kein Entwickler anbietet. Die Anpassungsvielfalt gilt übrigens auch für die Skalierung des UIs und für die Grafik, die bei fortgeschrittenen Spielständen mit eng bebauten Gebieten zu Rucklern führen kann. Doch ähnlich wie die PC-Version läuft auch die Switch-Version unglaublich stabil und Abstürze sowie unspielbare Framerate-Einbrüche gibt es nur extrem selten zu sehen. Über den Multiplayermodus lassen sich sogar Cross-Saves verwalten, da über die Server auch Spielstände und Blueprints ausgetauscht werden können. Und ein kleiner Bonus: Sogar Maus und Tastatur lassen sich in dem Spiel benutzen! Leider kann nicht das gesamte Steuerungslayout vom PC übernommen werden, aber dennoch ist das eine gute Möglichkeit, um parallel zum Controller mehr Hotkey-Möglichkeiten zu bekommen.



Fazit:
Die Entwickler von Factorio konnten tatsächlich die Qualität, die sie bereits für die PC-Umsetzung unter Beweis gestellt haben, auf Nintendo Switch übernehmen, was angesichts der ganzen miserablen Portierungen anderer Hersteller sehr lobenswert ist. Natürlich gilt es einige Abstriche mit dem Schritt auf die schwächere, geschlossene Hardware zu machen: So fällt der Modsupport weg, die Performance sinkt mit längerer Spielzeit, zu große Savefiles können nicht gespielt werden und die Steuerung ist sehr stark gewöhnungsbedürftig. Doch sobald man sich vergegenwärtigt, dass einer der prägendsten Titel des Management-Genres Einzug auf die mobile Konsole hält, der in Sachen Accessibility selbst Nintendo noch einen Spiegel vorhalten kann und bei den Themen Multiplayer-Support und -Performance brilliert, ist der Preis von 30 Euro, die der Titel übrigens auch üblicherweise auch auf anderen Plattformen kostet, völlig angemessen. Die aktive Weiteretwicklung des Ports unter Einbeziehung der Community über das Forum des Spiels ist ebenfalls beispielhaft. So darf man sich laut der Entwickler dort bald auf eine noch bessere Unterstützung von Maus und Tastatur wie auf dem PC freuen, sobald die meisten üblichen Kinderkrankheiten nach dem Launch wie Bugs und Crashes gefixt wurden. Außerdem soll noch in diesem Jahr eine Erweiterung erscheinen, die einen ähnlichen Umfang wie das Basisspiel haben soll. Ob diese dann auch gleich für Nintendo Switch erscheint, bleibt fraglich, aber die Zukunft des Spiels scheint gesichert. Und wer noch immer nicht voll und ganz von diesem Spiel überzeugt ist, kann sich die Demo im eShop anschauen oder zumindest das Game für PC kaufen, denn so oder so ist es ein Pflichtkauf!

Steckt bis zum Kopf in der nächsten Fabrikplanung: Nicola Hahn [501.legion] für PlanetSwitch.de

Vielen Dank an Wube Software für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Leserwertung:

Noch keine
Deine Wertung:

-
Das Urgestein des Fabrikmanagement-Genres kommt auf Nintendo Switch und ist fast perfekt!

Wertung

STEUERUNG:

7.0

TECHNIK:

9.0

GAMEPLAY:

10
87
von 100

Etliche Stunden Spielspaß

Fesselndes Gameplay

Multiplayer mit Crossplay

Tiefgehende Anpassungsmöglichkeiten

Sehr gewöhnungsbedürftige Steuerung

Performance-Einbußen bei großen Fabrikanlagen

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Spielname:
Factorio

Typ:
eShop Spiel

Jetzt Bestellen:
Zum Shop
Publisher:
Wube Software

Developer:
Wube Software

Genre:
Strategie

Release:
28.10.2022 (erschienen)

Multiplayer:
1-64 Spieler

Altersfreigabe:
Frei ab 6 Jahre

eShop Preis:
30,00 €

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Screenshots:
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